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Radeburg verliert zwei Stimmen im Kreistag

Die CDU bremste zwei bisherige parteilose Fraktionsmitglieder aus und hat nun kein Mandat mehr. Rüdiger Stannek (Die Linke) muss es als Neuling jetzt richten.

Von Sven Görner

Wenn er es gewollt hätte, säße der Radeburger Rüdiger Stannek sicher schon längst im Kreistag. Denn der 64-Jährige ist nicht nur der Frontmann der Linken in der Zille-Stadt, sondern auch über deren Grenzen hinaus kein Unbekannter. Doch bisher beschränkte er sein kommunalpolitisches Engagement ausschließlich auf den Stadtrat. Sein Job als Chef der Agrargenossenschaft Radeburg ließ ihm nicht die Zeit, um auch noch ein weiteres anspruchsvolles Ehrenamt wie das eines Kreisrates zu übernehmen. „Doch inzwischen bin ich durch unseren 3. Vorstand Dennis Thomas nicht mehr ganz so eingespannt und die Rente ist ja auch bald in Sicht“, sagt Rüdiger Stannek. Am Sonntag schaffte er neben seiner Wiederwahl in den Stadtrat auf Anhieb auch den Einzug in den Kreistag. Und muss dort nun als einziger Radeburger die Interessen der Stadt hochhalten.

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Denn obwohl sich insgesamt neun Zille-Städter auf verschiedenen Listen um ein Mandat bewarben, schaffte es kein weiterer Bewerber. Die drei bisherigen Kreisräte sind künftig nicht mehr dabei. Im Fall von Michael Ufert (SPD) ist das nicht überraschend. Denn der Schulleiter der Zille-Oberschule und wiedergewählte Stadtrat hatte nicht erneut kandidiert. Wie er auf Nachfrage der SZ sagte, gibt es dafür mehrere Gründe. Zum einen will er ich auf seine Arbeit in der Schule und im Stadtrat konzentrieren. Als er 2008 in den Kreistag gewählt wurde, war er noch kein Schulleiter. Der andere Grund wiegt nicht weniger schwer: „Die Arbeit im Kreistag hat inzwischen solch eine Dimension erreicht, dass es mir immer schwerer gefallen ist, guten Gewissens abzustimmen.“ Als Beispiel dafür nennt er das Thema Elblandkliniken. „Bei der Abstimmung über den Vorstand hatte ich mich auch auf die vorgelegten Einschätzungen verlassen und musste ein Vierteljahr später dann auf einmal etwas völlig anderes hören. Da habe ich mich nicht gut gefühlt.“ Die Zeit, sich noch mehr in die Kreistagsarbeit reinzuknien, habe er nicht. „Wenn ich es nicht richtig machen kann, lasse ich es lieber ganz sein“, so Ufert. Zudem seien durch die große Anzahl von Oberbürgermeistern und Bürgermeistern im Kreistag in den vergangenen Jahren viele Dinge schon im Vorfeld abgestimmte worden, „sodass manche Angelegenheiten nur als gefilterte Infos in dem Gremium ankamen. Das hat mir nicht gefallen.“

Dass es Rüdiger Stannek geschafft hat, freut den SPD-Mann. „Er wird die Radeburger Interessen gut vertreten.“ Schade findet Michael Ufert dagegen, dass Andreas Hübler nicht mehr im Kreistag sitzen wird. Der Bärnsdorfer und Christfried Herklotz – beide parteilos – waren 2008 auf der CDU-Liste gewählt worden. Damals waren beide auch noch in der Radeburger Stadtratsfraktion der Christdemokraten. Doch dann wurden die Meinungen in vielen Fragen zu konträr, sodass Hübler, Herklotz und weitere Mitglieder der Fraktion 2009 zur Stadtratswahl schließlich als Unabhängige Liste Radeburg antraten. Für die Kreistagsarbeit der beiden hatte das keine Konsequenzen. Sie waren weiter in der CDU-Fraktion und in verschiedenen Ausschüssen aktiv.

Für die Radeburger CDU kam jetzt indes nicht infrage, die Abtrünnigen erneut auf ihrer Liste für den Kreistag zu nominieren. Andreas Hübler und Christfried Herklotz traten stattdessen für die Freien Wähler an und verfehlten den Einzug. Das gleiche Schicksal ereilte die vier von der CDU nominierten neuen Bewerber.