merken
PLUS

Neuer Ärger um alte Mühle

Eigentümer Detlev Moeller hat immer wieder Vandalismus zu beklagen. Doch der hält ihn nicht von seinen Zielen ab.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Viel Auslauf, wenig Verkehr und vor allem Ruhe. Für Kater Filou muss das Gelände wie ein Paradies sein. Davon ist zumindest Detlev Moeller überzeugt, auch wenn er ab und zu Krach macht. Rund um die Oderwitzer Berndt-Mühle hat der Eigentümer gerade 150 Tonnen eines Mineralgemisches aufgeschüttet, verteilt und rüttelt dieses nun mit einer Maschine fest. Der Schotter dient als Unterbau und ist wasserdurchlässig. Darauf kommt später eine hellere Schicht, die Ränder werden mit Bordsteinen aus Basalt befestigt. Bis Jahresende will der 45-Jährige auf dem 4 000 Quadratmeter großen Gelände mehrere Wege anlegen, dazwischen Sitzbänke aus Holz aufstellen, Flächen begrünen und einen Baum pflanzen. „Das lockert das Ganze auf“, sagt er und spricht von einer Anlage zum Wohlfühlen, die vor allem ihren natürlichen Charakter behalten soll.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Es passiere schon was, sagt Moeller. Seit 2006 besitzt der Mann aus Esslingen das Mühlen-Grundstück. Immer wieder macht er etwas daran. Wann, das hängt vor allem von der Zeit und dem Geld ab, da er aus beruflichen Gründen bundesweit unterwegs ist und alles selbst finanzieren muss. „Aber hier bin ich zu Hause“, sagt der Eigentümer, auch wenn ihn der Vandalismus ärgert. Schon mehrmals ist der 45-Jährige in den vergangenen vier Jahren davon betroffen gewesen. So haben Diebe aus dem Schuppen neben der Mühle einige Werkzeuge entwendet, andere kaputtgemacht. Der Schaden: Einige Hundert Euro. Inzwischen versperren Tore den Zugang. Später zog ein Unbekannter eine Mülltonne durch die Gegend und kippte sie aus. Eines Nachts rückte sogar die Feuerwehr an, weil der Sperrmüllhaufen brannte. Bereits zweimal hat jemand Moellers Briefkasten zu Silvester beschädigt. Einmal per Fußtritt, einmal per Sprengung. Und erst vergangene Woche musste nur er eine eingeschmissene Autoscheibe beklagen, obwohl noch drei andere Fahrzeuge auf dem Grundstück standen. Ein gezielter Anschlag. Das sei grenzwertig und zerre an den Nerven, sagt der Mühlen-Besitzer. Angezeigt hat Moeller die Fälle bei der Polizei nicht, weil er sich keine Hoffnung macht, dass die einen Täter ermitteln. Doch der Vandalismus hält ihn nicht ab, weiterzumachen. Vor einem halben Jahr ist seine Partnerin zu ihm in das Wohnhaus neben der Mühle gezogen, fand Arbeit und hilft seitdem beim Aufbau mit. Beide stecken dafür privat zurück. So fehlen in der eigenen Wohnung noch die Türen, das Parkett und die Schubladen in der Küche. Leben auf einer Baustelle nennt das Moeller. Dass mit der Mühle so viel Arbeit verbunden ist, hat der 45-Jährige unterschätzt. Ohne den Enthusiasmus und die Liebe würde er es gar nicht durchhalten, sagt der Eigentümer. Über den Sommer ist geplant, die neu angefertigten Flügel wieder anzubringen. Später sollen noch sogenannte Jalousien-Sätze dazu kommen, die den Wind besser ausnutzen können. Und auch die Elektrik für die künftige Außenbeleuchtung liegt bereits an. Im Inneren der Mühle steht noch ein alter Walzenstuhl, der einmal zum Mehlmahlen diente. Doch die Teile sind verrostet und müssten aufgearbeitet werden. Von dem Gedanken, an der Stelle wieder mal zu produzieren, hat sich Moeller sowieso schon verabschiedet. In den nächsten Jahren steht dafür ein neues Dach an, die jetzigen Holzschindel sind bereits stark verwittert. Über jegliche Hilfe freut sich der Mühlen-Besitzer. Ihm liegt auch daran, einmal einen Verein zu gründen. Aber dazu brauche er die richtigen Leute, die auch mal mit anfassen können, sagt der 45-Jährige. Schließlich soll das Gelände öffentlich zugänglich bleiben. Irgendwann will Moeller auch noch einen Holzpavillon mit einem Ofen bauen, wie er früher einmal in seinem Wohnhaus – einer alten Bäckerei – stand. Der könnte dann für Veranstaltungen gemietet oder für eigene Feste genutzt werden und etwas Geld einspielen. Ein anderer Wunsch ging bereits in Erfüllung. Voriges Wochenende besuchte ihn der Enkel des ehemaligen Besitzers Berndt, dem Namensgeber der mit 1787 ältesten Mühle von Oderwitz. Dieser kannte sie noch aus seiner Jugendzeit, arbeitete dort mit. Der Enkel brachte auch Fotos und Dokumente mit. „Da steckt so viel Geschichte drin“, sagt Moeller. Eine, die er gerade in einer Chronik aufarbeitet und auch in Polnisch und Tschechisch übersetzen lassen will. Derzeit ist ein Flyer in Vorbereitung, der zum Mühlentag ausgegeben werden soll. Moeller fasziniert immer wieder, mit welchen geringen technischen Hilfsmitteln die Arbeiter früher die tonnenschweren Einzelteile zusammenbauten. „Ein Meisterstück“, sagt Moeller zu seiner Mühle.