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Polizisten mit St. Pauli-Fans verwechselt

Das ist einfach dumm gelaufen: Zwei Dresdner Hooligans suchten sich die falschen Opfer aus, als sie einen Fan-Schal rauben wollten.

Der Streit um einen St.-Pauli-Fanschal ist zwei Dresdnern zum Verhängnis geworden. Dieser hing nämlich am Arm eines Polizisten.
Der Streit um einen St.-Pauli-Fanschal ist zwei Dresdnern zum Verhängnis geworden. Dieser hing nämlich am Arm eines Polizisten. © PR

Dresden. Nach dem torreichen 3:3-Unentschieden Ende August vergangenen Jahres gegen St. Pauli war das böse Ende der vorerst letzten Saison in der 2. Fußball-Bundesliga für die Anhänger Dynamo Dresdens nicht vorhersehbar. Zwei Kumpels allerdings haben an jenem Nachmittag einen folgenschweren Fehler begangen. Fast auf den Tag genau ein Jahr später saßen sie als Angeklagte im Amtsgericht Dresden.

Die beiden 20 und 26 Jahre alten gelernten Anlagenmechaniker mussten sich wegen versuchten Raubes beziehungsweise wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Zunächst habe der Ältere versucht, einem mutmaßlichen Pauli-Fan seinen Schal zu entreißen, den der Mann an sein Handgelenk geknotet hatte. Als es dabei zu einem Handgemenge unter den beiden Männern kam, soll der Jüngere sich eingemischt und einen anderen mutmaßlichen Fan der Hamburger Mannschaft angesprungen und getreten haben.

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Was die Angeklagten damals nicht wussten: Bei den vermeintlichen Fans hatte es sich um Zivilbeamte der sächsischen Bereitschaftspolizei aus Leipzig gehandelt, die sich als Fans verkleidet hatten, um drohende Gewalttaten am Rande dieser Brisanz-Partie aufzuklären. In Windeseile wurden die Männer von den Beamten und ihren Kollegen überwältigt, zu Boden gebracht, gefesselt und in die Gefangenen-Sammelstelle gebracht. Ende.

"Gib das Ding her!"

In seiner Einlassung behauptete der ältere Angeklagte, er habe den Fan lediglich aufgefordert, ihm seinen Schal herauszugeben. Das habe der Mann auch bereitwillig getan. Den Schal habe der Geschädigte auf der Schulter getragen, sei nicht festgeknotet gewesen. „Ich bin zu dem Mann und habe gesagt: Gib mir das Ding her“, so der 26-Jährige. Der habe ihm den Schal dann zugeworfen. Da sei nichts Aggressives gewesen. Erst dann sei er von einem zweiten Beamten am Hals gepackt worden, dann seien weitere Polizisten hinzugekommen und hätten ihn zu Boden gebracht. Er habe den Schal als Trophäe haben wollen, gab der Angeklagte zu.

Der jüngere Angeklagte sagte, er habe nicht gewusst, warum sein Kumpel auf die Fans zugegangen sei. Als er jedoch sah, wie er angegangen wurde, sei er ihm „aus Reflex“ zur Hilfe geeilt. „Ich wusste nicht, dass das Polizisten waren.“

Die Zeugen - das Jugendschöffengericht vernahm drei Polizisten - stellten die Sache jedoch ganz anders dar als die Angeklagten. Dabei vermieden sie es, zu viel über ihr Einsatzkonzept zu verraten. Als Fan von St. Pauli verkleidet gerade in Dresden vom Stadion zum Hauptbahnhof zu laufen, wird kein Auftrag sein, nach dem man sich die Hände leckt. Ein Teil der Bereitschaftspolizisten hatte sich als Fans verkleiden müssen, die entsprechenden Devotionalien gehören der Polizei. 

"Ich soll mich verpissen"

Andere Beamte trugen nur Schutzwesten, die sie als Polizisten zu erkennen gaben, wieder andere Uniformen. Nach dem Angriff auf den Schalträger, einen 29-jährigen Obermeister, gab er seinen Kollegen mit einem vereinbarten Zeichen zu verstehen, dass er Hilfe benötige. Der Täter habe ihm den Schal vom Handgelenk gerissen“, so der Beamte. „Er zog dran und sagte, ich soll mich verpissen.“ Dann sei sein Kollege gekommen und habe den Angreifer gefragt, was das solle. Als der 29-Jährige dem Angeklagten den Schal wieder abgenommen habe, habe er ihn gestoßen. Dann sei der Mitangeklagte gekommen und habe seinen Kollegen getreten.

Das Jugendschöffengericht hatte nach der Beweisaufnahme keine Zweifel mehr. Die Polizisten hätten glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, wie sich der Angriff zugetragen habe, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Dass der ältere Angeklagte den Schal freiwillig erhalten habe, nahm das Gericht ihm nicht ab.

Der 26-Jährige wurde wegen versuchten Raubes zu einer Geldstrafe von 7.500 Euro verurteilt. Der Vorsitzende Richter sagte, es handle sich in dieser besonderen Situation jedoch um einen untauglichen Versuch, da die Fan-Utensilien der Polizei gehörten. Die Tat sei in jedem Fall zum Scheitern verurteilt gewesen. Man könne die Tat auch nicht damit rechtfertigen, dass es sich eben um ein übliches rivalisierendes Fan-Verhalten gehandelt habe. „Ich kann nur sagen: Pech gehabt“, so der Richter.

Der jüngere Angeklagte wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung nach Jugendstrafrecht zu einer Geldauflage verurteilt. Er muss 1.000 Euro an einen gemeinnützigen Verein bezahlen. Der Richter sagte, der Angeklagte habe sich, auch wenn es ihm sichtbar schwer gefallen sei, bei dem Geschädigten entschuldigt und zum Schluss eingeräumt, dass es falsch gewesen sei.

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