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Neues Glück auf dem Dorf

Familie Fiege ist aus der Großstadt nach Niederstriegis gezogen. Dabei erhält sie Unterstützung von der Nestbauzentrale.

Gaben ihre Wohnung in Dresden und ihr Haus in Mügeln auf, um sich in Niederstriegis ihr Nest zu bauen: Alisiya (vorn rechts) und Andreas Fiege mit ihren Töchtern Matilda (links) und Nicole.
Gaben ihre Wohnung in Dresden und ihr Haus in Mügeln auf, um sich in Niederstriegis ihr Nest zu bauen: Alisiya (vorn rechts) und Andreas Fiege mit ihren Töchtern Matilda (links) und Nicole. © Dietmar Thomas

Niederstriegis. Der erste Eindruck vom Haus in Niederstriegis war nicht der beste. „Ganz alt, ganz furchtbar, ganz schlimm“, fasst Andreas Fiege zusammen. Das Haus musste komplett kernsaniert werden. Elektrik und Wasserversorgung wurden neu verlegt. „Wir haben Wände eingerissen, die Räume anders gestaltet“, so der Zuzügler.

Das Haus ist zum größten Teil fertig. Doch auf dem großen Grundstück gibt es noch genügend zu tun. An Garagen und Scheune wird derzeit gearbeitet, demnächst soll der Stall ausgebessert werden.

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Auf das Haus mit großem Grundstück ist Fiege vor zwei Jahren durch die Sparkasse Döbeln aufmerksam gemacht geworden. Der Umzug machte sich aus familiären Gründen erforderlich. Fieges Mutter wohnt in Chemnitz und ist pflegebedürftig. Er selbst hatte ein Haus in Mügeln. Zudem hatte die Familie noch eine Wohnung in Dresden. „Die Entfernung zu meiner Mutter war einfach zu groß“, so Fiege.

Die Familie entschloss sich zu einem Umzug. Das Haus in Mügeln wurde verkauft, die Wohnung in Dresden gekündigt. Die Familie suchte eine Bleibe, die gleichzeitig einen Erholungsfaktor bietet. Die beiden Töchter sollen gut behütet aufwachsen. Auch Weimaraner-Hündin Asta sollte genügend Auslauf haben.

Erste Verbindungen nach Mittelsachsen

Andreas Fiege ist in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, aufgewachsen. Er arbeitete als Lehrausbilder im damaligen VEB Numerik. Nach der Wende verlor er seinen Job. Er sattelte um und stieg als Trainee bei einer Möbelkette ein. Nach einem dreiviertel Jahr übergab ihm der Chef die Leitung eines Möbelhauses in Prag. 

Es folgten Stationen unter anderem in Gründau, Leipzig, Dresden und Coswig. Im Jahr 2002 wechselte er zu einer anderen Möbelhauskette, die auch Filialen in Döbeln, Meißen und Gorbitz betrieb. So hatte er erstmals Verbindung mit Mittelsachsen. Döbeln habe er bis dahin gar nicht gekannt, sei aber von der Region begeistert gewesen.

2003 vollzog Andreas Fiege erneut einen beruflichen Schnitt. Er kündigte bei der Möbelhauskette und gründete das AfP Beratungszentrum in Mügeln. Der Bildungsträger bietet Leistungen auf den Gebieten der Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und Weiterbildung an. Zudem ist Fiege als Dozent unterwegs und unterrichtet Gefangene in der JVA Waldheim in Deutsch, Mathematik, Wirtschaft und Sozialkunde.

Auf der Suche nach einem Job für die Frau

Seine Ehefrau Alisiya stammt aus Usbekistan und schloss in Taschkent ein Hochschulstudium in Pädagogik und Germanistik ab. In Deutschland erfolgte keine Anerkennung des Abschlusses und sie musste eine berufsbegleitende Weiterbildung absolvieren. 

In Dresden arbeitete sie als Integrationserzieherin, auch noch vier Monate nach dem Umzug. Doch dann brauchte sie einen neuen Job. Bei der Suche danach stießen die Familie auf das Internetportal der Nestbauzentrale, einem Service des Landratsamtes für Rückkehrer, Zuzügler und solche, die in ihrer Heimat bleiben wollen.

„Wir haben gegoogelt, und da kam Nestbauzentrale. Ein Begriff, den wir nicht kannten“, so Fiege. Der Internetauftritt gefiel den Eheleuten. Der Familienvater rief an und fragte nach einer neuen Arbeit für seine Frau und einer Schule für die Kinder. „Das ging so etwas von schnell, nach zwei Tagen hatte ich eine Antwort. Die Nestbauzentrale agiert lösungsorientiert“, so der 55-Jährige. Aufgrund der Hinweise fand Alisiya Fiege eine neue Stelle in einer Döbelner Kindertagesstätte. Die beiden Mädchen gehen in Döbeln zur Schule.

Nur ein Pferd fehlt noch

In drei Jahren will Andreas Fiege sein Unternehmen an einen Nachfolger übergeben. Er will dann in Döbeln ein Büro eröffnen und seinen Arbeitsalltag entspannter gestalten. „Ich will mich dann vorwiegend auf meine Lehrertätigkeit konzentrieren“, so Fiege. Er könne sich auch vorstellen, Weiterbildungs- und Nachhilfeangebote in Niederstriegis anzubieten.

Seit einem halben Jahr fühlt sich die Familie in Niederstriegis angekommen. Am Anfang sei das etwas schwierig gewesen. „Ich hatte das Gefühl, dass bildlich gesprochen Mauern aufgebaut wurden“, sagt Fiege. Einige seien total freundlich gewesen, bei anderen habe er Ablehnung gespürt.

Das Leben auf dem Land unterscheide sich deutlich von dem in der Stadt, sagt Andreas Fiege. „Die Gelassenheit, die Luft, die Freiheit. Ich fühle mich hier viel freier als in der Stadt“, so Fiege. Neben Hündin Asta leben noch sieben Schafe auf dem Grundstück. Wenn es nach den Töchtern ginge, würde auch noch ein Pferd dazukommen.

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