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Rasoma lässt Eisenbahnräder schweben

Die Döbelner Firma hat ihr bisher größtes Flächenportal gebaut. Es bedient Drehmaschinen in Italien und hilft dem Maschinenbauer durch eine Durststrecke.

Robert Wallrabe von der Projektleitung und Silvio Müller, verantwortlich für die Software, stehen vor dem Roboter, der die bearbeiteten Räder in Paletten einsortiert.
Robert Wallrabe von der Projektleitung und Silvio Müller, verantwortlich für die Software, stehen vor dem Roboter, der die bearbeiteten Räder in Paletten einsortiert. © Jens Hoyer

Döbeln. Vor vier Jahren war der Döbelner Werkzeugmaschinenbauer Rasoma vom Chemnitzer Maschinenbaukonzern Niles-Simmons-Hegenscheidt (NSH-Group) übernommen worden. Ein großer Vorteil, wie sich jetzt herausstellt. Denn durch die Zugehörigkeit zum großen Firmenverbund hat Rasoma auch in schlechteren Zeiten Arbeit.

Neue Dimensionen

In der großen Montagehalle steht ein sogenanntes Flächenportal, das kurz vor der Auslieferung steht. „Solche Automatisierungslösungen bauen wir schon länger. Aber nicht in der Größenordnung“, sagte Geschäftsführer Marcus Kamm. 

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Die technische Anlage wird einmal 60 Meter lang sein. Die Größe der Montagehalle reicht gerade aus, um das halbe Flächenportal aufzubauen. Mit einer Maximalhöhe von reichlich acht Metern passt es gerade unters Dach.

Kettenförderer und Greifer werden einmal computergesteuert mächtige Eisenbahnräder bewegen. Durchmesser: zwischen 66 und 136 Zentimetern. Gewicht: 600 Kilo bis 1,1 Tonnen. 

Die geschmiedeten und gewalzten Rohlinge aus massivem Stahl werden in Drehmaschinen bearbeitet. Sie werden vermessen, auf Härte und Haltbarkeit geprüft – vollautomatisch und auch gerne alle Größen durcheinander.

Die schweren Rohlinge der Eisenbahnräder werden vom Greifer gefasst und zu den Drehmaschinen und Prüfanlagen befördert.
Die schweren Rohlinge der Eisenbahnräder werden vom Greifer gefasst und zu den Drehmaschinen und Prüfanlagen befördert. © Jens Hoyer

Ein Roboter sortiert die Räder am Ende der Fertigungslinie auf Paletten. Dieser stammt allerdings nicht von Rasoma. „Das ist der größte Roboter, den die Firma Kuka anbietet“, sagt Robert Wallrabe, der die Projektleitung inne hat. Auch die enormen Mengen an Drehspänen müssen abtransportiert werden. 

Alle acht Minuten wird ein komplett bearbeitetes und geprüftes Rad die Anlage verlassen. Bis zu 80.000 Stück im Jahr.

Die Arbeiten an der Anlage sind fast abgeschlossen. In dieser Woche arbeiteten die Mitarbeiter an der Programmierung der Steuerung. Diese Ressourcen hatte Rasoma in den vergangenen Jahren aufgebaut. „Vonseiten der Software ist die Anlage High End“, sagte Kamm.

Drehmaschinen von NSH

Das Flächenportal wird später acht Drehmaschinen beschicken. Erst einmal werden aber nur vier davon aufgestellt, sagte Wallrabe. Die Drehmaschinen liefert eine andere Firma aus der NSH-Group.

Das Flächenportal wird in den nächsten Wochen in Einzelteilen – es werden 22 Lkw-Ladungen – in das Werk in die Nähe von Bergamo in Italien gebracht und dort von den Mitarbeitern aufgebaut. „Bis Ende November muss es stehen“, sagte der Geschäftsführer. Die Terminvorgaben seien sehr strikt. 

Vor etwa eineinhalb Jahren hatten die Vorbereitungen und Planungen begonnen. Für Rasoma ist das Flächenportal eine „Hausnummer“. Rund 3,5 Millionen Euro werden damit umgesetzt, so Marcus Kamm. Der Geschäftsführer hofft noch auf einen Nachfolgeauftrag des Herstellers für die NSH-Group. Eine Fertigungslinie für Achsen sei in Aussicht.

Aufträge für Russland

Vor dem Auftrag aus Italien hatte Rasoma schon kleinere Flächenportale gebaut, die an Firmen der Bahnindustrie in der Ukraine und Russland gegangen waren. „Die Aufträge für weitere drei Anlagen für Russland sind im Hause“, sagte Kamm. 

Mit jedem Auftrag gewinnt die Firma Erfahrungen. „Viele Details sind jetzt schon besser gelöst als an den anderen Anlagen. Das ist eine Leistung, auf die unsere Jungs stolz sein können“, sagte Kamm.

Die Fertigung für die Eisenbahnbranche hilft Rasoma durch das Auftragstief, das durch Corona entstanden ist. „Von der Autoindustrie kommt gerade nichts“, sagte Kamm. Manche Kunden hätten Investitionen erst einmal zurückgestellt. 

Flaute in der Autoindustrie

Rasoma baut unter anderem Drehmaschinen für Fahrzeugteile. „Es wird noch eine Weile dauern, bis sich das normalisiert“, sagte Kamm. Ein Teil der Belegschaft sei in Kurzarbeit – zwischendurch sogar die Leute aus der Serviceabteilung, die für Reparaturen zuständig sind. „Die kamen wegen Corona nicht in die Firmen rein“, sagte Kamm.

Auch das Geschäft mit Russland sei derzeit schwierig. Nicht nur wegen der Wirtschaftssanktionen, sondern auch wegen der Abwertung des Rubels, sagte Kamm. Der Rubel sei innerhalb von drei Monaten vom Kurs von 1:60 auf 1:90 gesunken. „Den Auftraggebern wird das Geld knapp.“

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