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Piskowitzer bauen Möbel aus Metall

Die Firma Ziegler rüstet Städte mit Inventar für Außenanlagen aus. Jetzt entwickelt sie auch Ladestationen für E-Bikes.

© es gelten meine agb.

Von Manuela Reuß

Die Ziegler AG ist wahrscheinlich nur wenigen Leuten in der Region ein Begriff. Dabei müssen sich die Piskowitzer keinesfalls verstecken. Ganz im Gegenteil. Der inzwischen seit 20 Jahren stetig wachsende Stadtmöblierer vor den Toren von Kamenz ist sogar Marktführer mit seinem Sortiment. Egal ob Abfallbehälter, Sitzbänke, Buswartehäuschen, Raucherunterstände oder Fahrradparksysteme – die Firma Ziegler vertreibt alles, womit sich der öffentliche Raum möblieren lässt. Einen Großteil der Produkte stellt das Unternehmen obendrein selbst her.

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Abnehmer der metallenen Möbel sind Architekten, öffentliche und private Bauherren sowie Garten- und Landschaftsbauer. So findet man am Neustädter Bahnhof in Dresden beispielsweise Fahrradständer aus Piskowitz, im VW-Werk Emden einen Achteck-Pavillion oder in der Talstation der Gornergrat-Bahn in Zermatt eine schön geschwungene Sitzbank. Nach Rostock haben die Piskowitzer eine ihrer neuesten Entwicklungen geliefert: die erste Pedelec-Box inclusive Stauraum für Helm und Gepäck zum sicheren Abstellen und Laden von Elektrofahrrädern. Diese Anlage entstand in Zusammenarbeit mit der Rostocker pironex GmbH und Extra Energy im Rahmen des EU-Projektes Elmos, welches auf Elektromobilität in Städten setzt.

Pilotprojekt für Pedelecs

„Wir haben uns in letzter Zeit intensiv dem Thema E-Mobilität gewidmet“, erklärt Nicole Renz, Mitarbeiterin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Firma Ziegler. Beispielsweise sind die Piskowitzer in das Energy-Bus-Pilotprojekt in der Alpenregion Tegernsee involviert. Seit November 2011 arbeitet ein Netzwerk, dem die Ziegler AG angehört, an der Entwicklung eines sogenannten Lade-Schloss-Kabels, quasi einer standardisierten Lademöglichkeit für die Leichtelektro-Fahrzeugbranche. Denn derzeit hat jeder E-Bike-Hersteller sein eigenes Ladesystem nebst Akku und Stecker. „Die verschiedenen Systeme sind nicht miteinander kompatibel“, weiß Nicole Renz.

Diese momentanen Infrastruktur-Probleme ließen sich nur mit der Entwicklung eines einheitlichen Standards lösen. Ähnlich wie beim Handy. Deshalb versucht das Netzwerk, den Herstellern die Vorteile des Lade-Schloss-Kabels aufzuzeigen. Am Tegernsee wurden jüngst im touristischen Umfeld sogar die ersten 13 Pedelec-Abstellanlagen mit Lade-Schloss-Kabel in Testbetrieb genommen.

Neben all der Innovation setzen die Piskowitzer aber nach wie vor auch auf die klassischen Produkte der Stadtmöblierung. „Damit sind wir schließlich groß geworden“, betont Nicole Renz. Immerhin 180 Mitarbeiter, darunter übrigens auch zwölf Auszubildende, beschäftigt das Unternehmen an fünf Standorten in Deutschland – von Ahrensburg bei Hamburg im Norden bis München im Süden der Republik. Darüber hinaus ist die Ziegler-Gruppe mit Niederlassungen in drei weiteren europäischen Ländern vertreten. Rund 80 Prozent der Belegschaft arbeitet in Piskowitz. Dort, wo die Firma vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, schlägt quasi das Herz des Unternehmens – von Konstruktion bis Produktion. Der Firmensitz ist inzwischen in Leonberg bei Stuttgart zu finden, der Heimat des Gründervaters Erwin Ziegler. Der Schwabe kaufte am 25. Februar 1993 den in Piskowitz befindlichen Betriebsteil des ehemaligen Wärmetechnikkombinates Nagema. Mit 30 Mitarbeitern startete das Unternehmen. Produziert wurde Gastronomiebedarf. Dabei setzte der Firmenchef – damals wie heute – auf Direktmarketing. Der erste hauseigene Katalog umfasste 50 Seiten. Damit kommen die Piskowitzer längst nicht mehr hin. Das aktuelle Warenverzeichnis ist 800 Seiten stark. Allerdings sind darin keine Kochgeräte oder Biergartenmöbel mehr zu finden, sondern Außenanlagen von A wie Abfallbehälter bis Z wie Zaunsysteme. Der Bedarf an Stadtmöbeln ist nach wie vor groß, wie die Umsatzentwicklung der Firma Ziegler zeigt. Allein in den letzten zehn Jahren stieg der Erlös von jährlich zehn Millionen Euro auf über 30 Millionen. Dass der Betrieb eine solch erfolgreiche Entwicklung nahm, hat die Ziegler AG eigentlich Berlin zu verdanken. Denn von dort kam 1995 der erste große Stadtmöblierungsauftrag: Die Hauptstadt orderte 100 Buswartehäuschen. Die Glas-Stahl-Konstruktion im modernen Design überzeugte. Das war letztlich der Anstoß, sich auf Außenanlagen zu spezialisieren. Letztlich ist darin auch das Erfolgsrezept des Unternehmens begründet, so Nicole Renz. „Wir sind immer flexibel geblieben.“ Veränderungen gehören dazu, auf sie muss man sich einstellen. Genau das beweist die Ziegler AG derzeit beim Thema E-Mobilität.