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Protest gegen Buhnen am Strand

Im Herbst will der Bergbausanierer LMBV mit dem Einbau beginnen. Betroffene Unternehmer haben andere Ideen.

Karl-Heinz Radochla (vorn links) und Klaus Renner (Mitte, im hellorange T-Shirt) informierten die Geierswalder über Sicherungsmaßnahmen am Strand.
Karl-Heinz Radochla (vorn links) und Klaus Renner (Mitte, im hellorange T-Shirt) informierten die Geierswalder über Sicherungsmaßnahmen am Strand. © Foto: Anja Wallner

Geierswalde. Es war keine gemütliche Feierabendrunde, die sich vor der Kulisse eines herrlichen Sonnenuntergangs auf der Terrasse der Wassersportstation von Klaus Renner am Geierswalder See eingefunden hatte. Gut zwei Dutzend Einwohner, Ortschafts- und Gemeinderäte, ansässige Unternehmer und Vermieter sowie Wassersportler hatten sich am Montagabend auf Einladung von Klaus Renner und Karl-Heinz Radochla (selbst ernannter „Kümmerer vom Geierswalder See“) versammelt, um öffentlich über den vom Bergbausanierer LMBV geplanten Buhneneinbau im Strandbereich zu informieren und Meinungen der Anwesenden zu dem Vorhaben zu sammeln. 

Tourismusmanager Matthias Müller war als Vertreter der Gemeinde Elsterheide zugegen; die LMBV hatte man allerdings nicht mit an den Tisch geholt. Wie berichtet, will die LMBV im Strandbereich Buhnenreihen einbringen. Klaus Renner befürchtet, dass der bisher in vielfältiger Weise ausgeübte Wassersport am Strand dann aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich sein wird. Auch die Wasserwacht hatte sich skeptisch geäußert. Der Wassersportanbieter befürchtet auch einen Rückgang bei den Urlauber-Übernachtungen.

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Was ist am Strand geplant?

Die LMBV lässt eine Steinschüttmole im Bereich östlich der schwimmenden Häuser sowie vorgelagerte Wellenbrecher bis vor die Schilfinsel errichten. Im Bereich des jetzigen Badestrandes sind drei Holzbuhnenreihen senkrecht zur Uferlinie in einem Abstand von etwa 40 Metern vorgesehen. Der Zweck der Buhnen besteht nach LMBV-Angaben darin, die Wellen zu brechen sowie uferparallele Strömungen und damit die Erosion am Ufer zu unterbinden. Gleichzeitig soll dadurch das Verlanden des Schiffsanlegers minimiert werden. Dieser musste bereits wegen des Sandeintrags freigespült werden. Der Uferbereich wird profiliert (Tageblatt berichtete). Beginnen sollen die Arbeiten im Oktober, vor dem offiziellen Ende der Wassersportsaison am Strand. Es handelt sich hier um eine sogenannte §2-Maßnahme der Braunkohlesanierung in Verantwortung der LMBV. Den Buhnenverlauf hatte Klaus Renner mithilfe von Bojen im Wasser für die Teilnehmer der Versammlung zum besseren Verständnis skizziert.

Was spricht gegen die geplanten Buhnenreihen im Strandbereich?

Grob gesagt, stellen Klaus Renner und Karl-Heinz Radochla die seinerzeit von Sachverständigen erstellten Wind-, Sand- und Wellengutachten infrage. Ihrer Ansicht nach haben Buhnen auf Grund der Windverhältnisse am See (meistens West-, häufig Nordwestwind) am geplanten Standort keinen Sinn, sondern sollten, wenn, dann eher im Bereich Koschendamm errichtet werden. Von dort kämen, so ihre Beobachtungen und Messungen, Strömung und Sedimente. Letztere würden sich in Anlegernähe ablagern. „Wo ist all der Sand hin?“, fragte Klaus Renner und verwies auf die recht hohe Abbruchkante am Ufer des Koschendamms. „Das liegt alles hier beim Anleger!“

Wie geht es mit der Wassersportstation Renner weiter?

Wie berichtet, geht Klaus Renner nach Saison-Ende in den Ruhestand. Für seine Wassersportstation hatte es bereits einen Interessenten mit einem Konzept gegeben. Diese Übernahme-Pläne seien aber nach Angaben von Klaus Renner gescheitert, weil kein Wassersport mehr am Buhnen-Strand möglich wäre und somit die Existenzgrundlage des Nachfolgers wegfiele. Ein weiterer Nachfolge-Kandidat steht aber schon in den Startlöchern, der am Montagabend ebenfalls zugegen war und sich vorstellte. Seinen Namen möchte der junge Mann noch nicht in der Zeitung lesen. Den gebürtigen Leipziger, der in Senftenberg gelebt und studiert hat und der derzeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig arbeitet, zieht es zurück in die Lausitz. Der Ingenieur und begeisterte Wassersportler ist seit zehn Jahren ständiger Gast bei Wake & More am Geierswalder See und hilft dort auch aus. Er will die Pläne für den Um- und Ausbau der Wassersportschule fortführen. Das nicht zu tun, wäre ein Frevel, meinte er.

Was sagen Einwohner und Unternehmer?

Vor allem wurde darauf hingewiesen, dass man schon vor Jahren Bedenken geäußert hätte, unter anderem auch zum Standort des Schiffsanlegers, der nach Ansicht so manches Anwesenden fehlgeplant worden sei und an der Südböschung besser aufgehoben gewesen wäre. „Aber uns hat niemand ernst genommen. Es musste ja alles fix gebaut werden.“ Außerdem wunderte man sich, dass sich die LMBV nun doch für Buhnen entschieden habe. Das hätte sich früher ganz anders angehört: „Da wurde gesagt, sie wären ungeeignet.“

Klaus Renner prophezeite, dass es bald gar keinen Strand am See mehr geben werde. Der geschüttete Boden des Strandes am Koschendamm, so seine Ansicht, werde immer wandern. Um das zu verhindern, so glaubt er, werde man dort also die nächsten Buhnen bauen, um den Schiffsanleger zu schützen. Karl-Heinz Radochla entnahm der Planzeichnung für die Buhnensicherung, dass der Bereich um den Schiffsanleger ausgebaggert werden solle. „Und das“, so meint er, „muss dann andauernd wiederholt werden.“

Was schlagen die Initiatoren der Versammlung als Lösung vor?

Zusammengefasst, soll auf die Buhnen verzichtet und sollen höchstens welche auf Koschendamm-Seite eingebracht werden. „Surf Renners“ Betrieb müsse bis 31. Oktober gesichert sein. Karl-Heinz Radochla las zudem die Forderung nach einem Umbau-Stopp des Schiffsanlegers vor. Diese Arbeiten dienen, wie berichtet, unter anderem dem besseren Anlegen des Fahrgastschiffes und dem bequemeren Ausstieg der Reederei-Mitarbeiter. Vielmehr wollen Karl-Heinz Radochla und seine Mitstreiter, dass zeitnah eine ganz neue Planung für einen Anleger aufgelegt wird, für einen zusätzlichen in Hafennähe. Finanziert werden könnte das ganze Vorhaben, so der Gedanke, über Strukturwandel-Gelder, die zum Kohle-Ausstieg in die Region fließen sollen.

Was sind die nächsten Schritte?

Für den kommenden Montag, so ließ Klaus Renner wissen, sei ein Beratungstermin bei der LMBV vereinbart worden, an dem er sowie sein Nachfolger teilnehmen würden. Auch Karl-Heinz Radochla äußerte das Ansinnen, dabei zu sein. Die am Montagabend gesammelten Meinungen, Argumente, Hinweise und Forderungen sollen dort auf den Tisch gepackt werden.

Seitens der Gemeindeverwaltung Elsterheide hieß es auf Anfrage, dass es schwierig sei, eine derartige Diskussion wie am Montagabend zu führen, ohne die LMBV dazuzuholen. Bekräftigt wurde, den Wassersport erhalten zu wollen und auch die früheren Expertengutachten nicht anzweifeln zu wollen. Die Gemeindeverwaltung will von der LMBV, wie berichtet, prüfen lassen, ob die mittlere Buhne nicht entfernt werden könnte. Dann hätte man Platz für Wassersport gewonnen: Immerhin würde der Abstand zwischen den verbleibenden Buhnen 80 Meter betragen. Wie der potenzielle Nachfolger von „Surf Renner“ am Rande der Veranstaltung erwähnte, sei das auch eine geeignete Größenordnung für Surf-Anfänger. Der Lausitz-Rückkehrer regte auch an, dass sich die Unternehmer am Ufer besser vernetzen und zusammenstehen sollten.

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