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Pirnas neue Lehrlings-Schmiede

Das Bildungszentrum Pirna zieht vom Sonnenstein ins Gewerbegebiet "An der Elbe" - ein Glücksfall für mehrere Seiten.

Neue Maschinenhalle im Bildungszentrum Pirna: Ausbilder Thomas Werner (l.) erklärt den Industriemechaniker-Azubis Tom Behrendt und Felix Kazimiers (r.) eine Drehmaschine.
Neue Maschinenhalle im Bildungszentrum Pirna: Ausbilder Thomas Werner (l.) erklärt den Industriemechaniker-Azubis Tom Behrendt und Felix Kazimiers (r.) eine Drehmaschine. © Norbert Millauer

Bei dieser Geschichte sind nun wirklich aller guten Dinge drei. Vor reichlich fünf Jahren reiften bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) Pläne, im Gewerbegebiet "An der Elbe" eine Mehrzweckhalle zu bauen, 1.000 Quadratmeter Nutzfläche, variabel unterteilbar. 

Vorgesehen war, Werkstatt- und Büroflächen an interessierte Unternehmen zu vermieten, vor allem an jene, die nicht selbst bauen wollten. 2015 begannen Fachleute, die Halle an der Fabrikstraße zu errichten. Doch schon während der Bauphase änderten sich die Pläne grundlegend. 

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Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge suchte 2016 händeringend nach Unterkünften für die zahlreich ankommenden Asylsuchenden. So wurde das Objekt schließlich als Flüchtlingsunterkunft ausgebaut, die Arbeiter zogen eine zweite Ebene ein, damit genügend Platz war. Der Landkreis mietete die Halle bis zum 28. Februar 2022.

Doch nach nicht allzu langer Zeit gingen die Flüchtlingszahlen zurück, das Projekt erwies sich schnell als überflüssig. Die Halle stand lange leer, im März 2917 zogen dann doch die ersten Asylsuchenden ein, Ende 2018 zogen die letzten wieder aus. Seither versuchte der Landkreis, die Halle abzustoßen. Das ist nun gelungen - mit einem Nachmieter. 

Nah dran an den Kunden

Das Bildungszentrum Pirna des Bildungswerkes der Sächsischen Wirtschaft (BSW) hat die Halle an der Fabrikstraße bezogen. Die Bildungsstätte wurde jetzt offiziell eröffnet, Anfang September beginnt in der neuen Lehrlings-Schmiede das neue Ausbildungsjahr. "Was hier entstanden ist, ist vorbildlich", sagt BSW-Vorstandschef Bertram Höfer, "hier können wir zeigen, dass wir der Aus- und Weiterbilder für den Mittelstand sind." Auch für Volker Großmann, Leiter des Pirnaer Bildungszentrums, ist dieser neue Standort genau richtig. "Wir sind jetzt mitten im Gewerbegebiet, ganz nah dran an unseren Kunden", sagt er. Der Umzug war auch dringend nötig. 

Das BSW fungiert als Dienstleister für die sächsische Wirtschaft und betreibt an elf Standorten zehn Bildungszentren. Allein das Bildungszentrum Pirna bildet Lehrlinge für über 90 kleine und mittelständische Betriebe im gesamten Landkreis aus, vorwiegend Metall- und Elektroberufe. 

Das Bildungszentrum Pirna existiert seit 1992, das Domizil befand sich bislang im Schlosspark Sonnenstein. Allerdings ließ der Standort zuletzt sehr zu wünschen übrig.

Schlechte Bedingungen auf dem Sonnenstein

"Die Bedingungen waren schlecht und die Infrastruktur passte nicht mehr", sagt Großmann. Die Gebäude im Schlosspark waren weder von der Lage noch vom Zuschnitt her optimal, zudem schlecht erreichbar, es gab kaum Parkplätze, das Domizil ließ sich nicht erweitern, alles war ziemlich alt und ramponiert. "Auf dem Sonnenstein sind wir an unsere Grenzen gestoßen", sagt Höfer. 

Im Februar 2018 begann die Suche nach einer Alternative, was sich zunächst als schwierig erwies. Laut Großmann gab es kaum noch geeignete Flächen und Hallen. Er traf sich daraufhin mit der SEP und der Stadt. Schon in diesem Gespräch signalisierte das Rathaus, den Bildungsträger unbedingt in der Stadt halten zu wollen. Letztendlich kam die Runde auf die leere Halle im Gewerbegebiet zu sprechen, die zu diesem Zeitpunkt aber noch an den Landkreis vermietet war. 

Doch das Landratsamt sagte rasch zu, dem potenziellen Nachmieter das Objekt zu überlassen, konnte sich der Landkreis auf diese Weise elegant aus seinem Mietvertrag verabschieden. Im Juni 2019 unterzeichneten SEP und Bildungszentrum den neuen Mietvertrag, Beginn 1. Januar 2020.

Moderne Maschinenhalle

Doch vor dem Umzug galt es, noch eine andere Hürde zu überwinden. Damit das Bildungszentrum einziehen konnte, musste die Halle noch einmal grundlegend umgebaut werden. Und über allem schwebte die Frage: Passt alles rein?

Die SEP ließ Wände entfernen, um größere Seminarräume zu schaffen, Sanitäranlagen wurden umgebaut, große Bereiche entkernt. Am Ende passte alles.

So finden sich im Erdgeschoss Räume, in denen Langzeitarbeitslose ans Arbeitsleben herangeführt werden, Büros, Ausbildungsräume. 

Im hinteren Drittel thront das Herzstück  der Bildungsstätte: die Maschinenhalle. Dafür ließ die SEP in diesem Bereich die zweigeschossigen Einbauten entfernen. In der Halle stehen Dreh- und Fräsmaschinen, hinzu kommt eine Schweißerei mit acht Schweißkabinen. Die Wände sind besonders schallgedämmt, die Schweißerei bekam eine Abluftanlage, die leiser läuft als ein herkömmlicher Staubsauger. "Die Ausbildung hier ist viel entspannter als auf dem Sonnenstein", sagt Großmann.

Hoch über den Maschinen erhebt sich die sogenannte Kanzel - ein Raum, aus dem die Ausbilder jederzeit den Überblick über die Lehrlinge haben. Im Obergeschoss finden sich zudem Fachkabinette für Pneumatik, Hydraulik, Elektrotechnik und Computer. 

Lehrwerkstatt für den Mittelstand

Die Ausbildung im Bildungszentrum basiert auf drei Säulen. Da gibt es zum einen die sogenannte Verbundausbildung, die wie folgt funktioniert: Ein Betrieb stellt einen Lehrling ein, der bestimmte Grundlagen erlernen muss. Hat die Firma weder eine eigene Lehrwerkstatt noch einen eigenen Ausbilder, fragt sie beim Bildungszentrum nach den entsprechenden Lehrgängen. Ausgebildet werden so unter anderem Industriemechaniker, Mechatroniker, Werkzeugmechaniker und Zerspanungsmechaniker. "Wir sind sozusagen die Lehrwerkstatt für kleine und mittelständische Betriebe", sagt Großmann. 

Zweitens bildet die Bildungsstätte Schweißer aus und nimmt die geforderten Wiederholungsprüfungen ab. Der dritte Bereich erstreckt sich auf Aus- und Weiterbildungsangebote für Erwachsene, Umschulungen sowie auf die Berufsorientierung junger Menschen. 

Dank der guten Kontakte zur Wirtschaft kann das Bildungszentrum auch dabei helfen, dass Schulabgänger eine Lehrstelle oder Betriebe einen Azubi finden. 

Das Bildungszentrum Pirna selbst beschäftigt elf Mitarbeiter, etwa 160 Lehrlinge durchlaufen pro Jahr die Ausbildung. 

Für Großmann schließt sich mit dem neuen Standort auch persönlich ein Kreis. 1984 begann er seine Lehre im damaligen Kunstseidenwerk, ganz in der Nähe seines jetzigen Büros. "Und nun", sagt er, "bin ich quasi wieder zurück an der alten Wirkungsstätte."

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