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Ode an die Lauterbacher Rotznase

Pünktlich zur Schlossweihnacht liegt die erste Ausgabe des neuen Buches über Schloss und Park Lauterbach vor.

© a.hübschmann

Von Manfred Müller

Irgendetwas Besonderes fällt dem Lauterbacher Förderverein zu jeder Schlossweihnacht ein. In diesem Jahr war es die Präsentation des neuen Heimatbuches. Die Vereinsmitglieder Fritz Baronner und Randi Friese haben historische Quellen studiert, Zeitzeugen befragt und daraus ein hundert Seiten umfassendes Werk zusammengestellt. Es ist mehr als ein geschichtlicher Abriss – mit seiner lebendigen Sprache, den hübschen Anekdoten und den vielen alten Fotos liest es sich weg wir nichts. „Viele Leute sind von selbst auf uns zugekommen und haben uns ihre Erinnerungen geschildert“, sagt Mitautorin Randi Friese.

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Wieder in Lauterbach zu Gast – die Klöpplerinnen aus Großenhain.
Wieder in Lauterbach zu Gast – die Klöpplerinnen aus Großenhain. © a.hübschmann
Randi Friese und Fritz Baronner und haben historische Quellen studiert, Zeitzeugen befragt und daraus ein hundert Seiten umfassendes Buch zusammengestellt. Fotos: Anne Hübschmann
Randi Friese und Fritz Baronner und haben historische Quellen studiert, Zeitzeugen befragt und daraus ein hundert Seiten umfassendes Buch zusammengestellt. Fotos: Anne Hübschmann © a.hübschmann

Wer zum ersten Mal nach Lauterbach kommt und noch keine Führung mitgemacht hat, für den dürfte das Buch eine wertvolle Hilfe sein. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Historie von Schloss und Park und die früheren Schlossherren von Palm. Aber auch die Neuzeit – vor allem die 20 Jahre, in denen das Gebäude als Schule genutzt wurde – kommt nicht zu kurz. Und natürlich fehlt die „Lauterbacher Rotznase“ nicht, jener Brothappen mit Gewürzgurke, Sardelle und einem Riesenklecks Meerrettich. Der wurde früher in der alten Kellerschenke den Gästen mit der Gabel in den Mund serviert. Weil der Meerrettich damals noch frisch gerieben wurde, brachte das höllenscharfe Zeug die Nasen der Leute zum Tropfen. Die „Rotznase“ hatte eine doppelte Wirkung: Wer noch nichts getrunken hatte, der bekam Durst. Und wer zu viel getrunken hatte, den ernüchterte der Meerrettich so weit, dass er noch halbwegs gerade nach Hause laufen konnte. Lauterbachs Schloss-Förderverein hat die alte Tradition wiederaufleben lassen und bietet jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt neben Stollen und Glühwein auch den pikanten Appetitshappen an.

Natürlich stellen die Vereinsleute im Buch auch die Früchte ihrer unermüdlichen Sanierungsarbeit vor. Von den Kaisergemälden im Gartensaal über die Ahnherrengalerie bis hin zu den Kronleuchtern – den Lauterbachern ist es mit Hilfe vieler Sponsoren gelungen, dem angejahrten Gebäude wieder Leben einzuhauchen. Die letzte größere Investition war die Wiederherstellung der frühbarocken Felderdielung im Herrenzimmer. „Das Holz dafür hat unser Restaurator in alten Schlössern zusammengesucht und nach historischem Vorbild eingebaut“, erklärt Vereins-Vize Gerd J. Werner. Die Kombination von Eichenbohlen und Nadelholzdielen verleiht dem Raum ein ganz spezielles historisches Flair. Die Restaurierung der verbliebenen alten Substanz ist für die Lauterbacher kein Selbstzweck. Sie veranstalten neben Schlossführungen auch Konzerte und Kunstausstellungen, auch Hochzeiten werden hier gefeiert. Und natürlich die Schlossweihnacht, die jedes Jahr Hunderte von Besuchern anzieht.

„Das ist hier, als ob man nach Hause kommt“, sagt Daniela Zeidler, die im ersten Stock ihren Stand mit Näharbeiten aufgebaut hat. „Total familiär – und der Glühwein geht nie aus.“ Die Dresdnerin bietet handgenähte Taschen, Mützen, Babyschuhe und Schmuckelemente an, genau das Richtige, um noch diese oder jene Kleinigkeit für den Gabentisch zu erhaschen. Ihr witzigstes Produkt ist der „Handymuff“, eine Stoffbox mit Kabelöffnung, in die man das Mobiltelefon zu Aufladen verpacken kann. Ansonsten setzten die Initiatoren der Schlossweihnacht wieder auf Bewährtes. Die Klöpplerinnen aus Großenhain sind schon seit Jahren mit von der Partie, ebenso Laubsäge-Experte Ernst Weigt und die Weixdorfer Deko-Kollektion Richter. Man kennt das von anderen Weihnachtsmärkten in der Region: Die Besucher wollen die im vergangenen Advent liebgewonnen Dinge immer wieder sehen. Sie kamen auch gestern wieder in Scharen, sodass in Durchgängen und Treppenhäusern Warteschlangen bildeten.

Das Lauterbacher Schloss ist für viele Einwohner über die Jahre zu einer Herzensangelegenheit geworden. Mehr als 30 arbeiten im Förderverein mit. Andere unterstützen die Veranstaltungen durch Sach- oder Geldspenden. Auch das neue Heimatbuch wurde ausschließlich mit Sponsorengeldern finanziert. Es ist mit 14,90 Euro nicht ganz billig. Aber jeder, der es kauft, kann das schöne Gefühl auskosten, etwas zu künftigen Sanierungsarbeiten am Schloss und im Park beizutragen.