merken
PLUS

Bautzen

Neuer Wohnraum in der Bautzener Töpferstraße

Die Firma Baucom hat nun auch das Areal neben den Zentrum-Garagen erworben – und Großes damit vor.

Das Gelände von Hausnummer 29 bis zur 35 in der Bautzener Töpferstraße gehört nun der Firma Baucom. Dort, auf dem Areal der ehemaligen Zentrum-Garagen und des Lausitzer Druckhauses, sollen bis spätestens 2022 Wohnungen entstehen.
Das Gelände von Hausnummer 29 bis zur 35 in der Bautzener Töpferstraße gehört nun der Firma Baucom. Dort, auf dem Areal der ehemaligen Zentrum-Garagen und des Lausitzer Druckhauses, sollen bis spätestens 2022 Wohnungen entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Roland Zetsch steht in der Töpferstraße und blickt über den Bauzaun auf das Haus, das im Januar eingestürzt ist. Baucom, seine Firma, hat das Areal gekauft. Roland Zetsch sieht da einen Rest des Tors der Zentrum-Garagen, die Mauer ist eingerissen. Blaue Ständer stützen den Überrest des Gebäudes. Der Bauunternehmer blickt auf die Holztore, die sich weiter hinten auf dem Areal aufreihen – doch sein Blick bleibt nicht haften. Stattdessen geht er ein Stück weiter nach rechts und betrachtet nun auch noch das Areal des Lausitzer Druckhauses. „Das Gelände geht bis an die Stadtmauer“, sagt der Bauunternehmer. Nun ist es bekannt: Seine Baufirma hat auch dieses Gelände gekauft. Und sie hat Großes damit vor.

Schon länger habe sich Roland Zetsch umgehört, was die Nachbargrundstücke in der Töpferstraße anbelangt. Dann erfuhr er vom Insolvenzverfahren gegen das Lausitzer Druckhaus – und schlug zu. Nun steht er also vor dem neuerworbenen Gelände; er hebt seine Hand, malt damit eine Wand in die Luft – von ganz rechts bis ganz links. „Hier werden Wohnungen entstehen“, sagt er. „Dann gibt es hier eine Frontbebauung“, erklärt er seine Gestik.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Erste Mietanfragen gibt es schon

Allein 1500 Quadratmeter umfasst das Gelände der ehemaligen Zentrum-Garagen, so erzählt Zetsch. Etwa 4000 Quadratmeter kommen nun durch das Druckerei-Gelände hinzu. Die Planung ist dabei eine Aufgabe, die viel Zeit beansprucht. Gemeinsam mit einem Büro aus Dresden geht er dabei vor, auch mit der Stadt steht er regelmäßig in Kontakt. Mit Drohnen hat Zetsch dafür das Gelände überfliegen lassen, um einen Überblick zu bekommen. So wurden die Maße genommen, anhand derer nun die Planer ihre Skizzen erstellen.

Wie viele Wohnungen entstehen sollen, wie groß und zu welchem Preis – das sei noch völlig offen. „Es würde sich anbieten, hier betreutes Wohnen zu ermöglichen“, erklärt der Geschäftsmann, im Kopf hat er dabei vor allem pragmatische Gründe. Er zählt auf: „Die Lage ist gut, die Innenstadt ist zu Fuß erreichbar. Die Leute können hier am Leben teilhaben. Und auch die medizinische Versorgung ist mehr als gesichert: Hinter dem Areal ist das Ärztehaus und in der Nähe ist auch das Krankenhaus. Der Stadtwall bietet viel Grün, ebenfalls zu Fuß erreichbar.“ Auch die breiten Gehwege in der Töpferstraße, die durchschnittlich alternde Bevölkerung – das alles spräche für die Idee, die derzeit heranwächst. Aber „wir werden gründlich recherchieren, was gerade am Gefragtesten ist“, sagt Roland Zetsch. Dann ergänzt er: „Wir haben da ja gegenüber der Bevölkerung auch eine Verpflichtung.“

Ob hier also tatsächlich Wohnungen für betreutes Wohnen entstehen, ist zwar noch offen – doch die Chancen stehen gut, Interesse scheint es viel zu geben. „Mich rufen bereits jetzt ständig Leute an, die fragen, ob sie sich schon jetzt für eine Mietwohnung vormerken lassen können“, berichtet Roland Zetsch.

Es wird Teilabrisse geben

Wie genau das Gebäude aussehen soll, da will sich Roland Zetsch noch nicht festlegen. Ob die historischen Überreste der Zentrum-Garagen mit eingebunden werden? Eine Art Themen-Wohnungen, im Stil der ehemaligen Garagen? Das sei zwar noch offen, aber eher unwahrscheinlich. Sicher sei vielmehr, dass es weitere Teilabrisse geben wird. Im Winterhalbjahr sollen die Abrissbagger anrollen. „Mindestens der gewerbliche Teil des Druckhauses kommt weg“, sagt Zetsch, und ergänzt: „Was die Zentrum-Garagen anbelangt, stehen wir noch in Kontakt mit der Denkmalbehörde.“ Mindestens ein historisches Andenken wird bestehen bleiben, nämlich ein kleines Bauwerk am Stadtwall mit hölzernen Fensterläden: „Das Teehaus soll in das Konzept mit einbezogen werden“, erklärt Zetsch.

Im Verlauf des Jahres sollen erste Skizzen entstehen, gegen Jahresende soll das Konzept stehen. Im kommenden Jahr sollen die Bagger rollen. „Lieber 2021“, so erklärt es Zetsch, aber „spätestens 2022 soll das Bauprojekt abgeschlossen sein“. Was das Ganze kosten wird, das sei dabei noch völlig offen. Auch, ob er die Wohnungen vermieten oder verkaufen möchte, weiß Zetsch noch nicht.

Auch in anderen Gebieten in Bautzen wirkt die Firma Baucom. So entsteht beispielsweise am Spittelwiesenweg ein neues Wohngebiet. 2017 hatte der Bauunternehmer begonnen, die Fläche zu erschließen. Mittlerweile sind alle 32 Wohnflächen auf dem Gelände der ehemaligen Zierpflanzen-Firma verkauft. An das Wohngebiet schließt sich die sogenannte Sonnenblick-Siedlung an. Auch diese Fläche gehört Roland Zetsch. Auf dem Areal bietet er nicht nur Grundstücke, sondern gleich fertige Häuser im Toskana-Stil an.

Das neueste Projekt der Gesellschaft ist nun das in der Bautzener Töpferstraße. Die Zentrum-Garagen, mit deren Kauf dieses neue Projekt begann, wurden wohl Ende des siebzehnten Jahrhunderts gebaut. Über 150 Jahre war das Haus im Besitz einer Bautzener Familie, die das Gebäude von Generation zu Generation weitergab.

Um 1910 zogen eine Bau-Maschinenschlosserei, ein Sattler mit Wagenlackiererei und später eine Wagenbauanstalt mit in das Gebäude ein. Ein paar Jahre später befinden sich in dem Gebäude laut Aufzeichnungen zum ersten Mal die Automobilwerkstatt Gauder sowie die Bautzner Autogaragen. Aus dem Bauwerk wurden dann die Zentrum-Garagen – wie die Bautzener noch bis Januar auf dem Schriftzug über dem markanten Torbogen des Gebäudes lesen konnten.

© SZ-Grafik