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Hoyerswerda

Nur nicht aufgeben, immer weitermachen!

Karin Turek engagiert sich seit Jahren in Knappenrode auf vielfältige Art und Weise.

Karin Turek (links) engagiert sich in Knappenrode seit vielen Jahren ehrenamtlich. Sie freut sich über zuverlässige Mitstreiter wie Anneliese Rösch.
Karin Turek (links) engagiert sich in Knappenrode seit vielen Jahren ehrenamtlich. Sie freut sich über zuverlässige Mitstreiter wie Anneliese Rösch. © Foto: Andreas Kirschke

Knappenrode. Eine zierliche, kleine Fichte ohne Nadeln erfreute die Besucher. Voller bunter Kugeln stand sie zum Jahreswechsel in der Weihnachtsausstellung im Knappenroder Bürgerzentrum. Silberglanz umhüllte Stamm, Äste und Zweige. „Ein Beispiel für Nachhaltigkeit, einmal vor dem Verbrennen gerettet, noch viele Jahre verwendbar“, so steht die Erläuterung von Anneliese Rösch (84) dabei. Zusammen mit anderen kreativen Frauen in Knappenrode hatte Karin Turek (67) die Weihnachtsausstellung des Heimatvereins „Kugeln und Kerzen“ im Bürgerzentrum gestaltet und organisiert. So etwas ist jedoch nur eine ihrer vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen.

„Ich bin in verschiedenen Gemeinschaften erwachsen geworden, immer mit Verantwortung“, erzählt die 67-Jährige. Als „Urgestein“ in Knappenrode stammt sie aus einer großen Familie. Ihre Mutter, Martha Schmidt, hatte fünf Geschwister. Der Großvater mütterlicherseits, August Theka, hatte als Sorbe sieben Geschwister. Die Großmutter mütterlicherseits, Martha Hanusch aus Burg, sprach im Alltag noch sorbisch. Die Urgroßmutter mütterlicherseits, Hanna Theka aus Koblenz, trug noch täglich sorbische Tracht. In der großen Familie, so erzählt Karin Turek, gab einer auf den anderen Acht. Das übertrug sich langfristig auf Enkelin Karin.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Mit Leib und Seele Hortnerin

In ihrer Jugendzeit organisierte der Demokratische Frauenbund DFD im Ort immer wieder Veranstaltungen. „Komm mit, da gehörst du hin“, sagte Karin Tureks Mutter und nahm die Tochter mit. Später unterstützte sie, angeregt durch Lehrerin Irmgard Müller, die Arbeit der Volkssolidarität. Sie war bis zur Auflösung (2010) ein aktives Mitglied im Seniorenverein. Monatliche Geburtstagsfeiern, unterhaltsame Nachmittage und auch die Seniorenweihnachtsfeier gestaltete und organisierte sie mit.

Schulfeste und -feiern, so erinnert sich Tochter Karin Turek, waren in der Polytechnischen Oberschule Knappenrode immer etwas Besonderes. Ihre Deutschlehrerin und ihr besonderes Vorbild Edda Beyer zog die Schüler und auch Karin zur Vorbereitung und Mitwirkung heran. Damals schon spürte die Schülerin die Freude an dieser Arbeit. Sie wurde ebenfalls Unterstufenlehrerin für Deutsch, Mathematik und Kunsterziehung. Ein Jahr arbeitete sie als Pionierleiterin. Später war Karin Turek mit Leib und Seele Horterzieherin in Knappenrode. Wandern zum Spannteich, Schachspielen, Basteln, Sport und Spiel, natürlich auch die Erledigung der Hausaufgaben prägten die Freizeit im Hort. Eng arbeitete Karin Turek mit den Eltern zusammen. Mit Gabriele Kobela organisierte sie die Ferienspiele. „Der Höhepunkt war immer das Übernachten in der Sporthalle, das gemeinsame Grillen, auch eine Fahrt in den Spreewald“, erzählt sie. „Die Ferienspiele waren immer ein Erlebnis für die Kinder.“

Ortsvorsteherin im Ehrenamt

Bis 1992 bestand die Polytechnische Oberschule im Ort. Bis 1997 gab es eine Grundschule. Nach deren Schließung folgte für Karin Turek eine schwierige Zeit. „Es war eine Zeit der Umschulung, der Qualifizierungen, der Weiterbildungen, des immer wieder Wechselns in neue Arbeitsfelder und auch Arbeitslosigkeit“, erzählt die Knappenroderin. Zwei Jahre war sie Sozialarbeiterin für die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA). Zwei Jahre arbeitete sie als Sozialpädagogin in Sabrodt für die Gesellschaft für Aus- und Fortbildung GAF. Dort begleitete sie Jugendliche in schwierigen Lebenslagen. Werte wie Leistungswille, Beständigkeit, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit waren zu vermitteln: „Doch auch diese Stelle war nur befristet.“

Von 2004 bis 2009 war Karin Turek ehrenamtliche Ortsvorsteherin in Knappenrode. Dabei legte sie den Grundstock für die Tradition des Weihnachtsmarktes, wie er noch heute die Adventszeit für die Knappenroder bereichert. Die Trauerhalle des Friedhofs wurde unter ihrer Mitwirkung saniert, der Spielplatz in der Friedrich- Ebert-Straße neu gestaltet. Auf Initiative des ehemaligen Schuldirektors und Ortschronisten Helmut Kockrick (92), der die Liste der Opfer des Zweiten Weltkrieges aus Werminghoff erstellte, konnte Karin Turek gemeinsam mit Otto-Heinz Lehmann die Erstellung des Gedenksteins für die Opfer des Zweiten Weltkrieges mit Partnern wie der LMBV erreichen. Zur Einweihung sprach die in Werminghoff aufgewachsene Schriftstellerin Waltraut Skoddow (1942-2014). Traditionell zum Volkstrauertag wird am Gedenkstein der Opfer gedacht. Dieses Gedenken ist zugleich Mahnung, gegen jegliche Gewalt einzutreten. „Uns ging es gezielt darum, dass wir aller Opfer gedenken; der gefallenen Soldaten, der getöteten Zivilisten, der unzähligen Folgetoten des Krieges“, sagt die Knappenroderin. „Ursprünglich stand das Denkmal am Bebelplatz. Es ist jetzt umgesetzt in den Pionierpark am Bürgerzentrum.“

Am Ende ihrer Amtszeit stieß Karin Turek oft an ihre menschlichen Grenzen, erschöpft gab sie die Aufgabe ab. Von 2009 bis 2014 war sie Erzieherin in Boxberg und in Weißwasser im Lehrlingswohnheim der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft Löbau. Dabei achtete sie auf die Einhaltung der Hausordnung, auf Ordnung, Sauberkeit, Sicherheit und Hygiene im Heim. Stets redete sie mit den Jugendlichen auf Augenhöhe, begegnete ihnen offen und fair, auch humorvoll. „Es war ein gutes Arbeiten. Nicht nur mit den Jugendlichen, ebenso mit den Kollegen“, meint sie aus heutiger Sicht dankbar. 2017 ging sie in den Ruhestand. Das tat ihrem ehrenamtlichen Engagement jedoch keinen Abbruch.

Viel Arbeit auf weniger Schultern

Bereits 1999 war in Knappenrode auf Initiative von Ortsvorsteherin Christina Lach-muth der Heimatverein entstanden. Karin Turek gehörte mit Monika Hauke und mit weiteren Knappenrodern zu den Gründern und wurde die Vorsitzende des Vereins bis zur Wahl als Ortsvorsteherin. Später kam ihre Tochter Melanie dazu, die bis zu ihrem Wegzug die Redaktion des Knappenrode-Journals übernahm. Bis heute schreibt Karin Turek für diese Ortszeitung. „Der Heimatverein organisierte im Ort vielfältige Traditionen wie das Zampern, das Maibaumstellen, den Bergmannstag, den Weihnachtsmarkt“, erzählt Karin Turek. „Wir haben viele Jahre auch den Kindertag im Kulturhaus organisiert. Ebenso Feste, Feiern, Jubiläen und mehr.“ Im Laufe der Jahre verringerte sich die Zahl der Mitglieder des Vereins. Heute leisten immer weniger Schultern die Vereinsarbeit. Die Frauen des Heimatvereins lassen es sich aber nicht nehmen, den Internationalen Frauentag für die Knappenroder Frauen und ihre Gäste zu gestalten, an den Fabrikfestspielen mitzuwirken, den Bergmannstag und den Weihnachtsmarkt mit zu organisieren.

Lesecafé mitgegründet

Seit einigen Jahren organisiert Karin Turek mit engagierten Frauen wie Anneliese Rösch, Ramona Zsákovics, Gabriele Trentzsch und Sigrid Miersch die Weihnachtsausstellung im Bürgerzentrum. Immer wieder regen sie originelle Themen an. Dazu gehörten bisher „Sterne“ (2017), „Engel“ (2018) sowie eben „Kugeln und Kerzen“ (2019). „Den Anstoß gab uns Familie Flecks aus Schwarzkollm“, erinnert sich Karin Turek. „Die Familie stellte 2016 im Bürgerzentrum gesammelte Adventskalender aus. Das gefiel uns sehr. Und wir wollten daran anknüpfen.“ Auch beim jährlichen Weihnachtsmarkt bringt sich Karin Turek Jahr für Jahr maßgeblich mit ein und kümmert sich um verschiedene Aktionen.

Seit April 2014 besteht in Knappenrode ein Lesecafé. Karin Turek rief es damals zusammen mit Erna Kockrick, Konstanze Niemz und Reinhold Certa ins Leben. Regelmäßig lesen sie und weitere Literaturfreunde Geschichten, regelmäßig hören sie einander zu. „Wir tragen Selbstgeschriebenes vor. Wir können uns zum Weiterschreiben ermutigen“, sagt Karin Turek. „Immer wieder laden wir ein. Das Lesecafé besteht bis heute.“ Natürlich, so räumt sie ein, würden sich die Organisatoren über mehr Zuspruch durchaus freuen. Sie wollen ihre Freude am Schreiben, am Dichten und Lesen weitergeben. Auch das ist für Karin Turek Freiwilligkeit. „Ein Ehrenamt“, so unterstreicht sie, „gibt man nicht einfach auf. Zu einem Ehrenamt steht man. Da gilt die Devise: Nur nicht aufgeben, immer weitermachen.“