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Neues Wasserrad für Zschoner Mühle

Morgen wird die Konstruktion in Gang gesetzt. Das große Teil ist eine Maßanfertigung. In Dresden gibt es nichts Vergleichbares.

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© Norbert Millauer

Von Lars Kühl

Das alte Mühlrad ist verfeuert. Ab morgen dreht sich das neue in der Zschoner Mühle. Müller Thomas Winkler öffnet um 11 Uhr die Einlaufklappe, und das Wasserrad wird sich langsam in Gang setzen. Bevor es so weit ist, nahmen Nico Wagener und Danny Bach genau Maß. Denn das riesige Rad musste exakt justiert werden. „Damit es richtig rund läuft“, sagt Bach. Vor Kurzem waren die Spezialisten vom Mühlenbaubetrieb Gottfried Schumann aus Mulda bei Freiberg vor Ort. Viele solcher Firmen gibt es nicht mehr in Deutschland. Seit 137 Jahren fertigen die Angestellten dort inzwischen Wasserräder.

So auch für die Zschoner Mühle. Die Vorarbeiten dauerten fünf, sechs Wochen, zum Schluss wurde das Rad mit einem Durchmesser von über sechs Metern dann montiert. Müller Thomas Winkler hatte den Auftrag dazu erteilt. Das alte Mühlrad hatte 25 Jahre auf dem Buckel und war verschlissen. Im Dezember wurde es deshalb abgebaut. Winkler ist seit vielen Jahren mit dem Mühlenbauer Gottfried Schumann befreundet. Der hatte auch schon das alte Rad gefertigt. Das war damals noch aus Fichtenholz. Beim Neuen entschied sich Winkler für Lärche. „Das ist wetterbeständiger.“ 35 000 Euro hat die Konstruktion gekostet, 10 000 Euro gab das Denkmalschutzamt der Stadt dazu. Die Ortschaft Mobschatz, die Drewag, die Stadtentwässerung und die Firma Nestle/Schöller spendeten ebenfalls. Aber einen Großteil musste der Kulturverein Zschoner Mühle selbst aufbringen.

Müller Winkler erhofft sich aber, die Ausgaben durch Führungen wieder refinanzieren zu können. Schließlich ist das Bauwerk im Zschoner Grund die einzige funktionierende Wassermühle in Dresden. Eine beeindruckende dazu. Sie zählt zu den größten betriebenen in Sachsen. 60 Schaufeln mit einem Fassungsvolumen von je 20 Litern bugsieren das Wasser. Dieses wird vom Mühlgraben aus von oben auf das Wasserrad geleitet. Im Fachjargon spreche man deshalb von einem oberschlächtigen Rad, erklärt Winkler. Typisch sei der große Durchmesser im Gegensatz zur eher schmalen Breite. Bei der Zschoner Mühle sind es etwas mehr als 50 Zentimeter. Anzutreffen sind solche Wasserräder an Gebirgsläufen, wo es ein relativ starkes Gefälle gibt. Im Zschonergrund muss dieses künstlich erzeugt werden, indem Wasser aus dem Zschoner Bach in den Mühlgraben abgezweigt wird.

Bei entsprechender Wassermenge lässt sich über die 1,5 Tonnen schwere und vier Meter lange Achse, dem Wellbaum, eine Leistung von sechs PS erzeugen, rechnet der 52-Jährige vor. Theoretisch könnte die Zschoner Mühle damit sogar Getreide mahlen. „Das wird aber nicht mehr gemacht, weil der Mühlraum mit zum Gaststättenbereich gehört.“

In der gesamten Mühle wird morgen kräftig gefeiert, wenn das Wasserrad in Betrieb genommen wurde. Nach der festlichen Ansprache durch den Müller erzählt um 11.30 Uhr der Mühlenbauer. Pfarrer Thomas Böttrich von der Philippus-Kirchgemeinde Gorbitz hat sich zur Weihe um 12 Uhr angekündigt. Eine halbe Stunde später will die Müllerin Katrin Glaß, die im Übrigen in zwei Monaten Thomas Winkler heiraten wird, den Besuchern am neuen Wasserrad ein Ständchen singen. 13.30 Uhr bietet der Müller dann eine Erlebnisführung mit dem Mühlengeist Muki an. Eine Stunde später zeigt ein Bäcker, wie aus Korn ein Brot wird.

Eine Vorstellung des Puppentheaters darf in der Zschoner Mühle nicht fehlen. Die beginnt um 16 Uhr auf dem Scheunenboden. Zum Abschluss wird die Walpurgisnacht eingeläutet. 18 Uhr gibt es eine zweite Theateraufführung mit dem Titel „Fangt die Hexe Wackelzahn“. Ab 19 Uhr lodert dann das Hexenfeuer mit Müller Thomas Winkler und dem Mühlengeist.