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Neue Pläne für Tellkamps Filmkulisse

Das prominente Wohnheim in Tharandt wird verkauft. Die Studenten müssen ausziehen.

Anpacken und raus. Für Felix Peter, Patrick Siemokat, Andy Werner und Jan Thüne (v.l.) sind die Tage in dem Tharandter Wohnheim gezählt. Mitten in der Prüfungszeit sollen sie umziehen.
Anpacken und raus. Für Felix Peter, Patrick Siemokat, Andy Werner und Jan Thüne (v.l.) sind die Tage in dem Tharandter Wohnheim gezählt. Mitten in der Prüfungszeit sollen sie umziehen. © Egbert Kamprath

Hier wohnt es sich ruhig, fernab von Straßenlärm und dem Trubel der Stadt – eigentlich. Seit einigen Tagen aber schlafen die Studenten in dem Wohnheim auf der Weißiger Höhe in Tharandt unruhig. Das Haus, das 2011 als Kulisse für den Film „Der Turm“ mit Regisseur Uwe Tellkamp und Schauspieler Jan Josef Liefers diente, wird verkauft. Alle Studenten müssen raus.

„Diese Entscheidung hat uns kalt erwischt“, sagt Jan Thüne. Der 27-jährige angehende Forstwissenschaftler hat genauso wie alle anderen Studenten des Hauses kürzlich per E-Mail mitgeteilt bekommen, dass sie bis Ende April das Wohnheim räumen müssen. Die Immobilie solle mietfrei an den neuen Eigentümer übergehen. Dabei sei den jungen Leuten kurz zuvor noch zugesichert worden, dass sie bis 2020 wohnen bleiben könnten. „Der neue Eigentümer war sogar hier, hat mit uns gesprochen und versichert, wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen“, erzählt der 22-jährige Andy Werner. Nun komme alles anders. Nur warum? Die Studenten sind ratlos und fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt.

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Schon seit Jahren bemüht sich das Dresdner Studentenwerk, welches das Anfang der 50er-Jahre erbaute Haus im Eigentum des Freistaates als Wohnheim betreibt, um dessen Verkauf. Die Unterhaltung des Gebäudes ist kostspielig, ebenso eine grundlegende Sanierung des Hauses. Um Schäden abzuwenden, wurde 2015 lediglich das Dach für rund 300 000 Euro komplett erneuert. Weitere Modernisierungen hat der Bau seither nicht erfahren. Im Inneren erinnert vieles sogar noch an den morbiden Charme der 50er-Jahre. Daran stören sich die Bewohner nicht. Im Gegenteil: Die Forststudenten mögen ihre „Öko“, wie das Wohnheim genannt wird.

Das Wohnen auf der Weißiger Höhe in Tharandt hat für die angehenden Akademiker durchaus seine Vorzüge. Hier finden die Tharandter Forststudenten unter einem Dach direkt zueinander, helfen sich gegenseitig in Sachen Studium. Hier gibt es noch eine Gemeinschaft. Diese, fürchtet auch Felix Peter, löse sich nun auf. Der 26-jährige Masterstudent ist Wohnheimtutor und unterstützt die Neusemester bei ihrem Studienstart. Mit Beginn des neuen Studienjahres im Herbst war die Öko mit ihren 42 Studentenbuden voll belegt. Seitdem bekannt ist, dass die jungen Leute hier raus müssen, packen einige die Koffer für den Auszug. Nur wohin?

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In das „traumhaft schöne Gebäude“ muss ordentlich investiert werden. © Archiv: Oberthür

Die Studentenwohnungen in Tharandt, wo die TU Dresden ihre Zweigstelle der Forstwissenschaften betreibt, sind knapp, bezahlbarer Wohnraum sowieso. Das größte Einzelzimmer in der Öko mit etwa 30 Quadratmeter Größe kostet dagegen gerade einmal 182 Euro pro Monat. Nicht nur im Wohnheim selbst weiß man um die günstige Miete. Auch beim Dresdner Studentenwerk will man deshalb den Forststudenten entgegenkommen und bietet den Umzug in ein Wohnheim auf der St. Petersburger Straße in Dresden an, bis September 2019 zu demselben Mietpreis. Ab März kommenden Jahres stünden hier „ausreichend Kapazitäten zur Verfügung“, sagt Martin Richter, Chef des Studentenwerks Dresden. Dieses Angebot schmeckt allerdings nur wenigen Öko-Bewohnern. Der Umzug im kommenden Frühjahr falle mitten in die Prüfungszeit vieler Studenten. „Für die Forstwissenschaftler, die in Tharandt studieren, ist es außerdem quatsch, in Dresden zu wohnen“, sagt Jan Thüne. Täglich eine Stunde Fahrt gingen für das Pendeln drauf.

Nicht nur viele Studenten sind unsicher, wie es nun weitergeht. Auch die Zukunft des Studentenclubs Heinrich-Cotta, der seit 1986 in dem Haus seinen Platz hat, ist unklar. „Wir sind mit verschiedenen Leuten im Gespräch“, sagt Club-Chef Patrick Siemokat. Bisher gebe es aber noch keine verlässliche Perspektive. Für die Forststudenten aber steht fest: Sollte der Club keine neuen Räume finden, gehe ein großer Teil des studentischen Lebens in der Forststadt verloren. Der Club organisiert nicht nur alljährlich den „grünen Ball“ der Forstwissenschaftler in Tharandt, sondern unterstützt mit Catering und nach personellen Kräften auch weitere Veranstaltungen in der Forststadt.

Nicht nur für die angehenden Forstwissenschaftler auf der Weißiger Höhe scheint es mit dem schnellen Auszug anders zu laufen, als gedacht. Auch dem neuen Eigentümer sei es ähnlich ergangen. Die Interessenlage von Käufer- und Verkäuferseite habe sich dahingehend geändert, dass mit dem Besitzübergang ein Auszug der Studenten notwendig sei, erklärt Markus Köhler der SZ. Dem Wilsdruffer Bauunternehmer gehören bereits weitere Wohnhäuser auf der Höhe. Die Öko sei ein „traumhaft schönes Gebäude“, sagt er. Allerdings müsse auch ordentlich investiert werden. Bei laufender Vermietung sei das nicht zu machen. An der Nutzung des Gebäudes für Wohnzwecke will Köhler festhalten. Genaueres stünde aber noch nicht fest. Ausschließen will er nicht, dass hier vielleicht auch in Zukunft wieder Studenten eine Bleibe haben.