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Sebnitz

Neue Chance nach Corona

Noch sind die Gaststätten geschlossen. Die Vorfreude auf die Neustarts ist aber groß. Heute mit: Jana und Michael Krolop "Zur Puppenstube" Helmsdorf.

Jana und Michael Krolop vor ihrem Restaurant "Zur Puppenstube" im Stolpener Ortsteil Helmsdorf.
Jana und Michael Krolop vor ihrem Restaurant "Zur Puppenstube" im Stolpener Ortsteil Helmsdorf. © Steffen Unger

Jana und Michael Krolop sind eigentlich krisenerprobt. 2002 verschluckte die Elbe ihr Restaurant "Zur Puppenstube" in Pirna. Ihr Inventar samt Puppen konnten sie damals vor den Fluten in letzter Sekunde retten. Damit sind sie dann umgezogen, in den Stolpener Ortsteil Helmsdorf, in das Landhotel Wesenitz. Sie haben hier den Neuanfang mit ihrer Puppenstube gewagt, größer als in Pirna mit einem großen Saal. Doch das Wagnis hat sich gelohnt.  Seit der Eröffnung im Jahr 2013 hat sich das Restaurant "Zur Puppenstube" so gut entwickelt, dass Familie Krolop Anfang des Jahres die Entscheidung getroffen hatte, die Zimmer des Landhotels mit zu übernehmen und als Pension weiterzuführen. Nicht zuletzt auch, weil die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten bei Feierlichkeiten immer wieder kam.

Allerdings ahnten die Wirtsleute damals nicht, dass es in diesem Jahr wohl nicht mehr viele große Feierlicheiten geben wird. Da die Küche im Restaurant komplett kalt bleibt, hat Jana Krolop für ein Rezept für die Leser der SZ ihren heimischen Küchenherd angeworfen. Es gibt Hähnchenbrustfilet mit Bärlauchtagliatelle. Ein leichtes Gericht, bestens für die ersten warmen Tage geeignet und noch sprießt ja auch der Bärlauch im Garten. Zunächst werden vier Hähnchenbrustfilets mit Salz gewürzt und in Pflanzenfett bei mittlerer Hitze in einer Pfanne mit Deckel gebraten. In der Zwischenzeit kocht sie die Tagliatelle al dente und gießt das Wasser ab. Und jetzt kommt sozusagen das Sahnehäubchen.

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Der Bärlauch duftet bereits herrlich beim Anscheiden, kurz andünsten und mit Brühe auffüllen, aufkochen und die Schlagsahne hinzufügen. Jana Krolop bereitet aus der Butter und dem Mehl eine Mehlschwitze. Unter rühren wird Flüssigkeit mit dem Bärlauch dazu gegeben. "Achtung, immer rühren, sonst klumpt die Mehlschwitze", sagt sie.  Die Soße gießt sie über die Tagliatelle, hebt vorsichtig die halbierten Kirschtomaten darunter, lecker. Eigentlich könnte man das Gericht schon so genießen. Als i-Tüpfelchen kommt obendrauf jeweils ein Hähnchenbrustfilet. Fertig. Gerne hätte es die Wirtin ihren Gästen in diesen Tagen auch serviert. 

Sie sagt: "Größere Feierlichkeiten wird es wohl im Saal in diesem Jahr nicht mehr geben. Das stimmt uns traurig, auch für die Brautpaare die hier bereits bestellt hatten und die Trauung abgesagt haben." Bis zu vier Hochzeiten pro Monat finden in normalen Zeiten im Restaurant statt. Doch jetzt, gähnende Leere. Aber die Entscheidung, die Zimmer mit dazu zunehmen, erweise sich wohl für die Zukunft als die Chance. Und so sehen es die beiden auch. Deshalb haben sie in den letzten Wochen zugepackt. Der Frühstücksraum wurde neu gestaltet,  der Buffetbereich vergrößert, der Eingangsbereich im Restaurant verlegt, Türen gestrichen, tapeziert. 

Der Außenbereich mit seinen Sitzmöglichkeiten wurde für die Gäste vorbereitet und Jana Krolop hat ein Kräuterbeet angelegt, auf dem es bereits grünt und blüht. Natürlich wäre es ihnen lieber, anstatt in der Erde zu graben, mit den Gästen zu arbeiten, versichern sie. "Für die jetzigen Maßnahmen haben wir keinerlei Verständnis. Schließlich werden die Gäste nicht gezwungen, in ein Restaurant zu gehen. Sie kommen freiwillig. Und wer Angst vor Ansteckungsgefahr hat, soll eben eine Weile auf einen Besuch verzichten", sagt Jana Krolop. Ihr Haus könne den Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen, ohne gegen die Sicherheitsbestimmungen zu verstoßen.  Die Schutzmaßnahmen könnten alle eingehalten werden, so zum Beispiel auch mit zeitlicher Gästesteuerung.

In Helmsdorf wünscht man sich, dass der Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Schließlich arbeite man mit dem Umsatz und müsse sich in der Hauptsaison das Polster für die Nebensaison schaffen. Und wie lange dann so ein Polster überhaupt reicht, sei von vielen Faktoren abhängig. Niemand würde zum Beispiel an einem Dienstag im November heiraten. Und eine lustige Wanderrunde würde nicht bei Nieselregen im Biergarten sitzen. Für all diese Dellen müsse das Polster reichen. Jana Krolop kann Worte wie "die Wirtschaft stirbt" nicht mehr hören. "Fakt ist, es wird ein Teil unserer Kultur und Lebensfreude sterben, wenn viele gastronomische Einrichtungen speziell in ländlicher Gegend, in kleinen Städte, ihre Türen schließen", sagt sie. 

Zutaten für vier Personen:

4 Hähnchenbrustfilet à 150 g, Salz, Pflanzenfett, 500 g Tagliatelle, 100 g Bärlauch, 300 ml Gemüsebrühe, 200 ml Schlagsahne, 50 g Butter und 100 g Mehl für die Mehlschwitze, 100 g Kirschtomaten.

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