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Rasenmähen im Rollstuhl

Der querschnittsgelähmte Ausdauerweltrekordler Lars Hoffmanna half bei einer Technik-Idee für den heimischen Garten.

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Von Catharina Karlshaus

Bis zur Selbstständigkeit sind es nur wenige Handgriffe. Die blitzende Stange aus Edelstahl lässt sich leicht mit der Vorrichtung am Rollstuhl befestigen. Es macht Klick und schon sind das Gefährt und der knallgelbe Multikon-Rasenmäher miteinander verbunden. Lars Hoffmann startet den Großenhainer Alleskönner und lässt sich gewissermaßen von dem 45-Kilogramm schweren Gerät in seinen Garten ziehen. Der Handbiker, der erst am vergangenen Wochenende in Polen beim European Handbike Circuit den ersten Rang belegte und ab heute bei den Deutschen Meisterschaften in Köln um einen vordersten Platz kämpft, mäht an diesem Tag nun erstmal Rasen. Ohne Probleme steuert er das mehrfach prämierte Teil aus dem Hause Freudemann in jeden Winkel des prächtig zugewachsenen Areals. „Bisher habe ich für eine solche Aktion den ganzen Tag gebraucht. Jetzt ist das Mähen in einer Stunde erledigt und ich brauche keinerlei Hilfe von meiner Familie in Anspruch zu nehmen. Meine Frau kommt nach Hause und der Garten ist schick“, sagt Lars Hoffmann und lacht.

Lars Hoffmann kann dank dem Multikon-Rasenmäher nun seinen Garten allein mähen. Gemeinsam mit der Großenhainer Firma hat der querschnittsgelähmte Kfz-Meister ein Zusatzgerät entwickelt, welches an einen Rollstuhl angekoppelt werden kann. Nach der weiteren
Lars Hoffmann kann dank dem Multikon-Rasenmäher nun seinen Garten allein mähen. Gemeinsam mit der Großenhainer Firma hat der querschnittsgelähmte Kfz-Meister ein Zusatzgerät entwickelt, welches an einen Rollstuhl angekoppelt werden kann. Nach der weiteren © Anne Hübschmann

Der 46-Jährige ist seit einem Unfall vor elf Jahren von den Brustwirbeln abwärts gelähmt. Mit dem Motorrad, einem Shopper, war er damals unterwegs gewesen. Nein, schnell gefahren sei er an jenem Tag nicht, aber trotzdem von der Straße abgekommen. Ein verhängnisvoller Moment, der das Leben des Kraftfahrzeugmeisters für immer verändern sollte. Der Meißner zog nach Weinböhla in ein behindertengerechtes Haus und entdeckte das Handbiken für sich. Was im Herbst 2008 mit einer Therapie gegen seine Rückenbeschwerden beginnt, wurde plötzlich zur Leidenschaft. Mittlerweile ist Lars Hoffmann nicht nur Ausdauerweltrekordler, sondern auch deutscher Vizemeister, der 2016 in Rio de Janeiro gern bei den paraolympischen Sommerspielen starten will. Dafür trainiert der Botschafter von Wings for Life – einer Stiftung für Rückenmarksforschung – täglich mindestens zwei Stunden. Aber eben nicht nur. Auch wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, schraubt und werkelt er nach wie vor gern an seinen Gefährten. Ganz logisch also, dass er im Gespräch mit seinem Freund, Multikon-Geschäftsführer Mike Freudemann, irgendwann auch auf dessen vielseitigen Rasenflitzer zu sprechen kam. „Irgendwann ist dabei die Idee entstanden, eine Vorrichtung zu konstruieren, die eine Nutzung des Multikon für Rollstuhlfahrer möglich macht“, so Freudemann. Bereits auf der Fachmesse in München haben die „Anhängekupplung für den Rollstuhl“ und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten im März für beträchtliche Aufmerksamkeit gesorgt. „Denn wer einmal unser Grundgerät besitzt, ist mit den Zusatzteilen in der Lage, als Rollstuhlfahrer auch Schnee zu räumen oder die Straße zu kehren“, erklärt der Multikon-Chef.

Praktisch für die Röderstädter Tüftler, welche in den vergangenen zwei Jahren 120 Grundgeräte mit gut 350 Anbaugeräten verkauft haben: Lars Hoffmann mäht nicht nur seinen Rasen, sondern denkt bei der Erprobung des Multikon ständig über Verbesserungen nach. „In dem Moment, wo der Rollstuhl angekoppelt wird, werden die Vorderräder des Rollstuhles einfach ausgehoben. Jetzt müssen wir noch schauen, wie das auf glatter Oberfläche im Winter möglich ist“, verrät Lars Hoffmann. Während sich der sympathische Sportler heute auf die Deutschen Meisterschaften konzentriert, tüftelt das Team von Mike Freudemann schon wieder an weiteren Optimierungen um den kleinen gelben Alleskönner. „Lars hat mir mit auf den Weg gegeben, dass wir noch ein bisschen am Wenderadius arbeiten müssen, um diesen so klein wie möglich zu halten. Und das tun wir natürlich.“ Herumgesprochen hat sich die neueste Entwicklung der Großenhainer jedenfalls schon. Der Landkreis Meißen schlug das Familienunternehmen jetzt für den Inklusionspreis 2015 vor.