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Neue Pumpen halten Coswig trocken

Bei der Flut stand die Station kurz vor dem Kollaps. Die Anlage hochwassersicher umzubauen, ist schwierig.

Von Philipp Siebert

An den ersten Mittwoch im Juni erinnern sich Jörg Morgenstern und Ralf Baar genau. Es regnete ununterbrochen. Wie schon in den Tagen zuvor. Der Pegel der Elbe stieg. Innerhalb kürzester Zeit drohte im Abwasser-Pumpwerk in Kötitz die Situation zu kippen. „Das war haarscharf“, sagt Morgenstern, Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserbetriebes (WAB). Ralf Baar, Rohrnetzmeister bei der WAB und verantwortlich für den Betrieb des Pumpwerkes, nickt. Die Station ist bei Hochwasser Coswigs Lebensversicherung.

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Kämpfen noch immer mit den Folgen der Juniflut: Coswigs Wasserchef Jörg Morgenstern (rechts) und Rohrnetzmeister Ralf Baar. Bis Ende des Jahres sollen alle Pumpen in der Station in Kötitz erneuert werden. Foto: Arvid Müller
Kämpfen noch immer mit den Folgen der Juniflut: Coswigs Wasserchef Jörg Morgenstern (rechts) und Rohrnetzmeister Ralf Baar. Bis Ende des Jahres sollen alle Pumpen in der Station in Kötitz erneuert werden. Foto: Arvid Müller

Das Juni-Hochwasser überraschte die beiden Männer. Mit einem solchen Hochwasser hatten sie nicht gerechnet. Doch die Flut und der Starkregen brachten die Anlage an ihre Leitungsgrenze. Die Pumpen standen vor dem Kollaps – schon wieder.

Wasser drang gleich an mehreren Stellen in das Bauwerk ein, das zehn Meter tief in den Erdboden reicht. Es zwängte sich durch feine Ritzen neben den dicken Rohren, die durch die Betonwände nach außen führen. Nur durch die Hilfe der Feuerwehren sowie des Technischen Hilfswerks (THW) wurden die Pumpen trockengehalten und die Kanäle entlastet.

Trotzdem gingen zwei Pumpen kaputt. „So eine Situation will ich nicht noch einmal erleben“, sagt der WAB-Chef heute. Das Pumpwerk wird deshalb nicht nur repariert, sondern flutsicher umgebaut. Denn ohne die Anlage säuft Coswig bei einer Flut ab. So wie im Jahr 2002. Von Kötitz bis hin zur Börse, vom Wohngebiet an der Dresdner Straße bis zu den Gärten an der Jaspisstraße: Alles stand unter Wasser. Wie Fontänen schoss die braune Brühe aus den Gullideckeln. Häuser, Geschäfte, Plätze, einfach alles wurde vom Elbewasser verschluckt. Mehr als zwei Drittel der 21 000 Einwohner waren vom Pumpen-Ausfall betroffen. Eine Katastrophe mit Millionenschäden.

Die erneute Überflutung der Stadt verhinderten im Juni 2013 Einsatzkräfte und freiwillige Helfer. Feuerwehren und THW saugten ununterbrochen Wasser aus dem Pumpwerk ab, sodass die Station nicht vollends den Geist aufgab. Zwei riesige THW-Pumpen sorgten schließlich für Entspannung. Die Ersatzgeräte hielten die Anlage so weit trocken, dass die Pumpen weiter arbeiten konnten. „So sind uns mindestens zehn Millionen Euro Schaden erspart geblieben“, schätzt Baar. So hoch war der Schaden vor elf Jahren allein in der überfluteten Innenstadt.

Die zwei Millionen Euro, die der Umbau des Pumpwerks kostet, ist für die Männer sinnvoll investiertes Geld. Pläne, um das Pumpwerk flutsicher zu machen, gibt es schon lange. Kurz vor der Umsetzung kam die Juni-Flut. „Wir haben dabei wieder neue Erkenntnis gewonnen“, sagt WAB-Chef Morgenstern. Die hat das Planungsteam in das Umbaukonzept eingearbeitet. Zuerst kommen die sechs alten Elektropumpen dran. Zwei wurden schon ausgetauscht. Nach 30 Jahren im Dienst leisten die nur noch die Hälfte der einstigen Pumpkraft – rund 1,5 Kubikmeter pro Sekunde. Ersatzteile, um die Maschinen wieder flott zu machen, gibt es keine mehr. Sie werden gegen Tauchmotorpumpen ausgetauscht. Drei Kubikmeter pro Sekunde saugen die Maschinen weg – das macht zehn volle Badewannen. Und die Geräte funktionieren auch noch, wenn das Pumpwerk von der Elbe geflutet wird.

Das allein reicht jedoch nicht. Auch der Dieselgenerator, der den Strom für die Pumpen erzeugt, wurde höher gelegt. Bis zu einem Pegel von 9,70 Metern bleibt das Aggregat trocken. Genügend Kraftstoff wird schon vor Ort gelagert. 40 000 Liter fassen die Tanks. Das reicht für eine Woche, wenn alle Pumpen auf Volllast laufen. Um im Ernstfall die Tanks zu füllen, wird gerade eine fluttaugliche Zufahrt von der Naundorfer Straße her angelegt. „Alles das, was hier den reibungslosen Betrieb der Anlage betrifft, wird höher verlegt“, sagt Baar. So werden bisher nur die Pumpwerke in Dresden vor der Elbe geschützt.

Ende des Jahres soll der Umbau fertig sein. Vier neue Pumpen fehlen noch. Im Sommer werden sie ausgetauscht. Immer im Wechsel. Während die neuen Maschinen aufgebaut werden, laufen die anderen weiter. Gefahr, dass das Netz während des Umbaus bei Starkregen ausfällt, bestehe so nicht. „Selbst wenn es so regnet wie letztes Jahr“, scherzt Morgenstern. „Eine neue Pumpe schafft so viel wie zwei alte.“ So säuft Coswig nicht ab.