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Ohne Happy End

Robert Heber aus Kirschau feiert mit „Das richtige Leben“ sein Spielfilmdebüt. Der Regisseur erzählt dabei mehr als eine Liebesgeschichte.

© Uwe Soeder

Miriam Schönbach

Kirschau/Bautzen. Seine Leidenschaft für die große Leinwand beginnt im kleinen Kino in Kirschau. Da kann Robert Heber gerade einmal über die Tischkante schauen und schwärmt noch für Märchenfilme. „Die Welt der Illusionen faszinierte mich genauso wie der Geruch im Vorraum des Kinosaals“, sagt er schmunzelnd. Mit dem Film „Das richtige Leben“ legt der gebürtige Bautzener nun seine erste 90-minütige Spielfilmproduktion vor. Die Liebesgeschichte aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet zeigt der Bautzener Filmpalast am 29. Januar. Selbstverständlich ist der Regisseur zu Gast bei dieser Vorstellung.

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Für Robert Heber ist das ein besonderer Moment vor heimischem Publikum, den Film zu zeigen. Bewusst kehrte er auch für seine Abschlussarbeit an der Babelsberger Filmhochschule „Konrad Wolf“ auf bekanntes Terrain zurück. Hier erzählt er die Geschichte von Tommy und Julia. Er ist Außenseiter und kommt aus sozialschwachen Verhältnissen. Sie wächst in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf. Der Satz „Ich bin schwanger“ verändert ihr ganzes Leben. Doch die Suche nach einem selbstbestimmten Leben verläuft eben nicht immer geradlinig. Mit dem Schmuggel der Droge Crystal Meth will der werdende Vater seiner großen Liebe das Leben vor die Füße legen, das sie von zu Hause kennt.

Die Stimmung erspüren

Der Absturz eines Jugendlichen in die Drogenszene, gefangen im Netz aus Herstellern, Zwischenhändlern und Kurieren und dem eigenen Gefühlschaos, beschäftigt den jungen Filmemacher als Thema schon länger. „Dieses Grenzland war in meiner Kindheit für mich geheimnisvoll. Später als Jugendlicher bekam ich mit, wie Crystal Meth von Hand zu Hand ging“, sagt der 34-Jährige. Die Droge lässt sich sehr einfach und billig produzieren. Mobile Drogenküchen in Tschechien stellen sie her, immer mehr Konsumenten aus allen Bevölkerungsschichten verfallen ihr. Die Zahl der Abhängigen ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen.

Ein erstes Exposé für den Film schreibt Robert Heber vor acht Jahren. Er spricht mit Crystal Meth-Abhängigen, Drogenberatern, mit Mitarbeitern vom Bundeszoll und Polizei. Tagelang streift er selbst durch das Grenzgebiet, um die Stimmung zu erspüren. Vor drei Jahren beginnt er mit der Suche nach geeigneten Drehorten. Die ersten fünf Minuten seines Films entstehen so beim Karnevalsumzug in Schirgiswalde und beim Karnevalsverein in Neugersdorf. Auch in der Sparkassen-Filiale in Wilthen holt er sich ein paar Einstellungen. „Die Laien geben dem Film eine besondere Note. Ich habe den Eindruck, sie vergaßen, dass wir mit der Kamera da sind“, sagt er.

Am liebsten hinter der Kamera

Dort hinter der Kamera, den Blick auf die Szenerie, fühlt sich der Jungregisseur am wohlsten. Am Wilthener Gymnasium greift er für ein Referat zum ersten Mal zu einem geborgten Videoapparat. Nach dem Abitur klopft er beim Sächsischen Aufbau- und Erprobungskanal in Bautzen an und taucht professionell in die Welt der bewegten Bilder ein. Gekonnt produziert er seine ersten eigenen Videos und Kurzfilme. Danach geht er nach London. Dort arbeitet er für Musikfilmproduktionen und entschließt sich, ab 2003 Bildende Kunst in Braunschweig zu studieren. Der Suchende entdeckt „La Strada“ von Federico Fellini und andere Filmklassiker.

Von dort ist der Weg kurz an die Filmhochschule in Babelsberg zum Studium der Film- und Fernsehregie. „Ich mag es, Geschichte zu erzählen, aber auch die Arbeit im Team. Ich kann Visionen umsetzen und damit Leute begeistern“, sagt der Berliner. Seine filmische Handschrift lernt er in den Seminaren und Übungen genauso wie zum Beispiel als Regieassistent bei unterschiedlichsten Filmproduktionen und bei den ersten, eigenen Studentenfilmen. Von diesem Wissen genauso wie von den Begegnungen mit Schauspielern, Kameraleuten, Menschen jenseits des Scheinwerferlichts profitiert nun auch sein Abschlusswerk. Vor der Kamera stehen unter anderem die bekannten Fernseh- und Theater-Gesichter Wolfgang Winkler und Christine Hoppe.

Viel positive Kritik

„Ungeschönt, ungefiltert, ohne Happy End“, so beschreibt Robert Heber sein Debüt. Für seine 90 Minuten gab es auf Filmfestivals schon viel positive Kritik. Seit Beginn des Jahres sind der Regisseur und sein Team mit dem „Richtigen Leben“ auf Kino-Tour. Dabei denkt der Kreative aber schon über neue Ideen für das nächste Projekt nach. Vielleicht kommt er zum Drehen wieder in die Oberlausitz, auf jeden Fall aber soll auch der Nachfolger im Bautzener Kino zu sehen sein.

Das richtige Leben am 29. Januar um 19 Uhr im Filmpalast Bautzen, im Anschluss Gespräch unter anderem mit dem Regisseur Robert Heber, Autor und Darsteller André Dyllong und Kameramann Andrej Johannes Thieme. Eintritt: 6,50 Euro; weiterer Termin: 7. Februar, 17.30 Uhr (ohne Regisseur und Crew)