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Rathaus Liebstadt weiterhin ohne Internet

Andere Kommunen suchen nach Lösungen für ein schnelleres Internet. So weit ist Liebstadt noch lange nicht. Denn hier hat das Rathaus noch nicht einmal ein langsames Internet. „Ich habe derzeit andere...

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Von Heike Sabel

Andere Kommunen suchen nach Lösungen für ein schnelleres Internet. So weit ist Liebstadt noch lange nicht. Denn hier hat das Rathaus noch nicht einmal ein langsames Internet. „Ich habe derzeit andere Probleme, das Internet steht auf der Prioritätenliste nicht ganz oben“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Linke). Das mag man ihm angesichts seines löchrigen Haushaltes und der strengen Auflagen des Kreises gern glauben. Doch Retzler will noch in diesem Jahr eine Internet-Lösung präsentieren, kündigt er an. Es sei schon notwendig, räumt er ein. Er macht aber keinen Hehl daraus, „dass uns das auch nicht retten wird.“

Der Internetanschluss ist aber nur der erste Schritt. Der nächste ist eine Seite im weltweiten Netz. Die gehört einfach dazu, ist sie doch eine Visitenkarte. „Und da haben wir auch eine Menge drauf zu setzen“, sagt Retzler. Doch bevor es so weit ist, braucht die Seite erst einmal einen Namen.

Den kann man sich reservieren lassen, auch ohne dass man die Seite schon gestaltet und ins Netz stellt. So machte es zum Beispiel Heidenau. Die Stadt beantragte und bekam bereits 1998 www.heidenau.de. Erst zwei Jahre später stellte sie ihre Seite ins Netz.

Suche nach neuem Namen

Liebstadt.de hat sich ein Münchner Professor schon vor vielen Jahren gesichert. Er würde sie Liebstadt ohne Probleme überlassen, signalisierte er zu Jahresbeginn. Retzler aber hält nichts von Verträgen mit Privaten und dazu noch Fremden, sagte er. Er habe sich dazu mit Bad Gottleuba-Berggießhübel als dem Partner in der Verwaltungsgemeinschaft abgestimmt und die habe ihm davon abgeraten.

Das Landratsamt hingegen hat grundsätzlich keine Bedenken gegen eine Vereinbarung zum Inhaberwechsel einer Domain, wie man die Adresse auch nennt. Im Gegenteil: Thomas Obst, Chef der Kommunalaufsicht, räumt Liebstadt sogar die Möglichkeit ein, sich auf dem Rechtsweg www.liebstadt.de zu erstreiten. Schließlich habe die Stadt das sogenannte „bessere Recht“. Doch so weit soll es nicht kommen. Retzler will nämlich nicht auf den Münchner angewiesen sein, lässt er durchblicken. „Da suchen wir uns eben einen neuen Namen, zum Beispiel www.stadt-liebstadt.de“, sagt Retzler. Am Namen werde es letztlich auch nicht scheitern, wenngleich Retzler dem technischen Fortschritt nach wie vor skeptisch gegenüber steht. Doch zumindest Stadtrat Paul Bolle wird auch weiterhin keine Sitzung auslassen, um nach dem aktuellen Stand in Sachen Internet fragen.

Der Münchner Professor habe versucht zu helfen, will sich nun nicht mehr äußern. Offensichtlich ist er vom Liebstädter Desinteresse enttäuscht. Er wollte der Stadt keine Steine in den Weg legen, hatte aber etwas Initiative erwartet.

Von den vier sächsischen Kommunen, die im Januar noch ohne Internetseite waren, ist inzwischen Limbach im Netz. Nun teilen nur noch Nauwalde und Weißig am Raschütz Liebstadts Schicksal.