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Radfahren unmöglich

Ein Waldweg bei Seeligstadt wurde ausgebaut – nicht zum Vorteil aller Nutzer. Auch Bischofswerdaer wundern sich in ihrem Stadtwald.

Von Carolin Menz und Ingolf Reinsch

Thomas Weidner radelt gern mit seiner Familie durch die Massenei. Vor allem jetzt, da es mit der wiederaufgebauten Waldschule am Kleinen Stern wieder ein schönes Ziel gibt. Doch Radeln auf dem Weg dorthin ist unmöglich. Das ärgert Thomas Weidner. „Auf dem Weg zwischen Kleiner und Großer Stern wurde grober Schotter beziehungsweise Splitt aufgebracht. Mal schnell von Großröhrsdorf zum Bahnhof Großharthau mit dem Rad oder eine Runde mit den Kindern – das kann ich jetzt vergessen“, schreibt er an die SZ. Der Weg müsse größtenteils zu Fuß zurückgelegt werden. Thomas Weidner hätte über das Jahr beobachten können, dass der Weg arg in Mitleidenschaft gezogen wurde – wohl durch Baumfällarbeiten und Abtransport. „Lange Zeit wurden Schäden nicht gleich repariert.“ Und nun kam Schotter. „Es ist wohl die schnellste und billigste Lösung, den Weg wieder in Ordnung zu bringen – zumindest für Wanderer und Autos“, so Thomas Weidner. Radler aber versinken im Schotter. Vorwärtskommen unmöglich.

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Der Sachsenforst weiß um den radelunfreundlichen Waldweg in Richtung Kleiner Stern, wie der zuständige Revierförster Ralf Schulze auf Anfrage sagt. „Der Schotter war ein Versuch, den Weg dauerhaft in gutem Zustand zu haben. Doch er ist gescheitert.“ Getestet werden sollte, wie sich eine bestimmte Mischung von grobkörnigem bis sehr feinem Material unter Belastung verhält. Fest steht aber nun, dass die gewählte Mischung nicht optimal war. Auf einer Länge von rund 200 Metern hat sich der aufgebrachte Schotter nicht mit dem Wegeuntergrund verbunden. „Der Weg hätte idealerweise gebaut werden sollen, als der Untergrund feucht war. Doch zum Bau war es trocken“, so Ralf Schulze. Und genau das verhinderte eine Verbindung von Weg und Untergrund.

Grund für das Aufschütten des Schotters war der miserable Zustand des Weges. Öfter als gewöhnlich waren schwere Maschinen über ihn hinweg gefahren – für den regulären Holztransport und um Folgen des dramatischen Schneebruchs am Jahresbeginn zu beheben, sagt Ralf Schulze. Stark dezimiert sei die Massenei deshalb. Allein durch Naturereignisse wie Nassschnee wurden in den letzten beiden Jahren 15 000 Festmeter Holz abtransportiert. In dieser Saison entstanden durch schwere Maschinen gleich mehrfach starke Schäden am Weg. Resultat war mehr Matsch als Weg – Ursache sind die speziellen Gegebenheiten hier. „Der Waldboden im größten Teil der Massenei ist durch starke Lehmauflage staunass und wechselfeucht. Bei starken Niederschlägen kann Regenwasser nicht in die darunter liegenden Erdschichten ablaufen. Bei Trockenheit wiederum kann kein Wasser von unten nach oben aufsteigen und die Bäume haben Durst“, sagt Sachsenforst-Sprecherin Anke Findeisen. „Die Voraussetzungen haben Auswirkungen auf den Wegebau.“

Wegebau ist eine Wissenschaft für sich und die Anforderungen sind hoch: Über das ganze Jahr hinweg muss der Weg stabil sein, schließlich darf er ganzjährig für die Holzabfuhr befahren werden. Gerade in der Massenei mit ihren schwierigen Bedingungen muss das Mischungsverhältnis stimmen von Frostschutz, grobem Schotter für die Grundstabilität und feinerem zum Auffüllen der Zwischenräume. Im konkreten Fall klappt es nicht. Doch wenn Frost und Nässe überstanden sind, werde der Weg wieder so hergestellt, dass er von Radlern und Fußgängern bequem genutzt werden kann, sagt Anke Findeisen vom Sachsenforst. Bis dahin könnten Radler die Wege Lichtleitung, B-Flügel und Lange Linie befahren.

Es ist licht geworden am Butterberg

In Bischofswerda wundern sich Waldbesucher über die in diesem Jahr ausgebauten Wege im Stadtwald und am Butterberg. Dort sei es licht geworden, heißt es.

Die Stadt Bischofswerda, der 320 Hektar Wald gehören, ließ in diesem Jahr den Amselweg zwischen der Stadt und Kynitzsch sowie die „Bischofslinie“, einen Weg am Südhang des Butterberges, so ausbauen, dass dort jetzt 40-Tonner für die Holzabfuhr fahren können. Die Wege erhielten einen Unterbau und eine Deckschicht aus einem Mineralgemisch. Die Randbereiche wurden befestigt und Gräben gezogen, durch die das Regenwasser abgeleitet wird. Sebastian Pietsch, in der Stadtverwaltung für den Wald zuständig: „Dieser Ausbaugrad war eine Voraussetzung für die Förderung. Aus unserer Sicht macht das auch bautechnisch Sinn.“

Links und rechts beider Wege wurden Bäume gefällt bzw. stattliche Kronen weit zurückgeschnitten. Die Stadt reagierte damit auf Erfahrungen, die sie zuvor am Sandweg – dieser verbindet die Straße nach Schmölln mit Kynitzsch – gemacht hatte. Dort hatte Regenwasser von überhängenden Ästen zu Ausspülungen geführt, so dass dieser Weg 2012 nach nur sechs Jahren ein zweites Mal saniert werden musste. Bischofswerda investierte in diesem Jahr 150 000 Euro in den Ausbau von Waldwegen, wobei 80 Prozent gefördert wurden.

Sowohl Amselweg als auch Bischofslinie sind Haupterschließungswege, sagt Sebastian Pietsch. Vor allem über diese Wege wird das Holz abgefahren. Revierförster Michael Bayer: „Wir haben gute Zuwächse, bedingt durch die reichen Niederschläge und die höheren Temperaturen.“ 2 300 Festmeter Holz hat die Stadt in diesem Jahr in ihrem Forst geschlagen. In den folgenden Jahren wird es die gleiche Menge sein. Grundlage dafür ist ein Zehnjahresplan, Forsteinrichtung genannt. Für die Stadt ist der Wald ein Wirtschaftsfaktor. Die Erlöse aus dem Holzverkauf werden zum Jahresende voraussichtlich bei 150 000 Euro liegen. „Durch eine stabile Absatzlage beim Langholzabschnitt, verbunden mit einem guten Holzpreis, konnten die ursprünglich geplanten Erlöse von 131 000 Euro überschritten werden“, sagt Sebastian Pietsch. Der Ausbau weiterer Hauptwege ist nicht vorgesehen. Allerdings plant die Stadt in den nächsten Jahren, einige Nebenwege mit Mineralgemisch zu befestigen.