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Neues Wohnen in alter Druckerei

Zwischen Theaterplatz und Lorenzgasse haben die Bauarbeiten für die Laurentii Residenz begonnen.

René Sandig, Prokurist des Dresdner Unternehmens Wohnartplus, will mit seinem Geschäftspartner in das Areal der alten Druckerei 56 barrierearme Wohnungen einbauen lassen. Rund zwölf Millionen Euro soll die Laurentii Residenz kosten.
René Sandig, Prokurist des Dresdner Unternehmens Wohnartplus, will mit seinem Geschäftspartner in das Areal der alten Druckerei 56 barrierearme Wohnungen einbauen lassen. Rund zwölf Millionen Euro soll die Laurentii Residenz kosten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das neue Pflaster des Theaterplatzes ist dort, wo der Baderberg abgeht, unter einer dicken schwarzen Asphaltschicht verschwunden. Allerdings nur zeitweise. Denn auf die so entstandene ebene Plattform kommt bald der Kran, der sich über dem Quartier der alten Druckerei drehen wird. Denn hier will das Dresdner Unternehmen Wohnartplus bauen. Entstehen sollen 56 Wohnungen – allesamt barrierearm. Im zweiten Quartal kommenden Jahres soll der Kran wieder verschwunden und die Wohnungen fertig sein.

Zum offiziellen Start des größten innerstädtischen Wohnungsbauvorhabens, wie es Oberbürgermeister Olaf Raschke bezeichnet, waren am 8. Februar die Geschäftsführer von Wohnartplus Rico Jopp und René Sandig nach Meißen gekommen. Letztgenannter ist der Prokurist des Unternehmens, und er weiß, was der Grundstückserwerb, Planungen und Bau kosten sollen: zwölf Millionen Euro. Er weiß auch, dass es in der kommenden Woche richtig zur Sache gehen soll. Denn dann beginnt der Abbruch eines ehemaligen Druckereigebäudes am Baderberg, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Dann werden etwa zwanzig Bauarbeiter vor Ort sein.

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Auf geschichtsträchtigem Grund

Schon seit zwei Wochen wird im Innern des Quartieres, das sich von der Lorenzgasse 5 bis zum Theaterplatz 7 zieht, entkernt. Auf dem 2 500 Quadratmeter großen Areal fallen schätzungsweise 3 000 Kubikmeter Schutt an. Diesen bei den sehr beengten Verhältnissen zu beräumen wird, wie das Bauen unter solchen Bedingungen, zu einer der größten Herausforderungen des Projekts.

Gebaut wird auf geschichtsträchtigem Grund. Die Lorenzgasse 5 ist ein denkmalgeschütztes Geschäftshaus aus dem 16. Jahrhundert. Der Name der geplanten Wohnanlage knüpft an ein schon 1221 hier bezeugtes Hospital des Domkapitels an, das später Hospital St. Laurentii genannt worden ist. Die Meißner Architektin Antje Hainz hat dazu geschrieben: „Das Spital war eine wichtige Einrichtung in der frühen Stadt, erbrachte es doch nach unserem heutigen Sprachgebrauch soziale Dienste für Arme, Kranke, Alte.“

Um 1814/15 begann die Druckerei-Geschichte des Quartiers. Denn da kaufte Christian Ehregott Klinkicht (1769–1845) am unteren Baderberg die früheren Räume der Badestube Meißens, um dort seine Buch- und Zeitungsdruckerei unterzubringen. „Er erhielt 1827 die Genehmigung zur Inbetriebnahme einer zweiten Druckerei in den Räumen am Baderberg. Auch in den folgenden Jahrzehnten übernahmen die Enkel und Urenkel von C. E. Klinkicht die Druckerei“, ist bei Wikipedia nachzulesen. Zwischen 1925 und 1927 wurde das Druckhaus erweitert. Die Familie wurde 1945 enteignet und das Druckhaus später in Volkseigentum überführt. 1945/46 wurde hier die Sächsische Volkszeitung, die Vorgängerin der Sächsischen Zeitung, gedruckt. In DDR-Zeiten wurden am Baderberg vor allem Bücher, Broschüren sowie die SZ-Kreisausgabe produziert. Danach vorwiegend Illustrations- und Werbedrucke, Kunstkataloge, Werkszeitungen und Gelegenheitsdrucksachen. 1992 kaufte der bayerische Unternehmer Wolfgang Lerchl von der Treuhandanstalt die Druckerei.

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Das Unternehmen Wohnartplus will nach eigener Darstellung „ein neues Servicewohnen in Meißen“ etablieren. Dabei sollen anders als „bei vergleichbaren Wohnformen, die Kosten für Haushalts-, Freizeit- oder Pflegeleistungen erst bei Inanspruchnahme durch den Mieter fällig werden“. Damit soll das Betreute Wohnen weiter entwickelt werden. „Es setzt sich aus der Nutzung einer barrierefreien, qualitativ hochwertigen Mietwohnung und dem Angebot eines besonderen Dienstleistungsservices zusammen. „Dieses Wohnkonzept eignet sich insbesondere für aktive Senioren und Ehepaare, welche sich ihre Unabhängigkeit bewahren möchten.“

An der Lorenzgasse 5 befindet sich ein Geschäftshaus aus dem 16. Jahrhundert – geschützte Bausubstanz bleibt erhalten.
An der Lorenzgasse 5 befindet sich ein Geschäftshaus aus dem 16. Jahrhundert – geschützte Bausubstanz bleibt erhalten. © Claudia Hübschmann