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Pflegefamilie statt Heim

Dresden. In Sachsen wurden 2009 laut Statistischem Landesamt insgesamt 1959 Mädchen und Jungen von Jugendämtern in Obhut genommen – etwa so viele wie 2008. Die Jungen und Mädchen aus Problemfamilien werden...

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Dresden. In Sachsen wurden 2009 laut Statistischem Landesamt insgesamt 1959 Mädchen und Jungen von Jugendämtern in Obhut genommen – etwa so viele wie 2008.

Die Jungen und Mädchen aus Problemfamilien werden von den Jugendämtern dabei immer häufiger in die Obhut von Ersatzeltern und nicht in ein Heim gegeben. Das familiäre Umfeld komme Kindern eher entgegen, argumentieren die Ämter laut einer Umfrage. Zudem sei die Pflegefamilie günstiger als ein Platz im Heim. Deshalb werden solche Familien gesucht. Die Träger der freien Wohlfahrtspflege verweisen jedoch darauf, dass Pflegeeltern oft die nötige sozialpädagogische Qualifikation fehle.

„Die Pflegefamilie oder das Heim für ein Kind ist immer das letzte Mittel“, sagte Evelin Hipke vom Dresdner Jugendamt. 210 Kinder leben in der Landeshauptstadt in Pflegefamilien, fast 410 in Heimen, etwa 20 mehr als noch vor drei Jahren. Mit Info-Veranstaltungen wird permanent nach Familien gesucht, die bereit sind, die Jungen oder Mädchen teilweise bis zur Volljährigkeit bei sich aufzunehmen.

Der Chemnitzer Jugendamtschef Holger Pethke räumt ein, dass er in Zeiten knapper Kassen auch ans Geld denken muss. „Die finanziellen Aufwendungen für Kinderheimplätze sind erheblich höher.“ Während ein Platz im Heim etwa zwischen 90 und 150 Euro täglich koste, schlage ein Kind in einer Pflegefamilie mit maximal 600 Euro im Monat zu Buche. „Einen 15-Jährigen etwa würden wir dennoch nicht in eine Familie gegeben. Das überfordert die Leute.“ (dpa)