SZ +
Merken

Oelsaer Eltern kämpfen gegen Ausgliederung des Kindergartens

Rabenau prüft, Hort und Kindergärten in eine freie Trägerschaft zu geben – eine Debatte teils ohne Eltern und Erzieher. Da ist Ärger vorprogrammiert.

Teilen
Folgen

Von Ines Mallek-Klein

Die kleinen roten Stühle sind eigentlich für die Kindergartenkinder von Oelsa reserviert. Hier wird gefrühstückt oder gebastelt. Doch am Montagabend waren es Erzieher und Eltern, die sich um die kindgerechten Möbel gruppiert hatten. Thema ist ein möglicher Trägerwechsel für die Kindergärten in Oelsa, Rabenau und den Hort. Momentan sind die Einrichtungen in der Hand der Kommune. Das Thema ist nicht neu. Schon vor anderthalb Jahren haben die Stadträte einen entsprechenden Antrag von Erik Derr (FWG) beraten. Dabei ging es um die Prüfung einer freien Trägerschaft. Sechs Träger waren im Gespräch, vier freie Betreiber fielen schließlich in die engere Wahl und wurden besucht, die Thüringer Sozialakademie wurde schließlich der Favorit des Arbeitskreises.

Danach geriet das Thema wieder in Vergessenheit, bis vor vier Wochen. Da wurde auch uns klar, dass der Trägerwechsel nicht nur, wie ursprünglich erklärt, für den Kindergarten in Rabenau anstehen könnte und dass Anfang nächsten Jahres schon die Entscheidung über alle drei Einrichtungen im Stadtrat fallen soll, sagt Stefan Juschten, dreifacher Familienvater und Elternbeiratsvorsitzender in Oelsa. Rechnet man noch den Hort dazu, sind bis zu 300 Kinder und 27 Erzieher von dem Trägerwechsel betroffen. Er kommt auch für Beate Müller überraschend. Sie hat gerade erst ihre Ausbildung beendet und vor wenigen Monaten in Oelsa mit der Arbeit begonnen. „Ich hatte auch Angebote von freien Trägern, habe mich aber bewusst für Oelsa entschieden“, sagt Beate Müller. „Hätte ich gewusst, dass auch Rabenau darüber nachdenkt, die kommunale Trägerschaft aufzugeben, wäre ich wahrscheinlich nicht hier“, fügt die junge Frau an.

Höhere Elternbeiträge

Bereut hat sie ihre Entscheidung bis jetzt nicht. Das Team ist super, die Arbeit macht Spaß und der dörfliche Charakter bringt viele Vorteile. Warum das alles auseinandergerissen werden soll, fragt sich auch die junge Mutter Maika Pietzcker: „Meine beiden Kinder fühlen sich hier sehr wohl, hängen an den Erzieherinnen, was mit der freien Trägerschaft kommt, weiß keiner“.

Eines steht aber jetzt schon fest, die Beiträge für die Eltern werden steigen. Von zwölf bis 26 Euro mehr im Monat ist die Rede. Gleichzeitig könnten die Arbeitszeiten der Erzieherinnen gekürzt werden. Übernimmt die Thüringer Sozialakademie die drei Einrichtungen, würde sich entsprechend ihrer Tarifverträge die Arbeitswoche von bisher 35 auf 33 Stunden für die meisten Erzieherinnen reduzieren. Wie die Betreuung so besser werden soll, kann nicht nur Maika Pietzcker schwer nachvollziehen.

Die Eltern der Kita- und Hortkinder in Oelsa sowie alle 27 Erzieherinnen sind sich einig. Sie wollen keinen Trägerwechsel. Das ist das Ergebnis einer Befragung. Offen ist, wie die Rabenauer Eltern entscheiden. Sie sind heute zu einer Informationsveranstaltung in den Ratskeller eingeladen. In knapp zwei Stunden sollen alle Fragen beantwortet werden. Neben den Vorteilen werden, nach Intervention der Oelsaer Eltern, nun auch die Nachteile eines freien Kindergartenbetreibers debattiert. „Wir haben dann kaum noch Einfluss auf die Öffnungszeiten, Betreuungsverträge, pädagogischen Konzepte und Elternbeiträge“, sagt Stefan Juschten. Viele Eltern vermuten hinter dem von einigen Stadträten angestrebten Trägerwechsel leider auch noch ganz andere Interessen.

Große Einspareffekte darf die Kommune dabei nicht erwarten. Das hat Bürgermeister Thomas Paul (CDU) schon eingeräumt. Allenfalls könnte die Verwaltungsarbeit entlastet werden.

Unterdessen rumort es weiter in der Elternschaft. Auf der vom Rabenauer Elternbeirat einseitig geänderten Tagesordnung zur gemeinsamen Informationsveranstaltung steht als letzte Rede ein Vortrag von Hagen Gneuß, von der Thüringer Sozialakademie. „So können sich die Eltern kein unabhängiges Urteil bilden“, sagt Stefan Juschten. Seine Bemühungen, zu der ursprünglich gemeinsam vereinbarten Tagesordnung zurückzukehren, scheiterten. Der Rabenauer Elternbeirat reagierte nicht auf eine E-Mail und war auch telefonisch nicht erreichbar.

Fraglich ist auch, warum sich so ganz ohne Stadtratsbeschluss heute Abend nur einer der vier potenziellen Träger präsentieren darf.

Ein Wechsel der Einrichtungen in die freie Trägerschaft könnte frühestens im September 2012 erfolgen, da die Kündigungsfristen für die Mitarbeiterinnen eingehalten werden müssen, sagt Personalrätin Renate Thust. Die Übernahme der Beschäftigten ist übrigens auf nur ein Jahr befristet. Auch das schürt Ängste. Der freie Träger würde in Oelsa und Rabenau zwei sanierte Einrichtungen übernehmen, in die knapp eine Million Euro geflossen sind. Die Braut wurde herausgeputzt. Für wen eigentlich, fragen sich nicht nur die Eltern.