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Promi-Alarm in Rammenau

Seit vielen Jahren lockt der kleine Ort Schauspieler, Sänger und Sportler an. Für einen Fernsehstar gab es sogar Lokalverbot.

Prominente Gäste: Schauspielerin Barbara Wussow, DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn und Russlands Präsident Wladimir Putin (v.l.) sind nur einige der bekannten Gesichter, die schon in Rammenau zu Besuch waren.
Prominente Gäste: Schauspielerin Barbara Wussow, DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn und Russlands Präsident Wladimir Putin (v.l.) sind nur einige der bekannten Gesichter, die schon in Rammenau zu Besuch waren. © dpa/Henning Kaiser, dpa/Katrin M

Rammenau. So bekannt wie die Filmstadt Görlitz ist Rammenau nicht. Doch in dem kleinen Dorf wurde immerhin auch etwa ein halbes Dutzend Filme gedreht. 1972 stand Defa-Star Dean Reed für den Kinofilm "Aus dem Leben eines Taugenichts" in Rammenau vor der Kamera. "Im Saal des Erbgerichts befand sich damals die Künstlergarderobe. Klar waren wir gucken, ob wir einen der bekannten Schauspieler sehen",  erzählt eine Rammenauerin, als sie ihren Besuch durch die neue Ausstellung im "Alten Gefängnis" führt. 

Rammenau war auch Kulisse für  den 1964 gedrehten Fernseh-Vierteiler  "Wolf unter Wölfen" und zehn Jahre später für den "Polizeiruf 110". Auch nach der Wende wurden Filmemacher auf den Ort aufmerksam. Mit ihnen kamen die Stars, die man sonst nur vom Fernsehen kennt. Zum Beispiel die Schauspieler Barbara Wussow und Christian Kohlund. Beide drehten im Barockschloss für "Der Zauber des Rosengartens" (1999) und "Das Geheimnis des Rosengartens" (2000).  

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Putin im Cafe "Drushba" und in der "Wartburg"

Der Bischofswerdaer Unternehmer Holger Scheumann, der aufs engste mit Rammenau verbunden ist, hat die Sonderausstellung "Zur Geschichte Rammenauer Gasthäuser und prominente Besucher" vorbereitet und dafür akribisch recherchiert. Mehr als 20 Gaststätten lassen sich im Laufe der Jahrhunderte im Ort nachweisen. Vier Gaststätten hatten einen Tanzsaal, fünf eine Kegelbahn, eine sogar einen Schießstand. 

Das 1.500 Einwohner zählende Dorf scheint Prominenz förmlich anzuziehen. Prominenz, die natürlich auch in den Gaststätten einkehrte. Ein "Flaggschiff" vor allem für betuchte Besucher von außerhalb  war und ist dabei das Barockschloss mit seiner Gastronomie. 

DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn, die Opernsänger  Theo Adam und Peter Schreier, Star-Dirigent Kurt Masur  sowie Schauspieler Willi Schwabe, bekannt geworden vor allem durch seine legendäre Fernsehsendung zur Filmgeschichte "Willi Schwabes Rumpelkammer",  waren dort zu Gast. Auch Opernsänger Reiner Süß, der in der DDR am Sonnabendabend zur besten Fernsehzeit  die Show  "Da liegt Musike drin" moderierte. Doch in Rammenau muss der Sänger mit der tiefen Stimme und der auffälligen, dunklen Brille  wohl mal über die Stränge geschlagen haben, berichten Zeitzeugen.  Wegen "ungebührlichen Verhaltens" habe Reiner Süß Verbot im Schlossrestaurant bekommen, liest man in der Ausstellung an einer der Schautafeln. 

Doch es sind auch die kleineren Gaststätten, die prominenten Besuch hatten. So war Russlands jetziger Präsident Wladimir Putin in den 1980er-Jahren, damals Agent des sowjetischen Geheimdienstes in Dresden, wiederholt in der "Wartburg", im unscheinbaren Cafe "Drushba" und im Gasthaus  "Zum Waldesgrün" im Rammenauer Ortsteil Röderbrunn zu Gast. Meist kam er am Abend halb in Uniform, halb in Zivil in den Ort. In Rammenau traf er andere sowjetische Offiziere, die in Bischofswerda, Königsbrück oder Dresden stationiert waren.   

Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, jetzt Präsident des Bundestages, kam im Jahr 2009 zu einem Forum mit Bürgern ins Erbericht. Dort traten auch allerhand Volksmusikstars und -sternchen auf, zum Beispiel Schlagerbarde Achim Mentzel.  Auch das  Schauorchester Ungelenk rockte den Saal. 

DDR-Fußballnationalmannschaft im Fichte-Stadion

Dank des Fitnesstudios Sport-Live und dessen Gastronomie traten in den Jahren 2006 bis 2013 die Rockgruppen City, die Puhdys und Karat auf. Dafür wurde die Tennishalle leer geräumt. 

Und auch für  bekannte Fußballer war Rammenau stets eine gute Adresse. So erinnert die Ausstellung  an den im vergangenen Jahr verstorbenen Ex-Dynamo und DDR-Nationalspieler Siegmar Wätzlich und dessen Kontakte. Er holte nicht nur jedes Jahr  Spieler und Trainer von Dynamo Dresden in seinen Heimatort und in die familiengeführte Gaststätte Wätzlich. Als 1980  das Rammenauer Fichte-Stadion eingeweiht wurde, war die gesamte DDR-Nationalmannschaft im Festzelt dabei.  

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr im "Alten Gefängnis" an der Fichtestraße, nur wenige Meter vom Dorfplatz entfernt,  zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Gemeinde bittet stattdessen um eine Spende zum Erhalt der Kulturstätten im Ort. 

Eine weitere Ausstellung, die ebenfalls täglich bis Ende Oktober geöffnet ist, kann man in der "Alten Schmiede" am Dorfplatz besichtigen. Unter dem Titel "Food - der Mensch ist, was er isst"  stellen dort Mitglieder des  Fotoclubs "Kontrast" aus Bischofswerda aus. 

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