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Plattenbau 2.0

Weil große Wohnungen gefragt sind, baut die Seeg in Meißen ein Haus vollständig um. Sogar in die Statik greift sie ein.

Bauzäune, Schuttcontainer, Materialien: Vor den Hauseingängen 12, 12a und 12b am Albert-Mücke-Ring in Meißen ist die Baustelle nicht zu übersehen. Seit Herbst sind die Handwerker im Einsatz, um den Block zu sanieren.
Bauzäune, Schuttcontainer, Materialien: Vor den Hauseingängen 12, 12a und 12b am Albert-Mücke-Ring in Meißen ist die Baustelle nicht zu übersehen. Seit Herbst sind die Handwerker im Einsatz, um den Block zu sanieren. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wer Meißen Richtung Niederau verlässt, hat es womöglich bereits bemerkt: An den Plattenbauten am Albert-Mücke-Ring tut sich was. Unter anderem sind einige Balkone verschwunden und auch im Inneren scheinen Bauarbeiten im Gange zu sein. Doch was passiert dort genau? 

Seeg-Chefin Birgit Richter stellt das Projekt bei einem Vor-Ort-Termin vor. „Seit September sanieren wir die drei Hauseingänge 12, 12a und 12 b.“ Insgesamt investiere das kommunale Wohnungsunternehmen rund 3,7 Millionen Euro, von denen 300.000 Euro über das Programm „Seniorengerecht umbauen“ der Sächsischen Aufbaubank (SAB) gefördert werden. 

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Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter (li.) spricht mit Architektin Barbara Pahner über die Pläne für den Umbau und die Sanierung des Hauses.  
Seeg-Geschäftsführerin Birgit Richter (li.) spricht mit Architektin Barbara Pahner über die Pläne für den Umbau und die Sanierung des Hauses.   © Claudia Hübschmann

Bisher befanden sich in den Hauseingängen Einraum-, Zweiraum- und Dreiraumwohnungen. Das wird in Zukunft anders sein. „Die Einraumwohnungen kommen weg. Stattdessen nehmen wir diese Fläche und bieten Vierraumwohnungen an“, sagt Birgit Richter und fügt an: „Die Einraumwohnungen in den Blöcken waren nur etwa 25 Quadratmeter groß. Es gibt zwar auch in Meißen eine Nachfrage nach dieser Wohnungsart, aber sie müssen größer sein.“

Weil es gleichzeitig ein Interesse an geräumigen Vierraumwohnungen gebe, habe man sich entschieden, diese neu zu schaffen, so Richter.

In den drei Hauseingängen wird es nach der Fertigstellung fünf Vierraumwohnungen à 91 Quadratmeter, zwölf Dreiraumwohnungen à 75 Quadratmeter sowie 18 kleinere und größere Zweiraumwohnungen mit Flächen von 40 bis 55 Quadratmeter geben. Die Umgestaltung der Grundrisse hat dabei einen Nebeneffekt, der der Seeg ebenfalls am Herzen liegt: die Barrierefreiheit.

Die Grundrisse des Gebäudes wandeln sich. Aus früheren Einzelwohnungen entstehen neue Zimmer für andere Wohnungen. 
Die Grundrisse des Gebäudes wandeln sich. Aus früheren Einzelwohnungen entstehen neue Zimmer für andere Wohnungen.  © Claudia Hübschmann

„Als wir nebenan die Blöcke der Hausnummer 8 saniert haben, konnten wir die Fahrstühle nur so einbauen, dass sie auf der halben Treppe halten.“ Grund sei gewesen, dass während der Arbeiten noch Menschen im Gebäude gewohnt hätten. Auf diese Weise habe man nicht in die Statik eingreifen können. Das sei diesmal anders. Die Fahrstühle würden bald ebenerdig auf der Etage halten und auch in den Wohnungen gebe es keine Barrieren.

„Es standen ungefähr 20 Wohnungen leer und die verbliebenen Mieter haben wir in freie Wohnungen in Hausnummer 8 umgesiedelt“, erklärt die Seeg-Chefin die Strategie, um die nötige Baufreiheit zu schaffen. Sie weist darauf hin, dass alle Mieter zurückkehren könnten, es aber nicht jeder in Anspruch nehme.

Neben Altmietern und Senioren richtet sich der Fokus der Wohnungsgesellschaft vor allem auf junge Familien. In den Vierraumwohnungen könnten sich diese zusätzlich zu den Wohnräumen über ein reichlich neun Quadratmeter großes Bad und ein Gäste-WC freuen. Außerdem gibt es einen kleinen Abstellraum sowie größere Balkone als bisher.

„Die Vergrößerung erhalten aber nur die Vierraumwohnungen. Wenn wir es für alle Wohnungen gemacht hätten, wären wir mit den Kosten nicht hingekommen“, sagt Richter, die auf Nachfrage mitteilt, dass die Wohnungen für etwa sieben Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen. „Es handelt sich um eine Komplettsanierung. Alle Leitungen werden ersetzt. Daher müssen wir diesen Preis in unserer Kalkulation ansetzen“, sagt sie.

Ähnlich wie in den Wohnungen im Fellbacher Bogen soll zudem eine Erdgeschosswohnung als Quartierzentrum etabliert werden. „Wir möchten einen Treffpunkt für die Bewohner schaffen, wo beispielsweise auch Geburtstage gefeiert werden können“, sagt Richter, die die Stiftung Soziale Projekte Meißen (SoPro) als Träger gewinnen möchte. Sollte das Angebot bei den Bewohnern nicht auf Resonanz stoßen, wäre das allerdings auch kein Problem.

„Es handelt sich um eine reguläre Vierraumwohnung, die wir in diesem Fall an Interessenten vermieten würden.“ Bis es so weit ist, haben erst einmal die Handwerker das Sagen. Geht alles planmäßig, ziehen im Januar 2020 die ersten Mieter ein. Abgeschlossen sind die Aktivitäten der Seeg in dem Wohngebiet damit aber nicht. Vielmehr plant Seeg-Chefin Birgit Richter auf dem freien Grundstück vor Hauseingang 12 schon das nächste Großprojekt.

„Dort wollen wir einen Viergeschosser mit zwei Eingängen bauen, der vollkommen energieautark ist.“ Der Bauantrag sei gestellt. Als Baubeginn habe man den Spätherbst anvisiert, sagt Richter, die mit dem Gebäude eine Mischung aus mittlerem und höherwertigem Wohnraum am Albert-Mücke-Ring anbieten will.