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Ostern anders

Saatreiten, Kirchenbesuch und mit der Familie lecker essen gehen? Corona macht's unmöglich. Wir haben gefragt, was trotzdem an Osterfreuden bleibt.

Für sie alle wird Ostern in diesem Jahr anders. Wie genau, erzählen sie hier.
Für sie alle wird Ostern in diesem Jahr anders. Wie genau, erzählen sie hier. © Collage: SZ-Bildstelle

Saatreiten per Fotogalerie

Hubertus Ebermann (rechts) mit seinem Sohn Jakob zu Pferde beim Saatreiten am Kloster St. Marienthal.
Hubertus Ebermann (rechts) mit seinem Sohn Jakob zu Pferde beim Saatreiten am Kloster St. Marienthal. ©  privat

Zum Osterfest gehört für Hubertus Ebermann traditionell das Saatreiten. Seit 1975 ist der Ostritzer 41 Mal mitgeritten, zuerst mit seinem Vater, später mit dem Sohn. Dieses Jahr steht das Saatreiten aber nicht ganz oben auf seinem Zettel. Die Zeremonie am Ostersonntag ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt. 

"Da ich Leiter vom St. Antoni-Stift in Ostritz bin und die Altenpflegeheime besonders vom Coronavirus zu schützen sind, verlangt das vor allem von den Mitarbeitern eine hohe Disziplin: Abstand halten im persönlichen Umfeld", erklärt Ebermann. Deshalb heiße es auch am Ostersonntag Abstand halten. In den vergangenen Jahren bevölkerten stets die Kinder und Schwiegerkinder mit Freunden das Haus. "Diese Begegnungen waren und werden immer etwas Besonderes für uns sein", sagt Hubertus Ebermann. 

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Dieses Jahr werde der Ostersonntag still verlaufen. "Und mit einem hoffnungsvollen Blick auf die Zeit nach Corona ausgefüllt sein", so der Ostritzer.

Während Saatreiter wie Hubertus Ebermann in diesem Jahr nicht ihre Runde durch Ostritz und über die angrenzenden Felder ziehen, wollen die Einwohner der Neißestadt dennoch nicht ganz auf die jahrhundertealte Tradition verzichten. So hat die Antiquarin Marita Böhmer vorgeschlagen, die Fenster und Türen an der Saatreiter-Route mit Fotos und Aufnahmen von den Saatreitern vergangener Jahre zu schmücken.

Darüber hinaus soll es auch eine Online-Variante von historischen Bildern früherer Saatreiter-Prozessionen geben, wie Thomas Göttsberger ankündigt. Sie soll am Karsamstag auf Facebook veröffentlicht werden.

Ostergottesdienste auf Youtube

Pfarrer Stephan Rehm aus Eibau ist zu den Ostertagen gemeinsam mit anderen Pfarrer-Kollegen in Video-Gottesdiensten zu sehen.
Pfarrer Stephan Rehm aus Eibau ist zu den Ostertagen gemeinsam mit anderen Pfarrer-Kollegen in Video-Gottesdiensten zu sehen. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Ostern ohne Ostergottesdienst? Nein, das wird es nicht geben, stand für Stephan Rehm und weitere Pfarrer aus dem Raum Oberland fest. Der Eibauer Pfarrer hat sich mit den Kollegen im Bereich Eibau - Oppach - Lawalde zusammengetan. Gemeinsam haben die Geistlichen zwei Gottesdienste per Video aufgenommen, erzählt Stephan Rehm. Sie sind zu den Osterfeiertagen bei Youtube abrufbar. Auch, wenn man den Kanal jederzeit anschauen kann - damit die Gottesdienste doch etwas Besonderes bleiben und mit den Ostertagen in Zusammenhang stehen, werden sie nur zu bestimmten Zeiten freigeschaltet: der Karfreitags-Gottesdienst am Freitag von 8 bis 22 Uhr, der Ostergottesdienst von Ostersonntag 8 Uhr bis Montag 22 Uhr. "Wir wollen aber auch ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln", so der Eibauer Pfarrer, "und bieten an, gleichzeitig zu schauen." Das soll am Freitag um 14.30 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr möglich sein. "Man ist zwar nicht beisammen, aber man weiß, im Nachbarhaus schauen die Leute gerade das gleiche." 

Gedreht wurde zum Einen in der Ebersbacher Kirche, zum anderen in der Kirche von Beiersdorf. Die Dreharbeiten haben zwei Gemeindemitglieder aus Beiersdorf übernommen, die sich mit technischen Dingen gut auskennen. "Die Kirchen haben wir nach praktischen Gesichtspunkten ausgewählt", erklärt Pfarrer Rehm. So mussten zum Beispiel die Lichtverhältnisse beachtet werden. Und ein Kriterium war auch, welche Orgeln jetzt nach der Winterpause gut klingen. Denn auch sie werden zu hören sein im Video-Gottesdienst. Die Pfarrer werden sprechen und eine Sängerin wird die Lieder vortragen. "Da kann man dann zu Hause mitsingen", so Stephan Rehm. Die Liedtexte werden eingeblendet oder können vorher ausgedruckt werden. 

Unter normalen Umständen hätte Pfarrer Stephan Rehm von Gründonnerstag bis Ostermontag sieben Gottesdienste absolviert. Stattdessen schreibt er jetzt Rundbriefe an seine Gemeindemitglieder. Auch zu Ostern wird es einen geben. "Ein positiver Effekt des ganzen ist, dass wir jetzt gezwungen sind, unsere Kommunikation auch aufs Digitale umzustellen und auszubauen. Das bringt uns auch voran." 

Darüber hinaus erfreut der Eibauer Pfarrer die Gemeinde zurzeit aber auch ganz analog. Jeden Abend um 19 Uhr bläst er gemeinsam mit seinem ältesten Sohn vom Kirchturm. Der Sohn spielt Trompete, Stephan Rehm selbst Posaune. "Das wollen wir auch nach Ostern fortführen. Dadurch, dass wir jetzt mehr Zeit zu Hause verbringen, haben wir auch mehr Zeit so etwas zu üben."

Ostermenü zum Abholen

Der Oderwitzer Spitzbergbauden-Wirt Andreas Becker kocht über die Osterfeiertage Menüs zum Abholen. Tische und Stühle im Biergarten muss er wegräumen.
Der Oderwitzer Spitzbergbauden-Wirt Andreas Becker kocht über die Osterfeiertage Menüs zum Abholen. Tische und Stühle im Biergarten muss er wegräumen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Menükarte verbreitet sich Netz wie ein Lauffeuer. Schon über 10.000 erreichte Personen bei Facebook, sagt Andreas Becker, und zigmal schon geteilt. Ab Gründonnerstag steht der Chef der Oderwitzer Spitzbergbaude nämlich wieder in der Küche - obwohl die Ausflugsgaststätte wie alle anderen auch geschlossen ist.

Eigentlich war das auch gar nicht so geplant, erzählen die Beckers. Aber als immer mehr Stammgäste bei ihnen anrufen, ob sie nicht auch liefern würden, haben sie einen Abend lang diskutiert, dann überlegt, was sie alles brauchen - und über Nacht eine kleine Speisekarte zusammengestellt. Gekocht wird vom Karfreitag bis zum Ostermontag jeweils 11 bis 18 Uhr - zum Abholen.

"Das, was machbar ist", sagt Andreas Becker. Ein paar von den Lieblingsgerichten der Gäste, die sich zu Hause zur Not auch gut aufwärmen lassen. Und eine Familienplatte für vier Personen mit Schweinefilet, Hähnchen und Rinderbraten und Gemüse der Saison. "Leider kein Spargel dieses Jahr", entschuldigt sich der Wirt. Den kann er nicht einkaufen, ohne zu wissen, was ihn über die Osterfeiertage erwartet.

Und auch einen Lieferservice kann er nicht bieten. "Wenn alle am Sonntag um zwölf ihr Essen wollen - wie sollten wir das denn schaffen?" Deshalb die Variante mit der Abholung. Katrin Becker hat beim Großhandel extra noch schönes Einweggeschirr bestellt. "Es will doch an den Feiertagen niemand vom Pappteller essen", sagt sie. 

Und eines müssen die Beckers auch noch machen: Im Biergarten Tische und Stühle wegräumen. Damit es keinen Ärger gibt. Der Verzehr der Speisen im Umfeld der Gaststätte ist nämlich verboten.

Osterlamm zum Knuddeln

Anne Franze mit einem vier Wochen alten Osterlamm aus der Schäferei ihrer Eltern in Olbersdorf.
Anne Franze mit einem vier Wochen alten Osterlamm aus der Schäferei ihrer Eltern in Olbersdorf. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

So ein kleines Osterlamm nimmt Anna Franze in Olbersdorf gern mal in die Arme. Die 23-Jährige hat zwar einen ganz anderen Beruf, aber bei ihren Eltern, die Schäfer sind, hilft sie gern schon mal mit aus. Britta und Gunter Franze haben etwa 600 Mutterschafe und jetzt noch einmal so viele Lämmer. Die stehen jetzt alle in ihrem Stall in Olbersdorf.

Sonst sind um diese Zeit eigentlich gern Schulklassen oder Kindertagesstätten zu ihnen in den Schafstall gekommen. Aber seit die Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, geht das natürlich nicht. "Wir hatten dann immer für die Kinder extra auch ein paar Hasen zum Streicheln mit zum Stall gebracht", schildert Schäfer Gunter Franze. Oftmals wurde die Gelegenheit genutzt, um kleine Osternester zu verstecken. Bevor die Beschränkungen in Kraft traten, hatte es lediglich noch eine Hortgruppe geschafft, ihre Schafe zu besuchen. Dann ging es ja nicht mehr.

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