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Tierärztin: 60 Euro für den Notfall

Wenn Christina Tomeit Bereitschafts-Notdienst hat, weiß sie, dass es da schon mal hektisch zugehen kann.

Als Veterinärmediziner ist man im Notdienst Einzelkämpfer, findet die Wallrodaer Tierärztin Christina Tomeit, hier mit ihrem Rottweiler.
Als Veterinärmediziner ist man im Notdienst Einzelkämpfer, findet die Wallrodaer Tierärztin Christina Tomeit, hier mit ihrem Rottweiler. © Marion Doering

Vor einigen Tagen war es wieder einmal soweit. Da musste Christina Tomeit in den frühen Morgenstunden hinaus, auf eine Weide im Radeberger Umland. Um bei einer Kuh „Geburtshilfe zu leisten“ wie die die 58-Jährige sagt. Es regnete in Strömen, als sie mit ihrer Arbeit fertig war, lag das Kalb gesund vor ihr. Momente wie diesen hat sie schon etliche erlebt. Sie gehören zum Alltag der Veterinärmedizinerin, die ein paar Stunden später wieder in ihrer Wallrodaer Tierarztpraxis die ersten tierischen Patienten behandelt.

Verletzte Störche und Schwäne

Seit 1997 arbeitet Christina Tomeit als Tierärztin. Für Groß- und Kleintiere. Alle fünf Wochen hat sie einen einwöchigen Bereitschaftsdienst. Der beginnt am Wochenende. Von Freitagabend bis zum Montagmorgen. An den darauffolgenden Wochentagen muss sie nach ihren Sprechstunden in der Zeit zwischen 18 und 8 Uhr präsent sein, um bei Notfällen helfen zu können. Etwa, wenn Kühe beim Kalben Probleme bekommen, verletzte Störche oder Schwäne versorgt werden müssen oder Haustiere erkranken. Bereitschaftsdienst, das ist auch die Zeit, in der sie die Tierhalter häufig von einer anderen Seite kennenlernt. Schon häufiger vorgekommen, dass man sie nachts aus dem Bett geklingelt hatte, weil aufgeregte Hunde- oder Katzenhalter winzig-blutende Wunden gleich als Notfall einschätzen. Da müsse man, so die Tierärztin, die emotional-aufgebrachten Tierhalter vor allem beruhigen, an den gesunden Menschenverstand appellieren und darauf hinweisen, dass so ein tierärztlicher Notdienst „für die lebensbedrohlichen Fälle“ da sei. Und ja, bei dieser Gelegenheit weist sie die Tierhalter auf die in diesen Fällen fällige Notdienstgebühr hin. Einschließlich Mehrwertsteuer beträgt die derzeit rund 60 Euro. Übrigens ein Betrag, bei dem manch aufgebrachter Tierhalter sich schnell beruhigt und das vermeintlich so malade Tierchen dann doch unter einem nicht mehr so dramatischen Blickwinkel betrachtet.

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Zwei Tage Krankenhaus nach Hundebiss

Christina Tomeit gehört zu den Tierärzten in der Region, die sich die Bereitschaftsdienste in der Region aufteilen. Wenn man so will, lebt sie ein aussterbendes Berufsbild. Denn heutzutage ist auch in diesem veterinärmedizinischen Bereich spezialisiertes Wissen mehr denn je gefragt. Man wird in ihrem Job, auch im Notdienst, mitunter mit Tierarten konfrontiert, die man nicht täglich auf dem Behandlungstisch hat. Schlangen etwa. Oder Schildkröten, auch Alpakas musste sie mal behandeln. Kommt auch schon vor, dass sie bei den Behandlungen gebissen oder gekratzt wird. „Ein Hund hatte mich mal so schwer in die Hand gebissen, das ich zwei Tage im Krankenhaus verbringen musste.“ Berufsrisiko. Dass sich ihre tierischen Patienten vor der Narkose, vor einem operativen Eingriff noch rühren und wehren, auch das hat sie schon erlebt. Ursache sei ja der Stress, unter dem die Tiere in einer solchen Situation stünden. Der Transport zur Praxis, verbunden mit den zumeist ebenfalls hilflos-aufgeregten Tierhaltern. Da ist es nicht schlecht, wenn man über eine buddhagleiche Gemütsruhe verfügt.

Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie als Tierärztin, hat seither einige Tierhalter-Generation erlebt. Deren Anspruchsdenken an den Tierarzt sei in den vergangenen Jahren gewachsen. Und oftmals unrealistisch, wie sie findet. Aber das sei dem Zeitgeist geschuldet, ansonsten seien die meisten Tierhalter froh und dankbar, wenn man für ihre Tiere da sei, ihnen helfen könne. Gewissermaßen helfe man auch den Tierhaltern, die ja mit ihren kranken Tieren mächtig mitleiden.

Flöhe sind kein Notfall

Wenn es ans Bezahlen des Notfalles geht, werden jedoch bei so manchem die Augen groß. Denn seit Februar dieses Jahres gelten neue Gebührensätze im tierärztlichen Notdienst. Zur Grundgebühr können Tierärzte wie Christina Tomeit, wenn sie zu Einsätzen in den Nachtstunden, an Wochenenden oder an Feiertagen gerufen werden, mindestens den zweifachen Gebührensatz berechnen. Bei besonders umfassenden und komplizierten Behandlungen, was „aber nicht so oft vorkommt“, so Tierärztin Tomeit, könne man auch den drei- bis vierfachen Satz in Rechnung stellen.

Daher Christina Tomeits Rat, den tierärztlichen Bereitschaftsdienst nur dann zu beanspruchen, wenn es „wirklich ernst ist“. Tierhalter, deren Hund oder Katze von Flöhen geplagt seien, sollten ihre wöchentliche Sprechstunde aufsuchen. Denn ein Flohbefall, so Tomeit, „ist nun wirklich nichts für den Notdienst“.

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