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Ratlosigkeit am Karpfenteich

Trockenheit. Nicht nur die Ernte auf den Feldern, sondern auch im Wasser ist in diesem dürren Sommer bedroht. Kommt kein Regen, wird schon bald notgefischt.

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Von Ina Förster

Man muss kein Wetterfrosch sein, um zu sehen, dass hier auch in den nächsten Tagen kein Regen in Sicht ist“, meint Uwe Bräuer von der gleichnamigen Teichwirtschaft in Weißig und kratzt sich etwas hilflos am Kopf. Und zeigt auf den Neuteich bei Biehla. Dort, wo ehemals Wasser war, ist schon seit Tagen keines mehr. Sumpfig sieht das Gelände aus, ein paar Kiebitze suchen eifrig nach Futter im Morast und nutzen die Gunst der Stunde. Graugänse stehen nur bis zum Bauch im Wasser, schwimmen geht erst weiter in der Mitte.

Hälfte des Wassers verdunstet

„Wir hatten seit Ende Mai kaum noch Wasser von oben. Die Gewitter ziehen immer nur vorbei. Die meisten unserer 40 Teiche haben mehr als die Hälfte an Wasser verloren. Verdunstet, ausgetrocknet eben“, erklärt der Senior. Das ergibt langsam aber sicher akuten Sauerstoffmangel für die Fische. Trüb und schlammig sieht das Wasser an manchen Stellen aus. Machen könne man da aber nicht viel. Nur die schwere Belüftungstechnik rausholen. „In unseren wichtigsten Teichen mit den Jungfischen zum Beispiel laufen die Pumpen seit Tagen, meistens in der Nacht.“ Da fehlt es am dringlichsten an der Luft. Scheint am Tag nämlich die Sonne, wird durch die Assimilation der Wasserpflanzen immer noch genügend Sauerstoff gebildet.

Pumpen sollen es rausreißen

Im Dunkeln stehen die Karten schlechter. „Oft sieht man deshalb ganz früh am Morgen die Misere am besten. Da schalten wir dann die künstliche Luftzufuhr an, aber das kostet eben viel Strom. Und vor allem an den großen Teichen bringt so eine einzelne Pumpe gar nichts“, weiß Bräuer. „Noch ein paar Tage ohne Regen und wir müssen notfischen.“ Es scheint, als hat sich die Familie irgendwie schon darauf eingestellt. Der Wetterbericht klingt viel zu gut.

Jeden Tag könnten die ersten Tiere verenden. So ein stehendes Gewässer kippt rasend schnell. „Wir verfügen nicht über Vorfluter, wo wir frisches Wasser einlassen könnten. Über Nacht kann es also zu spät sein. „Anderen Teichwirtschaften in der Nähe geht es ebenso“, erzählt der 69-Jährige. Erst am Vormittag war er in Zeisholz bei Hagen Haedicke und fachsimpelte mit den Kollegen. Auch in der Teichwirtschaft von Paultheo von Zezschwitz in Deutschbaselitz das selbe Bild: „Der Wasserstand ist um die Hälfte gesunken. Wir bewirtschaften 23 Teiche zwischen Bischofswerda, Kamenz und Deutschbaselitz. Belüftung kommt für uns nicht in Frage, die Energiekosten stehen in keinem wirtschaftlichen Verhältnis“, so Betriebsleiter Christian Petzold. „Unsere Stiefkinder sind die Himmelsteiche in Schmerlitz und Piskowitz. Dort werden wir wahrscheinlich in zwei, drei Tagen notfischen müssen.“ Nach seinen Aussagen ein übler Kraftaufwand.

Hilfe nur noch von ganz oben

Überall bedeutet das nämlich, zusätzliche Saisonkräfte anzuheuern, denn nur zu viert, wie bei Bräuers zum Beispiel, ist so ein Teich nicht schnell genug abgefischt. „Sind die Tiere erst einmal in den Behältern hat man es eilig, damit sie in den nächsten Teich kommen, wo die Wasserqualität etwas besser ist“, erklärt der Weißiger. Und alles kostet Geld – Strom, Arbeitskräfte, die Gerätschaften. Geld, das den Teichwirtschaften keine Versicherung zurückerstattet. Auch vom Staat gibt’s keine Unterstützung.

Für Uwe Bräuer und seine Frau und Chefin Helga steht also eines schon fest: Die Karpfenernte wird in diesem Herbst nicht so üppig ausfallen. „Wir dürfen nicht so viel füttern, die Fische fressen weniger bei der Wärme und die Reste veschlechtern die Wasserqualität zusätzlich. Selbst wenn es jetzt eine Woche regnen würde, könnten sie diesen Rückstand nicht aufholen. Schlechte Sommer in dieser Hinsicht gab es ja schon öfters. Aber wir mussten noch nie so zeitig im Jahr notfischen“, ärgert der Fachmann sich. Doch Jammern nutzt allerdings nichts. „Wir hoffen weiter auf Hilfe von ganz oben.“Auf ein Wort