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Kraftsport mit Abstand

Nach zwei Monaten Schließzeit konnte Reporter Ingolf Reinsch in Bischofswerda endlich wieder ins Fitnessstudio und stellte fest: Der Neustart ist schwerer als gedacht.

Sächsische.de-Reporter Ingolf Reinsch trainiert regelmäßig im Fitnessstudio in Bischofswerda. Der Neustart zu Beginn dieser Woche war für ihn nicht leicht.
Sächsische.de-Reporter Ingolf Reinsch trainiert regelmäßig im Fitnessstudio in Bischofswerda. Der Neustart zu Beginn dieser Woche war für ihn nicht leicht. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Ehe es an die Geräte geht, steht erst mal eine Hocke an. Jeder, der nach der Corona-Pause zum ersten Mal wieder ins Bischofswerdaer Fitnessstudio FIB kommt, wird gebeten, seinen Namen mit einem Filzstift an eine etwa zwei Meter hohe Tafel zu schreiben. "Wir möchten so unsere Mitglieder willkommen  heißen", sagt Inhaber Rudolf Eisenblätter. Die  oberen Plätze auf der Tafel sind schon gut gefüllt. Also entscheide ich mich fürs untere Viertel. 

Manches ist jetzt anders als vorher

Acht Wochen lang mussten die Mitglieder aufs Training verzichten, weil das Sportstudio geschlossen war. Seit dem 18. Mai darf man nun wieder trainieren.  Viele haben auf diesen Tag gewartet. 

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Manches ist jetzt anders, als es man gewohnt ist. Im Treppenhaus weisen Schilder darauf hin, Abstand zu halten und eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Orangefarbene  Linien auf der Treppe markieren die Stellen, wo Besucher warten müssen, falls sie ein paar Minuten vor der Öffnungszeit da sein sollten. Die beiden Bänke, auf die man sich sonst zum Schuhewechseln setzen konnte, wurden abgebaut. Jetzt stehen dort, mit ausreichend Abstand, vier Stühle.  

Wer ins Studio kommt, muss sich als erstes die Hände desinfizieren. Auf dem Tresen steht jetzt eine Platte aus Plexiglas. Ich schiebe zum Einchecken meine Mitgliedskarte durch den Spalt. Im Gegenzug bekomme ich den Schlüssel für einen Spind im Umkleideraum, um meine Tasche zu verstauen. Wie viele andere Gäste auch habe ich die Sportsachen schon an.   

In der Umkleidekabine stehen weniger Schränke als sonst. Die sieben, die noch da sind, wurden auseinandergerückt. Ein Schrank  versperrt den Zugang zu den Duschen. Die aktuellen Bestimmungen erlauben es noch nicht, sich nach dem Sport unter die Brause zu stellen. Von jeweils vier Spinden in jedem Schrank werden nur die beiden äußeren vergeben. Und zwar so, dass zwei Leute, die etwa zur gleichen Zeit kommen, sich nie den selben Schrank teilen. 

Rudolf Eisenblätter, den alle nur Rudi nennen, hat das Hygienekonzept erarbeitet. Grundlage waren die Vorgaben des Deutschen Sportstudioverbandes.    

Rudi Eisenblätter freut sich, dass er die Mitglieder wieder in seinem Fitnesstudio in Bischofswerda begrüßen kann.
Rudi Eisenblätter freut sich, dass er die Mitglieder wieder in seinem Fitnesstudio in Bischofswerda begrüßen kann. © SZ/Uwe Soeder

Persönlicher Neustart fällt schwer

Seit gut fünf Jahren gehe ich regelmäßig  ins Sportstudio.  Erst 15 Minuten Ausdauertraining auf dem Ergometer, anschließend Krafttraining an sieben Geräten für die verschiedenen Muskelgruppen. Knapp eine Stunde brauche ich jedesmal dafür. 

Nach zwei Monaten Pause geht es diesmal schleppend. 15 Minuten auf dem Rad bleiben zwar 15 Minuten. Doch schon nach gut zwei Minuten muss ich zwei Stufen runter schalten, weil es zu anstrengend wird. Nach der ersten Viertelstunde geht es zu einem der Behälter mit den Desinfektionstüchern. Hier hat sich mit Corona nichts verändert. Schon zuvor war es üblich, dass jeder nach dem Training seinen Schweiß von den Ausdauergeräten wischt. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, es diesmal sorgfältiger als früher zu tun. 

Jennifer, Lehrling im FIB, dreht mit der Desinfektionsflasche regelmäßig ihre Runde, um die anderen Geräte  frei von Viren zu halten. Wie auch die anderen Beschäftigten trägt sie einen Mundschutz. Wer trainiert, darf ihn abnehmen. 

Von den Geräten, die ich für meine Trainingsrunde brauche, ist alles da. Trotzdem gibt es auch hier Veränderungen. Neun Ausdauergeräte wurden außer Betrieb genommen und zum Teil weggestellt, um einen Mindestabstand von zwei Metern zu gewährleisten. Im Dehnungsraum, der erst vor kurzem eingerichtet wurde, dürfen jetzt nur noch maximal zwei Leute gleichzeitig trainieren. Platz wäre für acht. 

Rund 680 Mitglieder und Reha-Sportler sind im Bischofswerdaer Fitnesstudio registriert. Jeder hat auf seine Art versucht, die Schließzeit zu überbrücken. Wandern, Radfahren, Hanteln stemmen, lange Spaziergänge sind einiges, was ich von anderen Mitgliedern höre. Sie sind froh, dass das regelmäßige Training jetzt wieder möglich ist. Mein Nachbar am Gerät ist schon das dritte Mal seit der Wiedereröffnung da. "Es geht jetzt schon wieder leichter", sagt er. 

Zwangspause für Renovierung genutzt

Die beiden festangestellten Mitarbeiter waren während der Schließzeit auf Kurzarbeit gesetzt. Nun sind sie wieder an Bord. So wie auch die Pauschalkräfte.

Rudolf Eisenblätter nutzte die  vergangenen Wochen und brachte das Sportstudio, unterstützt vom Hausmeister, auf Vordermann. Wände wurden neu gestrichen, die fehlenden Scheuerleisten angebracht, der Empfangstresen erneuert, der Aerobic-Raum einschließlich Fußboden komplett neu gestaltet. Dort geben jetzt zwölf blaue Matten mit großem Abstand und vor jeder Matte ein aufgezeichnetes Fußpaar  den Standort vor, wo jeder seinen Platz hat. Mit Ausnahme des Indoor Cycling  sind alle Kurse wieder  möglich. 

Auch die Sauna ist wie neu. Er habe Brett für Brett abgeschliffen und neu versiegelt, berichtet Rudolf Eisenblätter. Doch bis wieder ein Aufguss angesetzt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Die Sauna darf noch nicht öffnen.  

Nach gut einer Stunde habe ich mein Programm absolviert. In Erwartung eines gehörigen Muskelkaters verlasse ich das Studio. Die ganze Zeit war es ein Kommen und Gehen, so wie in Vor-Corona-Zeiten. Ein Schritt zurück in die Normalität. 

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