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Pirna will alte Bahntrassen kaufen

Nachdem das Projekt 2012 scheiterte, versucht es die Stadt erneut. Sie braucht die Flächen für ein besonderes Projekt.

Von Thomas Möckel
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Alte Bahnbrücke am Walkmühlenweg im Dornröschenschlaf: Wird sie bald Teil eines Schnellradweges?
Alte Bahnbrücke am Walkmühlenweg im Dornröschenschlaf: Wird sie bald Teil eines Schnellradweges? © Foto: Daniel Schäfer

Sämtliche Mühen waren zunächst vergebens: 2012 erklärte Pirna die Gespräche mit der Deutschen Bahn als gescheitert. Bereits seit 2000 hatte die Stadt mit dem Schienenstrang-Betreiber darüber verhandelt, die Grundstücke der ehemaligen Bahntrassen Pirna-Bad Gottleuba und Pirna-Großcotta zu erwerben. 

Pirna wollte auf den Flächen neue Radwege anlegen, die Bedingungen dafür erschienen ideal: Die Bahntrassen führen vom Zentrum aus in zwei radwegetechnisch noch nicht vollends erschlossene Täler, das Gelände ist eben, es gibt kaum Steigungen. Das Problem aber war: Pirna wollte nur jene Grundstücke erwerben, die für den Bau der Radwege nötig waren. Die Bahn hingegen bot sämtliche früheren Bahnflächen nur im Gesamtpaket an, was Pirna aber ablehnte. Einerseits war das Bahnangebot viel zu teuer, andererseits benötige die Stadt einen Großteil der Grundstücke nicht. Einen Teilerwerb habe die Bahn nach Aussage des Rathauses nicht akzeptiert, daher wurden die Verhandlungen abgebrochen.

Nun aber unternimmt Pirna einen neuen Versuch, die ehemaligen Bahnflächen zu erwerben. Pirna plant, Grundstücke mit einer Gesamtfläche von reichlich 113 000 Quadratmeter zu kaufen, ein Großteil der Areale liegt im Gottleubatal, ein kleinerer Teil im Seidewitztal. Der Kaufpreis liegt bei knapp 244 000 Euro, hinzu kommen reichlich 12 000 Euro Grunderwerbsnebenkosten. Den Kaufpreis will die Stadt in zwei Jahres-Tranchen 2019 und 2020 zahlen. Der Pirnaer Stadtrat soll auf seiner letzten regulären Sitzung in der laufenden Legislaturperiode am 21. Mai – diesmal ab 18 Uhr ausnahmsweise in der Aula des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße – den Ankauf der Flächen beschließen.

Pirna begründet den neuen Vorstoß damit, dass der Radverkehr in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen habe. Zudem sei der Kauf der Bahngrundstücke ein wichtiger Schritt dafür, die Ziele des vom Stadtrat beschlossenen Verkehrsentwicklungsplanes 2030 zu verwirklichen. Darin ist festgeschrieben, das Radwegenetz in der Stadt kontinuierlich auszubauen. Dabei hat vor allem ein Radweg im Gottleubatal – speziell in dem Bereich zwischen dem Geibeltbad und der Siedlung Südvorstadt – hohe Priorität.

Eine wesentliche Rolle bei den Kaufabsichten spielt nach Auskunft des Rathauses auch, dass der Verkehr auf der Zehistaer Straße nach Fertigstellung der Südumfahrung zunehmen wird, Radfahrer aber schon jetzt stadteinwärts nicht mehr wie früher den gemeinsamen Fuß- und Radweg benutzen dürfen, sondern auf der Straße radeln müssen. Dies könnte später zu mehr Konflikten zwischen Auto- und Radverkehr führen, weshalb ein separater Radweg abseits der Trasse zu befürworten sei.

Unterstützt werden Pirnas Kaufabsichten schon im Vorfeld von der Stadtratsfraktion „Freie Wähler – Wir für Pirna“. „Wir haben diesen Punkt seit Monaten mit dem Baubürgermeister forciert und freuen uns sehr, dass er nun auch beschlossen werden soll“, sagt Stadträtin Katrin Lässig. Sie und ihre Fraktionskollegen fordern schon seit geraumer Zeit, den Radverkehr in Pirna zu fördern und neu zu denken. Die ehemaligen Bahntrassen, so schlägt Katrin Lässig vor, sollten möglichst zu einem Schnellradweg mit ausreichender Breite ausgebaut werden. Zudem könne man sich entlang der Route eine Thementour mit entsprechenden Hinweisschildern vorstellen, die die früheren Ansiedlungen an der Bahnstrecke zeigt und die Historie der Orte erlebbar macht.

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