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Neuer Prozess um Bannewitzer Pleite

Ex-Autochef Reiko Beil macht die Bundespolitik verantwortlich dafür, dass sein Autohandel in Insolvenz ging.

© dpa

Von Alexander Schneider

Bannewitz. An Selbstbewusstsein mangelt es Reiko Beil nicht. Das war schon so, als der 45-Jährige Anfang vergangenen Jahres das pegidanahe Bündnis „Dialog 2015“ mit begründete und Gespräche mit CDU-Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene suchte, oder als er später auf der Pegida-Bühne über ein geplantes Treffen mit einem CDU-Staatssekretär in Berlin berichtete. Doch zuerst distanzierte sich Pegida-Chef Lutz Bachmann von den „Dialog 2015“-Plänen eines Hauptstadt-Gesprächs, dann fiel auch noch der Treff als solcher ins Wasser. Ein Dialog mit Pegida ist bis heute nicht in Sicht.

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Marktführer für Autovermietung?

Seit Mittwoch kämpft Reiko Beil als ehemaliger Unternehmer am Landgericht Dresden um einen Freispruch. Bereits 2013 hatte ihn das Amtsgericht Dresden wegen Insolvenzdelikten und Bankrotts in mehreren Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Es geht um die Pleiten der European Car Management (ECM) und Reprocar in Bannewitz. Beil berichtete, wie er nach der Wende in Dresden einen Autohandel aufgebaut habe, den er zur größten Autovermietung der neuen Länder, zum „Marktführer“, gemacht habe. Sie sei aufgrund der Marktentwicklung und seiner mangelnden Erfahrungen Ende der 1990er-Jahre in die Pleite gerutscht.

Autos quer durch Europa gekarrt

Dank seiner Kontakte habe Beil dann in Bannewitz einen Renault-Autohandel aufgebaut. Sein mitangeklagter Bruder habe formal die Geschäfte geführt, faktisch aber er selbst, so Reiko Beil. Wieder hätten sich die Umsätze prächtig entwickelt.

Beil sagte, er habe in Absprache mit dem französischen Konzern Autos quer durch Europa transportiert, um die Fahrzeuge so zu besseren Preisen als Dresdner Vertragshändler verkaufen zu können. Man habe Firmen etwa in Rostock gegründet, um dort die Absatzzahlen für die Statistiken zu schönen.

Wie gesagt, an Selbstbewusstsein mangelt es Beil nicht. Für das Ende seiner Firmen macht er die Bundespolitik verantwortlich.

In dem Prozess will Beil nachweisen, warum er über Jahre keine Bilanzen vorgelegt und rund 100 000 Euro Beiträge für bis zu 62 Arbeitnehmer nicht an Krankenkassen gezahlt habe. „Wir können das zeigen“, sagte Beils Verteidiger Michael Flintrop. Der Prozess wird fortgesetzt.