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Radeberg

Bistro im EKZ verkauft die letzte Tasse

Eigentlich wollte der Laden im Container vor das Gebäude in Radeberg ziehen. Der Plan misslang. Wie es jetzt weitergeht.

Das Center-Bistro im Einkaufszentrum Radeberg verkauft das Inventar. Foto: Sven Ellger
Das Center-Bistro im Einkaufszentrum Radeberg verkauft das Inventar. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: im Center Bistro bei Kathrin Hauke lassen sich Gäste das Mittagessen schmecken, hinter dem Tresen werden die Gerichte zubereitet. Und doch ist alles anders. Quasi an jeder Pfanne, jedem Löffel, jeder Tasse hängt ein Preisschild. Denn die Chefin verkauft alles. „Alles muss weg. Wir verkaufen unser komplettes Inventar. In wenigen Tagen, am Donnerstag, dem 23. Januar, öffnen wir zum letzten Mal“, sagt die Bistro-Chefin. Ein Großteil der Einrichtung ist schon weg. „Geschirr und Besteck hat einer gekauft, der sich selber eine Gastronomie aufbauen will, und den Bartresen hat ein Verein gekauft. Wahrscheinlich wollen sie ihn in ihrem Aufenthaltsraum aufstellen.“

Einige Tische und Stühle sind noch zu haben. Dort klebt auch ein richtiges Preisschild dran. Auch ein Gastro-Geschirrspüler und eine Salat- und Warmhaltetheke ist noch im Angebot. „Die ist ausgestattet mit mehreren Frische- und Wärmebereichen. Alles ideal, wenn einer einen Dönerimbiss einrichten will“, sagt Kathrin Hauke. Alles was nicht verkauft wird, müssen ihre Mitarbeiter und sie bis Ende Januar ausgeräumt haben. Weshalb behält sie die Einrichtung nicht und lagert sie ein bis zur Wiedereröffnung des Bistros im neuen Einkaufszentrum? „Umsonst macht das keiner. Aufwand und Nutzen hätten in keinem Verhältnis gestanden.“

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"Das war dann alles zu viel"

Ursprünglich war ihr Plan ein anderer. Kathrin Hauke wollte mit ihrem Bistro nur ein paar Meter weiter ziehen. Vor dem EKZ wollte sie Container aufstellen lassen und dort die Gäste bewirten. Doch daraus wurde nichts. „Die Kosten waren einfach zu hoch, die Miete für die Container und auch die Handwerkerarbeiten. Wir müssen ja Strom- und Wasseranschlüsse legen. Auch Toiletten müssen eingerichtet und das Abwasser muss entsorgt werden. Diese Kosten muss ich während der Zeit erwirtschaften“, sagt die Chefin. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand. „Beispielsweise hätte ich ein Brandschutzgutachten in Auftrag geben müssen. Am Ende hätte der Gutachter gesagt, so funktioniert das nicht. Dann wäre alles umsonst gewesen. Das war dann alles zu viel.“

Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. „Ich hatte ja auch schon mehrere Cateringaufträge. Familienfeiern, Schuleingang und vieles mehr. Die musste ich alle absagen.“ Was jetzt? Wenn alles klappt, öffnet das modernisierte Einkaufszentrum in zehn Monaten im November 2020, und Kathrin Hauke kann wieder einziehen. „Die Zeit bis dahin muss ich irgendwie überbrücken. Ich hoffe, dass meine Mitarbeiter dann auch wieder dabei sind. Jetzt musste ich ihnen erst einmal kündigen.“ Geht alles klar, öffnet sie auf einer etwas größeren Fläche. „Dann brauche ich 2,5 Mitarbeiter mehr, darunter einen Koch, der gut kochen kann.“ Von dem Plan, während der Umbauzeit vor dem Center das knappe Jahr zu verbringen, haben nach und nach immer mehr Händler Abstand genommen. Als Einzige wird Frisörin Evelin Widtmann mit ihren Mitarbeiterinnen vor die Tür ziehen. „Diese Woche haben wir noch im EKZ geöffnet, am 3. Februar frisieren wir unsere Kunden in Containern. Da haben wir nicht ganz so viel Platz, aber es reicht, um alle zu bedienen.“

Fassade mit modernem Aussehen

Im Center sind derzeit nur noch wenige Geschäfte geöffnet. Der Blumenladen bietet noch Blumensträuße an, in mehreren Modegeschäften sind Waren reduziert. Größter Mieter ist noch Discounter Aldi. An den Türen hängen Zettel mit der Aufschrift: „Noch diese Woche geöffnet“ oder „Wir sind noch bis 23. Januar für sie da.“ Ab Februar bleibt im Innern des Einkaufszentrums kein Stein auf dem anderen. Dort verschwindet die lange Passage. An den beiden Eingängen werden rechts und links kleinere Geschäfte wie Bäcker, Frisör, Blumenladen und Imbiss angeordnet. Unmittelbar gegenüber schließen sich die Bereiche der Supermärkte an. Die Fassade erhält ein modernes Aussehen. Auf der Eingangsseite wird eine Klinkerwand errichtet. Die derzeit sehr steile Rampe zwischen Parkplätzen und den Eingängen wird flacher. Der Toom-Baumarkt, der sich ebenfalls auf dem Gelände befindet, bleibt von den Bauarbeiten unberührt. Er hat die gesamte Zeit über geöffnet. Auch ausreichend Parkplätze stehen zur Verfügung.

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In das EKZ investiert die Eigentümerin, die Defama Deutsche Fachmarkt AG, mehr als neun Millionen Euro. Der Defama AG gehören nach eigenen Angaben 34 Einkaufszentren in ganz Deutschland mit fast 140.000 Quadratmetern Nutzfläche. Zu den größten Mietern zählen Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Rewe und andere Anbieter.