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Wir haben geöffnet!

Während viele Geschäfte in Zittau derzeit geschlossen sind, arbeiten einige weiter. Sie spüren aber genauso die Corona-Krise.

Orthopädieschuhmachermeister Alexander Kittel mit Mundschutz und Handschuhen in seinem leergeräumten Laden. Die Abläufe werden hier jetzt anders organisiert, um die Kunden zu schützen.
Orthopädieschuhmachermeister Alexander Kittel mit Mundschutz und Handschuhen in seinem leergeräumten Laden. Die Abläufe werden hier jetzt anders organisiert, um die Kunden zu schützen. ©  Matthias Weber

"Wir haben geöffnet! Mit diesem Hinweis wenden sich aktuell zehn Einzelhändler und Gewerbetreibende aus Zittau an die Kunden. Ein Großteil der Geschäfte ist zwar wegen der Corona-Pandemie momentan geschlossen, doch eben nicht alle. Und darauf wollen die Händler und Gewerbetreibenden aufmerksam machen.

Auch im Reformhaus Paul in der Zittauer Frauenstraße können die Kunden nach wie vor einkaufen. "Bis zum Mittag ist das Kundenaufkommen gut, nachmittags wird es meist weniger", sagt Inhaberin Andrea Paul. Andere Händler, deren Läden ebenfalls weiter offen sind, berichten ebenfalls von sinkenden Umsätzen. 

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Es ist eben weniger los in der Zittauer Innenstadt, zeitweise wirkt das Stadtzentrum wie ausgestorben. Und das nicht nur an den Wochenenden und nach 18 Uhr. Selbst am sonst sehr lebhaften Mittwoch laufen kaum Leute durch die Stadt. "Das macht schon einen gespenstischen Eindruck", findet Andrea Paul. Stille sei etwas für Parks wie die Weinau oder den Westpark, für die Innenstadt sei es kein gutes Zeichen, meint die Reformhaus-Inhaberin. Gerade jetzt zeige sich, dass die Zittauer Innenstadt vom Handel lebt.

Der wird aber auf jeden Fall noch bis zum 19. April eingeschränkt sein. Ob danach wieder mehr Geschäfte öffnen können, wollen Bund und Länder nach den Osterfeiertagen entscheiden. "Je mehr Läden offen sind, desto besser", findet Andrea Paul. Ohne aber deshalb gleich Lockerungen zu fordern. Die Einschätzung, wie lange noch die Einschränkung des öffentlichen Lebens notwendig ist, überlässt sie den Fachleuten. 

Es stehe ihrer Meinung nach außer Frage, dass der Schutz von Menschenleben wichtig ist. Auch deshalb haben Pauls im eigenen Laden vorgesorgt - mit Abstandsmarkierungen und Spukschutz an der Kasse. Abstand halten, Hände waschen und zuhause bleiben sei aber nur die eine Seite, so Andrea Paul. Man könne selbst noch mehr machen, zum Beispiel das eigene Immunsystem mit entsprechenden Gesundheitsprodukten stärken.

Kunden sollen vorher anrufen

Um die Ecke, beim Orthopädieschuhmacher Kittel in der Brüderstraße hat man ebenfalls auf das Coronavirus reagiert. Bei den Untersuchungen der Kunden tragen die Mitarbeiter jetzt grundsätzlich Handschuhe und Mundschutz. Das sei auch zum Schutz der Kunden unabdingbar, findet Orthopädieschuhmachermeister Alexander Kittel. Er habe für sein Team zum Glück schon vor einigen Wochen ausreichend Mundschutz und Desinfektionsmittel besorgt. Von der Berufsinnung sei man angewiesen worden, die Bekleidung der Mitarbeiter jeden Tag zu wechseln und zu waschen, erklärt Kittel weiter.

Auch die Mitarbeiterin im Kassenbereich ist jetzt durch eine Plexiglasscheibe von den Kunden getrennt. Und bevor die Kunden den Messraum betreten, müssen sie ihre Hände desinfizieren. Gleichzeitig wurde einer der beiden Messräume stillgelegt, so dass auch nur jeweils ein Kunde bedient werden und es zu keiner Begegnung mehrerer Kunden kommen kann, weist Kittel hin.

Die Kunden sollen auch nicht einfach vorbeikommen, sondern vorher anrufen, bittet der Zittauer Orthopädieschuhmachermeister. Sie erhalten dann einen Einzeltermin. Zudem kann so vorher abgeklärt werden, ob die Kunden tatsächlich kommen müssen. Liegt die letzte Fußdruckmessung beispielsweise erst ein Jahr zurück, können die Mitarbeiter auf die alten Daten zurückgreifen und müssen die Füße nicht unbedingt neu vermessen. So muss der Kunde auch nicht zur Neuvermessung vorbeikommen, sondern kann sich später die fertigen orthopädischen Schuhe und Einlagen abholen.

Die aktuelle Krise wirkt sich auch für die Mitarbeiter aus. Sie arbeiten nun zeitversetzt in Vormittags- und Nachmittagsschichten, zudem wurden die Arbeitsstunden verkürzt. Das sei wegen der geringeren Anzahl an Aufträgen auch möglich gewesen, so Kittel. Trotz dieser Einschränkungen will er an einem Prinzip nicht rütteln: Die Einlagen werden weiterhin zu Hundert Prozent in Handarbeit gefertigt.

Den Laden hat Alexander Kittel bewusst ausgeräumt. Denn der Verkauf ist derzeit nicht möglich und die Kunden sollen auch nicht durch volle Regale dazu verführt werden, doch Schuhe mitzunehmen.

Nur Notfälle

Auch andere Zittauer Gewerbetreibende - vom Augenoptiker bis zur Textilreinigung haben ihre Tätigkeit auf Notfälle und Notreparaturen beschränkt. Und deshalb oft auch die Öffnungszeiten eingeschränkt. So öffnet die Textilreinigung Schwerdtner in der Reichenberger Straße derzeit nur am Donnerstag von 10 bis 17 Uhr.

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Als Hilferuf will Andrea Paul den Hinweis der Zittauer Händler und Gewerbetreibende nicht sehen. Man werde nicht in Panik verfallen, meint die Reformhaus-Chefin, auch wenn es natürlich schöner wäre, wenn um ihr Geschäft herum, wieder mehr Läden öffnen können.

Hier gibt es Infos, welche Zittauer Geschäfte noch geöffnet haben.

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