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Not macht erfinderisch

Seit Dezember gehört das Radebeuler Lügenmuseum zu Sachsens Künstlerhäusern.

© Robert Michael

Von Kristin Koschnick

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Namen mit internationalem Klang und langer Historie wie Schloss Solitude in Stuttgart, die Villa Concordia in Bamberg, die Häuser in Ahrenshoop und Worpswede schmücken die Liste von Deutschlands Künstlerhäusern. Sachsens Künstler backen in dieser Beziehung kleinere Brötchen. Aber auch Gut Prösitz, die Denkmalschmiede Höfgen und das Künstlerhaus Loschwitz besitzen einen Ruf über Landesgrenzen hinaus. Seit Jahresende gehört das Lügenmuseum in Serkowitz zu dieser Gilde. Es wurde in den Landesverband Künstlerhäuser Sachsen e.V. aufgenommen. Seitdem muss es sich auch an diesem Anspruch messen lassen. Museumschef Reinhard Zabka hat keine Berührungsängste. Seiner Auffassung nach müsse das Radebeuler Haus den Vergleich nicht scheuen. Der ursprüngliche Sinn der Häuser liege in ihrer gegenseitigen Befruchtung. Gerade bei etablierten Einrichtungen wie Solitude und Wiepersdorf habe er selbst bei seinen Aufenthalten eine unterkühlte Atmosphäre erlebt. Arrivierte Künstler seien mehr an ihrem Renommee und seltener am Austausch der Erfahrungen interessiert. Die Häuser lebten von der Seele derjenigen, die sie ausfüllen. Wohlstand mache satt.

Reinhard Zabka träumt von einem Künstlerhaus im Gasthof Serkowitz. Foto: Thomas Kube

Der sächsische Landesverband Künstlerhäuser bezieht sich in seiner Selbstdarstellung direkt auf die Tradition der norddeutschen Künstlerkolonien des 19. Jahrhunderts. So sagt es die Internetseite. Seine Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gestellt, Arbeits- und Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, Publikationen zu erstellen und für Ausstellungsmöglichkeiten zu sorgen. Wenn möglich, sollen auch noch Stipendien für die Künstler dabei heraus springen. Diese Ziele kosten alle Geld. Geld, das angesichts knapper werdender öffentlicher Kassen erst eingenommen werden muss.

Das Loschwitzer Künstlerhaus auf der Pillnitzer Landstraße verfügt mit seiner über 100-jährigen Geschichte über andere finanzielle Möglichkeiten als der sanierungsbedürftige Gasthof an der Elbe. Auf der Liste seiner ehemaligen Bewohner stehen Karl-May-Illustrator Sascha Schneider, Grafiker Joseph Hegenbarth und Maler und Bildhauer Hermann Glöckner. Die Maxime der Eigentümergemeinschaft der Urenkel des Erbauers lautet, das Haus wirtschaftlich zu führen und trotzdem den Künstlern Arbeits- und Wohnmöglichkeiten zu erschwinglichen Mieten zu bieten.

Bekannte Namen der Dresdner Künstlerszene, unter anderem Professor Günter Hornig, Konrad Maass, Sandor Doro und Hanif Lehmann, stehen an den Türen der 13 Wohnungen und 17 Ateliers.

Radebeuls Lügenmuseum ist jetzt gezwungen, neue Wege zu gehen. Bisher ist über seinen Verbleib im Alten Gasthof noch nicht endgültig entschieden. Dabei war das vergangene Jahr ein erfolgreiches. Immerhin haben rund 5 500 Besucher den Weg nach Serkowitz gefunden, davon 2 000 zur gerade beendeten Sonderausstellung „unverbesserlich“. Weiterhin wurden der neue Katalog verwirklicht, eine Imagebroschüre gestemmt und Postkarten gedruckt – über das sogenannte Crowdfunding, eine Form des Geldsammelns zur Finanzierung dieser Projekte. Die Liste der Museumsunterstützer in der Stadt wächst. Vergangene Woche formierte sich eine Arbeitsgruppe aus Künstlern, Denkmalschützern, Stadträten und engagierten Bürgern, die ihre Kraft für den Verbleib des Hauses in Radebeul einsetzen wollen. Auf ihrer Aufgabenliste steht als Erstes ein erneuertes Finanzierungskonzept auf Basis eines Erbbaupachtvertrages. Dieses Konzept soll auch die bisher noch zögerlichen Stadträte von seiner Wirtschaftlichkeit überzeugen. Den Segen der Unteren Denkmalschutzbehörde hat Reinhard Zabka bereits. Sie hat ihm Ende des Jahres schriftlich bestätigt, dass ein Erhalt des Kulturdenkmals mit Raumstruktur, Saal und Sgraffiti wunderbar mit einer Nutzung als Museum vereinbar sei. Museumsmacher Zabka will gern die Stadt mit ins Boot holen. Er bietet dafür regelmäßige Besucherresonanz, mediale Aufmerksamkeit und eine Plattform für Workshops und Projekte. Dann könne auch über Stipendien für Künstler nachgedacht werden.

Er habe seine Profession immer am Abgrund betrieben. Not mache erfinderisch. Gerade in diesen politisch entmutigenden Zeiten sei es Aufgabe der Kunst, eine kreative Atmosphäre zu entwickeln, Lebensfreude zu verbreiten und Ermutigung zu bieten. Da kommen die dieses Jahr anstehenden Jubiläen 700 Jahre Serkowitz und 25 Jahre Lügenmuseum gerade recht. Anwohner, Künstler und interessierte Bürger sind eingeladen, zum Lügenball am 1. April, dem Internationalen Tag der Lüge, dabei mitzumachen.

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