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Rare Rentner-Rabatte

Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – doch die Zahl der wohlhabenden Senioren sinkt.

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Von Anja Beutler

Kleinere Schnitzel und Heilbutt-Filets, weniger Pasta oder einen kleineren Salat – im Eibauer Brauhaus im Faktorenhof ist das, was man landläufig einen „Seniorenteller“ nennt, selbstverständlich. Bei einem Großteil der Speisekarte ist es möglich, eine reduzierte Portion zu bestellen – eine Roulade, eine Haxe oder eine Forelle lässt sich freilich nicht teilen“, betont Inhaber Martin Weise. „Die kleineren Portionen werden nachgefragt, vor allem von älteren Damen, seltener auch von Herren“, weiß er. Allerdings gelte das Angebot selbstverständlich auch für jüngere Gäste mit kleinerem Appetit, betont Weise.

Rabatte für die Älteren in der Gesellschaft, die mit ihrer Rente nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben wie früher – das ist etwas, was lange gang und gäbe war. In den vergangenen Jahren hat sich das Angebot aber deutlich ausgedünnt, wie eine SZ-Umfrage zeigt. Größere Bedeutung hat dergleichen tatsächlich bei speziellen Angeboten in der Gastronomie – auch wenn nicht alle „Seniorenteller“ dazu sagen und dies nur den Älteren anbieten. Im Gütchen in Mittelherwigsdorf gibt es ebenso kleinere Portionen wie im Restaurant Hainberg in Ebersbach oder auch im Alten Sack im Zittauer Salzhaus. Im Steak Inn in Neusalza-Spremberg ist es zwar beim Fleisch kaum machbar, kleinere Portionen zu servieren. „Aber wir bieten an, die Beilagen als halbe Portion zu wählen“, sagt Hotel- und Restaurantmanager Kay Rodestock.

Auch, wenn der Aufwand für den Koch in der Küche genauso hoch ist wie bei einer normalen Portion, gewähren viele Gaststätten für die weniger großen Mahlzeiten Rabatte von 20 bis 25 Prozent. Dabei spielt vor allem der Faktor, dass sich der Gast wohlfühlen soll, eine große Rolle. Und gerade der älteren Generation sei der Gedanke, viel wegschmeißen zu müssen, unangenehm, betont Peter Besser vom Alten Sack in Zittau: „Wir wollen nicht so viel wegschmeißen – und viele der älteren Kunden mögen das auch nicht“, sagt er. Einen Rentenausweis muss in den Gaststätten freilich keiner vorweisen. Im Gegenteil: Auch Jüngere können kleinere Portionen bestellen.

Vergünstigung für Reisefreudige

Einen Nachweis für das Alter oder das Rentnerdasein sollte man in anderen Fällen freilich dabei haben, wenn man sparen will: Für eine Seniorenmonatskarte für Bus und Bahn im gesamten Gebiet des ZVON muss man mindestens 63 Jahre alt sein, bestätigt Sandra Trebesius, die Sprecherin des Verkehrs-Zweckverbandes Oberlausitz-Niederschlesien. Wer dann häufig weitere Strecken über mehrere Tarifzonen zurücklegt, für den lohnt sich eine solche Karte: 42 Euro zahlen Senioren im Monat. Wenn sie ein Abonnement abschließen, sogar nur 34 Euro. Wöllte man die gleiche Flexibilität mit Bus, Bahn und Straßenbahn zwischen Zittau und Weißwasser über den Normaltarif kaufen, müsste man 176 oder im Abo 141 Euro zahlen. „Wir wissen, dass viele Senioren ein unkompliziertes Angebot wünschen“, erklärt die Sprecherin. Mit diesem Seniorenticket hat man den Geschmack getroffen – es ist begehrt. Auch die Jahreskarte für Senioren für 388 Euro, die seit 2015 angeboten wird, komme an. Einzelfahrten mit Seniorentarif oder andere Vergünstigungen speziell für die Altersgruppe gibt es hingegen nicht.

Fortbewegung im Wasser steht bei Senioren ebenfalls hoch im Kurs. Allerdings sind hier Seniorentarife eher die Ausnahme: Das Obercunnersdorfer Bad hat dergleichen nicht parat, auch die Schwimmhalle in Hirschfelde nicht. Das Trixi-Bad in Großschönau bietet hingegen immer montags eine Ermäßigung. Statt elf Euro zahlen die Rentner dann 8,80 Euro. „Das wird gern genutzt, da montags keine Schulklassen im Bad sind und die Senioren mehr Ruhe haben“, erklärt Steffi Richter von Trixi. Sie beobachtet oft, dass sich an diesem Tag die älteren Schwimmer gezielt verabreden.

In Freibädern ist ein Seniorenrabatt hingegen kaum anzutreffen, zumal die Preise meist auch nicht so hoch sind. Das Löbauer Herrmannbad kennt dergleichen jedenfalls nicht. Allerdings sind die Badbetreiber oft bereit, auch Großeltern mit Enkeln die Familienkarte zu gewähren. Sportlich sind Senioren inzwischen auch gern in Fitnessstudios unterwegs. Aber auch hier zeigte der Vergleich im Süden des Kreises: Es gibt zwar Kurse, die auf bestimmte Altersgruppen zugeschnitten sind – ein Seniorenrabatt ist aber nicht Usus.

Kultur genießen – dazu nehmen sich viele im Ruhestand Zeit. Und sie finden hier durchaus auf ihren Geschmack zugeschnittene Angebote. Mit besonderen Preisen sind sie nur selten verbunden. Da ist der neue Weg, den der Zittauer Filmpalast seit 2015 geht, eine Ausnahme: Hier bekommen Rentner mit entsprechendem Ausweis die gleiche Ermäßigung wie Schüler und Studenten. „Das wird gern angenommen“, weiß Studentin Claudia Koch, die an der Kinokasse jobbt. Und auch wenn das Kino einmal im Monat zum Seniorenkino mit Kaffee und Kuchen einlädt, lassen sich die Senioren gern locken.

Keine Sonderrolle am Theater

Das Gerhart-Hauptmann-Theater verzichtet indes seit einiger Zeit auf Seniorenpreise. Viele Ältere bedauern das durchaus, bestätigt der Kreisseniorenratsvorsitzende Jochen Tempel. Er beobachtet generell, dass Preissenkungen für Ältere seltener werden. „Das wird in den kommenden Jahren bei einem Anstieg der Altersarmut ein größeres Thema sein“, vermutet er. Wer finanziell nicht so leistungsstark ist und eine Aufstockung vom Amt erhält, kann freilich auch jetzt schon als Rentner Möglichkeiten nutzen, um vergünstigt ins Theater zu gehen. Zudem gebe es die Familienvorstellungen, wo die Karte zehn Euro koste, betont Sprecherin Sophie Brückner. Generell mache das Theater lieber inhaltliche oder zeitliche Angebote, die Senioren zusagen: So werden Aufführungen am Sonntag um 15 Uhr eben nach wie vor gern von Älteren genutzt.Auf ein Wort