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Nutrias beziehen neues Zuhause

Gestern kehrten die Nager im Wildgehege Moritzburg an ihren alten Platz zurück. Doch beim Neubau der Anlage gab es viele Probleme.

Von Sven Görner

Moritzburg. Helmar Reuther hat den Arm auf die Holzverkleidung des kleinen Schiebetores der neuen Nutriabehausung gelegt. Sein Blick streift dabei über die Anlage, so als wolle er sich ein letztes Mal vergewissern, dass auch wirklich alles in Ordnung ist. Der gelernte Tischler und Gartenbautechniker ist Anleiter in der Produktionsschule Moritzburg. In den vergangenen Monaten hat er gemeinsam mit seinen Jungs vom Grünen Bereich der Jugendwerkstatt Meißen das schmucke Zuhause für die wasserliebenden Nager gebaut.

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Es war nicht sein erstes Projekt im Wildgehege. Wohl aber eines der schwierigsten. Das lag vor allem an den örtlichen Gegebenheiten. Aber auch daran, dass Helmar Reuther keine professionelle Bautruppe hat. Denn die jungen Leute sollen bei ihm neben handwerklichen Fertigkeiten vor allem auch Pünktlichkeit und regelmäßiges Arbeiten lernen. „Es ist nicht immer leicht, sie zu motivieren. Und es passieren auch manche Fehler.“

Die Nutrias, die während der Bauzeit als Untermieter bei den Fischottern untergebracht waren, interessieren diese Probleme natürlich nicht. Als Tierpfleger Florian Hanisch das Türchen der Transportbox öffnet, tapst der darin eingesperrte Nager ohne Scheu schnell ins Freie. Neugierig schnüffelt er mal hier und mal da. Kurz darauf lässt er sich elegant in das aus Beton und Natursteinen gebaute flache Wasserbecken gleiten. Die anderen beiden Tiere, darunter auch ein junger Nutria, erkunden dagegen die kleinen Holzhütten. Diese wurden in der Vogelschutzwarte Kaditz gezimmert. Ihr neues Zuhause scheint die Nutrias deutlich mehr zu interessieren, als das ausgelegte Futter.

Helmar Reuther beobachtet das alles ganz genau. Er sieht zufrieden und auch erleichtert aus. „Ich habe eigentlich nicht mehr geglaubt, dass wir es noch vor dem Winter schaffen“, sagt er. Denn die Baustelle hatte es in sich. Dazu muss man wissen, dass sich die Nutriaanlage an einem der tiefsten Punkte des Wildgeheges befindet. Das Areal zieht Wasser so geradezu an. Es wieder wegzubekommen, ist da schon weitaus schwieriger. Kein Wunder also, dass die alte Anlage, die fast ausschließlich aus Holz bestand, an vielen Stellen weggefault war. Immer wieder fanden die Nager daher Schlupflöcher, die sie zu ausgedehnten Ausflügen im Wildgehege nutzten.

Während der Abriss, der im Mai des vergangenen Jahres startete, noch ganz gut klappte, hatten Reuther und seine Jungs bei den anschließenden Schacht- und Betonierungsarbeiten immer wieder mit Grund- und Schichtenwasser zu kämpfen. Dazu kam dann noch der lange Winter.

Zwar sieht der etwa einen Meter hohe grüne Stabgitterzaun auf den ersten Blick unspektakulär aus, aber er ist ja auch nur der sichtbare Teil des Bauwerks. Geschachtet werden musste zwei Meter tief in den durchnässten Waldboden. Dort befinden sich jetzt ein Fundament aus Schotter und der anderthalb Meter in den Boden reichende Zaun, der teilweise einbetoniert wurde. Diese massive Bauweise ist notwenig, damit die Nutrias nicht wieder ausreißen können.

Dank der Zusammenarbeit mit der Produktionsschule konnten schon viele Gehege umgebaute oder erneuert werden. Erst im Sommer bekamen die Meerschweinchen ein neues Zuhause. „Das Nächste ist die Kaninchenanlage“, so Florian Hanisch.