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Nobel-Camper machen Ärger

Engländer und Holländer haben sich im Ruppersdorfer Volksbadcamp breitgemacht. Erst die Polizei konnte helfen.

Von Thomas Christmann

Er hat genug. Enrico Dextor will sie bloß noch vom Platz haben. Seit zwei Wochen nun schon sind die Engländer und Holländer im Ruppersdorfer Volksbadcamp. Nobelautos und Wohnanhänger stehen auf der Wiese. Frauen und Kinder verziehen sich, als der SZ-Fotograf auftaucht. Männer sind keine da. „Hier sieht’s schweinisch aus“, sagt der Vorsitzende vom Volksbadcamp-Verein. Überall liegt der Müll herum. Das Kinderspielzeug vom Sandkasten ist kaputt. In den Duschen sind die Müllbehälter demoliert, an den Waschbecken die Stöpsel rausgerissen. Und obwohl jeder Standplatz einen Zähler für den Strom hat, nutzen die Camper auch andere. Sogar den Sanitär-Container haben sie angezapft. Eigene Waschmaschinen stehen herum. Sowas hat Enrico Dextor noch nicht erlebt. „Mir geht’s beschissen“, sagt der 54-Jährige.

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Alles begann mit einem Anruf eines Engländers vor zwei Wochen bei ihm. Der Mann am anderen Ende sprach von drei bis fünf Wohnwagen, mit denen er und die anderen für drei bis fünf Tage im Volksbadcamp bleiben wollen.

Da sich Enrico Dextor zu der Zeit mit seiner Frau im Urlaub befand, übernahmen Sohn und Nachbar die Aufnahme der Camper in Ruppersdorf. Die ausländischen Familien kamen dann mit sieben Wohnwagen und noch weiteren Autos an, bis der Platz voll stand. Eine Woche wollten sie nun bleiben, unterschrieben die Campingordnung, zahlten 1 000 Euro an, ohne Stromkosten. Als Enrico Dextor dann vorige Woche Donnerstag zum ersten Mal den Campingplatz betrat, musste er erst einmal 13 Säcke mit Teppichen, Bettbezügen und Hausmüll entsorgen. „Das lag alles vor den Tonnen“, sagt er. Weitere Säcke lagen auf der Toilette.

Am 12. September wollte der Vorsitzende die offene Stromrechnung von über 200 Euro beglichen haben. Die Camper entgegneten, einen Tag später zahlen zu wollen, vertrösteten ihn auf Sonntag, dann Montag. Die Männer verschwanden in der zweiten Woche auf einmal, die Frauen vertrösteten Enrico Dextor wieder. Vom Platz fahren konnten sie die Autos und Anhänger ihrer Aussage nach nicht. So ging er am Donnerstag zur Polizei, um die Camper mit ihrer Hilfe loszuwerden – und stellte Strafanzeige wegen des Betrugsverdachtes. Die Beamten kamen abends auch vor Ort, ließen sich die Personalien zeigen und zogen ab. Wie Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz mitteilt, liegt hier ein zivilrechtliches Problem vor. Es gehe offensichtlich um nicht bezahlte Rechnungen, sagt er. Aber das Hausrecht durchsetzen sei Aufgabe des Eigentümers, nicht der Polizei.

Und so verwies der Vorsitzende die Camper des Platzes – ohne Erfolg. Erst zog der 54-Jährige die Stecker, dann stellte er ihnen den Strom ab, zumindest tagsüber. Über Nacht ließ Enrico Dextor ihn an, damit sie die Sanitäreinrichtung nutzen können – und nicht noch mehr Ärger machen. „Mein einziges Druckmittel“, sagt er. Doch gestern reisten neue Camper an, obwohl die Holländer und Engländer noch den gesamten Platz einnahmen. Unter ihnen ist auch ein Paar aus dem Raum Leipzig gewesen. „Die müssten sofort runter, das ist geschäftsschädigend“, kommentiert der Leipziger die Situation. Das Paar suchte sich einen anderen Campingplatz – und ihnen folgten am Nachmittag weitere.

Dann tauchten die Männer auf, die wohl die Woche über arbeiten gewesen sind. Einer drohte dem SZ-Fotografen auf Englisch, die Kamera und ihn ins Becken zu schmeißen, wenn er die Bilder nicht löscht. Die Camper äußerten, dass sie von Anfang an zwei Wochen bleiben wollten, das so geäußert und die 1 000 Euro als Pauschale verstanden hätten. Doch weitere 2 400 Euro sollten nun hinzukommen. Kosten, die vor allem durch den Verbrauch von 1 200 Kilowatt Strom entstanden. „Du bist ein Schwindler“, ruft einer von ihnen dem Campbetreiber zu.

Die Polizei rückte mit sechs Beamten und drei Autos erneut an, versuchte zwischen den Campern und dem Vorsitzenden zu vermitteln. Am Ende einigten sie sich auf 1 600 Euro. Die Bedingung: Die Camper verschwinden innerhalb von einer Stunde.

Das taten diese dann auch. Er hätte wohl auch aufs Geld verzichtet, sagt Enrico Dextor. „Hauptsache, die sind runter“. Nun steht eine Grundreinigung und Renovierung des gesamten Platzes an. Und künftig will der 54-Jährige vorsichtig sein, wenn sich in der Größenordnung irgendwelche Camper ankündigen. „Da nehme ich keine mehr“, sagt er. Kommentar