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Radeberg: Ärger um Stolpener Straße

Eine Viertelmillion Euro investiert die Stadt. Anwohner schreiben daraufhin einen erbosten Brief.

Anwohner protestieren gegen den Straßenlärm und die schlechte Fahrbahn auf der Stolpener Straße in Radeberg. Andreas Krohn hat ein Lärmmessgerät mitgebracht. Carola Nietzsche sieht sich das Ergebnis an. Mehr als 80 Dezibel werden angezeigt.
Anwohner protestieren gegen den Straßenlärm und die schlechte Fahrbahn auf der Stolpener Straße in Radeberg. Andreas Krohn hat ein Lärmmessgerät mitgebracht. Carola Nietzsche sieht sich das Ergebnis an. Mehr als 80 Dezibel werden angezeigt. © Sven Ellger

Radeberg. Meist ist die Zustimmung groß, wenn eine Straße in Ordnung gebracht wird. Schlaglöcher verschwinden, weniger Verkehrslärm, die Sicherheit steigt. Bei der Stolpener Straße in Radeberg liegt der Fall anders. Hier hat die Ankündigung zu einem erbosten Brief an die Stadt geführt. Auch ein Stadtrat meldet sich zu Wort. 

Alles begann mit einer guten Nachricht. Vergangene Woche wurde bekannt, dass ein Abschnitt der viel befahrenen Stolpener Straße saniert werden soll (die SZ berichtete). Dort haben sich Spurrinnen gebildet, der Asphalt ist gewellt. Mehr als eine Viertellmillion Euro sollen für das Projekt bereitgestellt werden. Zunächst wird ein Abwasserkanal ausgetauscht, dann wird der Asphalt auf der gesamten Straßenbreite erneuert. So erhält die Stolpener Straße vom Abzweig Kleinwolmsdorfer Straße bis in die Nähe des Ortsausganges eine glatte Fahrbahn. Noch in diesem Jahr soll alles fertig sein.

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Anwohner dachten zunächst an einen Irrtum

Als Andreas Krohn und einige andere Anwohner der Stolpener Straße davon hörten, vermuteten sie zunächst einen Irrtum. Der obere Abschnitt der Stolpener Straße soll in Ordnung gebracht werden? Dort sind doch kaum Fahrbahnschäden zu sehen, sagen sie. „Bei uns im unteren Teil ist der Zustand unzumutbar. Hier besteht die Fahrbahn aus Pflastersteinen, die Schachtdeckel ragen zentimeterweit hoch, immer wieder gibt es Absenkungen, die notdürftig geflickt werden“, sagt Andreas Krohn. Vor allem ist es der unerträgliche Lärm, der durch die Autos auf dem unebenen Pflaster erzeugt wird. Eine normale Unterhaltung am Straßenrand ist kaum möglich. Er hat ein Lärmmessgerät mitgebracht, um das zu demonstrieren. Werte über 80 Dezibel zeigt das Gerät an, wenn ein größeres Auto vorbeifährt. Jürgen Kloß, dessen Balkon sich an der Straße befindet, kann sich dort kaum aufhalten, wie er sagt. „Ich kann ihn praktisch nicht nutzen. Dort mal einen Kaffee zu trinken, sich zu unterhalten, ist nicht möglich“, sagt er. Andere Anwohner öffnen ihre Fenster kaum noch, weil der Lärm unerträglich ist. 

Unebenes Pflaster und Fahrbahnabsenkungen: Im unteren Teil ist die Stolpener Straße in einem sehr schlechten Zustand. Anwohner wollen eine schnelle Sanierung.
Unebenes Pflaster und Fahrbahnabsenkungen: Im unteren Teil ist die Stolpener Straße in einem sehr schlechten Zustand. Anwohner wollen eine schnelle Sanierung. © Sven Ellger

Hinzu kommt, dass die Autos meist mit überhöhter Geschwindigkeit über das Pflaster brettern. „Kaum einer hält sich an das Tempo 30-Schild. Die Fahrer kommen die Stolpener Straße herunter und fahren in hohem Tempo das Stück hier entlang“, sagt Andreas Krohn. Geschwindigkeitskontrollen sind abgelehnt worden, der Messbereich sei zu kurz.Die Vibrationen, die schwerere Autos auslösen, sind ein weiteres Problem. „Vor einigen Jahren, als hier noch die Baufahrzeuge durchgefahren sind, hat das so sehr gewackelt, dass mir eine Vase in der Wohnstube kaputtgegangen ist. Die ganz schweren Lkw dürfen hier zwar nicht mehr durch, dennoch sind die Erschütterungen auch von den anderen Autos zu merken“, sagt Carola Nitzsche.

Was die Anwohner vor allem aufbringt, ist die Tatsache, dass sie immer wieder vertröstet wurden. „Schon als die Brücke über die Große Röder erneuert wurde, sagte man uns, als Nächstes seid ihr dran. Das war 2001. Auch in den Jahren danach gab es immer wieder Versprechen, aber nichts passierte“, sagt Anwohner Jörg Nitzsche. Die Ankündigung, der obere Abschnitt wird in Ordnung gebracht und nicht der gepflasterte, verärgerte sie vollends. In dem offenen Brief machte Andreas Krohn seinem Unmut Luft. Das Geld aus der Stadtkasse wären sicher für das Teilstück Stolpener Straße besser angelegt. „Wir wollen keinen Ärger machen, aber hier muss etwas passieren“, sagt Andreas Krohn.

Stadt nennt Termin für Sanierung

Jürgen Wähnert, Sprecher der Stadtverwaltung, kann den Unmut der Anwohner verstehen. „Wir wissen, dass in Höhe der Hausnummern 1 bis 11 die Straße sehr schlecht ist und dringend saniert werden muss. Aber was wir im oberen Teil erledigen, ist keine Straßensanierung. Wir bringen dort den Kanal in Ordnung. Danach wird der Asphalt erneuert“, sagt er. Der Zustand des Abwasserkanals sei oben so schlecht, dass der Austausch unaufschiebbar ist. „Im unteren Abschnitt der Stolpener Straße ist er auch sanierungsbedürftig. Dort ist es aber nicht so dringend.“ Jürgen Wähnert sagt zu, dass der Kanal und damit die Straße 2021 oder 2022 in Ordnung gebracht werden. „Die Sanierung des Kanales im unteren Teil der Stolpener Straße ist für die nächsten zwei Jahre eingeordnet“, sagte er.

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Auch vonseiten der Stadträte gibt es Redebedarf. „Im Radwegekonzept der Stadt Radeberg ist ein Radweg entlang der Stolpener Straße vorgesehen. Aus Richtung Arnsdorf existiert bereits einer. Er endet aber am Ortseingang“, sagt Dr. Ulrich Hensel (parteilos) von der Fraktion SPD/Linke/Grüne. Wenn schon die Fahrbahn saniert wird, dann sollte auch gleich ein Radweg angelegt werden, so der Lokalpolitiker. „Das Radwegekonzept ist schließlich von Stadtrat beschlossen worden und sollte auch umgesetzt werden.“ Für Jürgen Wähnert gilt auch hier das Argument, dass es sich nicht um ein Straßenbauvorhaben handelt, sondern um eine Kanalsanierung. „Dabei kommt anschließend frischer Asphalt auf die Straße. Mehr ist vorerst hier nicht vorgesehen.“

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