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Pro und Contra Plakatwerbung

Zum Artikel „Widerstand gegen Tabubrüche“ (SZ vom 11. Juli, Seite 17) bemerkt Herr Heinke per E-Mail:

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Dieses Plakat ist zielgruppengerecht gestaltet, bedient es sich doch genau der Sprache der GZSZ-gestählten Partyjünger, die ihr Weltbild aus dem privaten Unterschichtenfernsehen ziehen und für die ein Arschgeweih schon Ausdruck bildender Kunst am eigenen Leib ist. Herr Tittmann, das verbale und intellektuelle Niveau der öffentlichen Aushänge ist doch schon lange ins Bodenlose gesunken! Schauen Sie sich doch nur mal die Parteienwerbung an.

So ein Plakat zu verbieten, wäre der Anfang von Zensur, die der behördlichen Willkür wieder Tür und Tor öffnen würde. Wer soll denn darüber entscheiden: Was ist anstößig, was zulässig? Und schon gar nicht sollten solche Entscheidungen auf Gemeindeebene entschieden werden. Die Presse- und Meinungsfreiheit (durch meinungsbildende Medienkonzerne ohnehin schon eingeschränkt) ist ein hohes Gut und schützenswert, auch wenn es einem manchmal gegen den Strich geht.

Zum selben Beitrag schreiben Elke Pratsch, Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte des Landkreises sowie die Praktikanten Frank Löffler und Manuela Dinter:

Was die Gleichberechtigung von Männern und Frauen betrifft, hat sich in den letzen Jahrzehnten viel verändert. Es gab aber auch Rückschritte. Ein Beispiel dafür ist die Werbung, die mit ihrer Bilderwelt unser Rollenverständnis massiv und leider nicht immer zum Guten prägt. So werden Männer und Frauen in überholte Rollen und Klischees gedrängt, oft ohne dies bewusst wahrzunehmen.

Besonders erniedrigend ist es, wenn Frauen auf ihren Körper reduziert werden! Erotische Reize werden kommerzialisiert und Frauenkörper als reine Dekoration und Statussymbol behandelt. Dass dies oft noch nicht einmal einen Bezug zum Produkt oder in diesem Fall zu der Veranstaltung hat, ist erschreckend. Damit wird schon den Teenagerinnen die Botschaft vermittelt: Wer schön, leicht bekleidet und viel zu schlank ist, erhält Anerkennung und kommt weiter. Mädchen und junge Frauen haben daher oft Defizite im Verständnis und der Liebe zu ihrem Körper sowie dem Respekt und Vertrauen in sich selbst.

Werbung will vor allem eines: Unsere Aufmerksamkeit! Und weil Werbung so vielseitig einsetzbar ist, kann man sich ihr oft nicht entziehen. Deshalb muss in Verträgen klar geregelt werden, wie und in welchem Maß provokative Werbung im öffentlichen Raum eingesetzt werden kann.