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Porzellan für 2,6 Millionen Euro zerschlagen

Nach Monaten des Schweigens gibt es jetzt eine genaue Angabe zum Wert des im Oktober 2010 in der Manufaktur Meissen zerschlagenen Porzellans. Wie der Linken-Landtagsabgeordnete Klaus Bartl gestern mitteilte, wurde Meissener für 2,6 Millionen Euro vernichtet.

Nach Monaten des Schweigens gibt es jetzt eine genaue Angabe zum Wert des im Oktober 2010 in der Manufaktur Meissen zerschlagenen Porzellans. Wie der Linken-Landtagsabgeordnete Klaus Bartl gestern mitteilte, wurde Meissener für 2,6 Millionen Euro vernichtet.

In einer Sitzung des Haushalts- und Finanzausschusses waren Bartl und seine Kollegen zuvor von Sachsens Wirtschaftsminister Georg Unland (CDU) und einem Wirtschaftsprüfer über die Einzelheiten des sogenannten Polterabends bei Meissen informiert worden. SZ-Informationen zufolge war Manufaktur-Vorstandssprecher Christian Kurtzke auf anwaltlichen Rat selbst nicht zu dem Treffen nach Dresden gekommen.

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Linke kritisiert neue Strategie

Bartl übte im Anschluss heftige Kritik am laufenden Umbau des Staatsunternehmens. Er sehe den Polterabend als direkte Folge der neuen Ausrichtung. In der Konsequenz könnte das klassische Meissener Porzellan in den Schatten von Design-Produkten wie Schmuck, Schals und Tapeten geraten, die zum Teil im Ausland wie etwa Italien gefertigt werden. Damit gehe die Sorge einher, der Porzellan-Manufaktur könne ein ähnliches Schicksal beschieden sein wie der Landesbank, die sich um kurzfristiger Spekulationsgewinne willen von ihrer Aufgabe der Mittelstandsförderung entfernt habe.

Finanzminister Georg Unland (CDU) verteidigte dagegen den Polterabend. Der Aufsichtsrat habe im Vorfeld alle rechtlich und finanziell vertretbaren Möglichkeiten geprüft, wie das Porzellan verwertet werden könnte.

Ausgesondert worden seien Porzellane, die teilweise über 20 Jahre lagerten und die auch mit massiven Nachlässen keine Käufer fanden. Deshalb habe der ursprüngliche Buchwert von rund 2,6 Millionen Euro berichtigt werden müssen.

Der Finanzminister betonte, dass die Manufaktur zur Zeit einen schwierigen Umstrukturierungsprozess durchlaufe, der von allen Verantwortlichen sensibel und mit Bewusstsein für die 300-jährige Tradition dieses sächsischen Kulturgutes gestaltet werde. Es müssten aber gleichzeitig betriebswirtschaftlich wichtige Entscheidungen fallen, um diese große Tradition erfolgreich weiter zu entwickeln. Eine solide wirtschaftliche Basis sei die beste Basis um die Zukunft der Manufaktur zu sichern.

Linken-Abgeordneter Bartl kündigte an, das im Ausschuss vorgelegte Material durch externe Berater prüfen zu lassen. Die im geheimen Teil der Sitzung vorgetragene Begründung der Porzellanvernichtungsaktion könne „auf den ersten Blick nicht überzeugen“. Welche parlamentarischen Konsequenzen sich daraus ergeben, werde jetzt mit Fachleuten beraten.

Sebastian Scheel, ebenfalls Abgeordneter der Linken und Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses, sprach grundsätzlich dem Aufsichtsrat sein Vertrauen aus. Dieser habe die neue Strategie für Meissen intensiv beraten, so sein Eindruck. Anstatt das Unternehmen als eine Art Museumsbetrieb zu erhalten, sei entschieden worden, ein Neugeschäft zusätzlich zum Porzellan aufzubauen. Dieses solle langfristig den Erhalt der Manufaktur als Einheit sichern. Jetzt müsse abgewartet werden, ob diese Idee in den nächsten Jahren tatsächlich nachweisbare Erfolge bringe und Arbeitsplätze schaffe.

Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Rechnung von Meissen-Chef Christian Kurtzke aufgehen könnte. So hat die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen nach schweren Jahren 2010 ein zweistelliges Umsatzplus erzielt. Nach den vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz bei Porzellan um rund 11,5 Prozent auf 35,2 Millionen Euro.

Damit habe man in etwa das Niveau von 2003 wieder erreicht und liege deutlich über der Steigerung der Branche, so Kurtzke. Trotz der guten Zahlen bleibt er vorsichtig: „Wir sind auf Kurs. Es gibt keinen Grund zur Euphorie“.

Peter Anderson (mit dpa)