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Psychologen machen sich in Döbeln selbstständig

Andreas Böse und Sebastian Luderer eröffnen eine Praxisgemeinschaft. Bedarf an Therapien gibt es reichlich.

Die Diplom-Psychologen Andreas Böse (links) und Dr. Sebastian Luderer werden im September in einer Praxisgemeinschaft die Arbeit aufnehmen.
Die Diplom-Psychologen Andreas Böse (links) und Dr. Sebastian Luderer werden im September in einer Praxisgemeinschaft die Arbeit aufnehmen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die beiden neuen Mieter der künftigen Psychotherapeutischen Praxis im Haus Bahnhofstraße 72 sind noch beim Einräumen. In der Gründerzeitwohnung mit den schönen Stuckdecken werden Gruppen- und Einzeltherapieräume eingerichtet. Die Diplom-Psychologen Andreas Böse und Dr. Sebastian Luderer werden die Nachfolge von Marlies Ray übernehmen, die vor einigen Wochen ihre Praxis an der Bäckerstraße aufgegeben hatte. 

Der Praxissitz, den die Diplompsychologin in Döbeln hatte, ist unter den beiden aufgeteilt. „Mit zwei halben Sitzen kann man mehr Patienten behandeln als mit einem Vollsitz“, sagte Andreas Böse. Und Bedarf gebe es. „Es gibt Wartezeiten bis zu einem Jahr. Das ist schwierig in einer Krisensituation.“

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Zum ersten Mal selbstständig

Für die Diplom-Psychologen ist es auch eine neue Situation. Der 41 Jahre alte Böse und der 39 Jahre alte Luderer waren noch nie selbstständig. „Wir sind schon ziemlich aufgeregt“, sagte Böse. Er arbeitet bisher in der Tagesklinik von Bethanien in Döbeln, sein Kollege in der Tagesklinik in Freiberg. 

Die beiden kennen sich schon lange. „Wir haben zusammen in der Friedrich-Schiller-Universität in Jena studiert“, sagte Böse. Allein wollten sie nicht praktizieren, also haben sie den Praxissitz aufgeteilt. Das sei kein Problem gewesen. Sie hätten keine Gemeinschaftspraxis, sondern seien eine Praxisgemeinschaft, erklären die beiden. Jeder der psychologischen Psychotherapeuten hat einen eigenen Patientenkreis.

Hilfe in der Krise

Die beiden werden Betroffene in Einzel- und Gruppentherapie betreuen. Es handelt sich dabei um Menschen, die unter Angststörungen und Zwangserkrankungen leiden, die suchtkrank sind oder depressiv, die Persönlichkeits- oder Essstörungen haben. Auch sogenannte Anpassungsstörungen nach schweren Schicksalsschlägen wie dem Tod eines geliebten Menschen oder einer Insolvenz kommen vor. 

Jeder der Psychologen wird zwischen 25 und 30 Patienten gleichzeitig therapieren können. Die Behandlungen sind langwierig, sagte Luderer. Selbst eine Kurzzeittherapie mit zweimal zwölf Stunden gehe etwa ein Jahr.

Verunsicherung durch Corona

Einen Mehrbedarf an psychologischer Betreuung durch die Corona-Krise kann Andreas Böse bisher nicht ausmachen. Eher eine Verunsicherung. Manche Patienten zeigten eine Verleugnung und Verdrängung der Situation und Abwehrmechanismen gegen die Maßnahmen, andere eine übertriebene Angst vor dem Virus.

Ab dem 1. September wollen die beiden erst einmal an zwei Tagen in der Woche praktizieren. Dann sind sie auch telefonisch zu erreichen. Vollzeit starten sie im Oktober, sagte Böse. Informationen gibt es auf der neuen Internetseite der beiden.

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