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Raupen-Angriff im Gewerbegebiet

Statt einer Firma haben sich Insekten niedergelassen. Die Gemeinde hat den ungebetenen Gästen den Kampf angesagt.

Von Marleen Hollenbach

Faszinierend, sagen die einen. Total eklig, die anderen. Die Raupen im Ottendorfer Gewerbegebiet polarisieren. Schon von Weitem kann man die großen Nester erkennen, die hoch oben in den Baumkronen hängen. Wer sich noch einen Schritt weiter traut, der sieht die langen behaarten Insekten auf den Nestern sitzen. Fast fünf Zentimeter sind die Raupen lang. Während einige Ottendorfer die seltenen Tierchen ganz nah sehen wollen, machen derzeit viele Fußgänger lieber einen großen Bogen. Und auch manch Fahrradfahrer hat Angst, ein solches Insekt plötzlich als blinden Passagier dabei zu haben.

Late Night Shopping Dresden
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Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Die Bäume an der Geldroper Straße in Ottendorf sind mit den Nestern der Raupen übersät.
Die Bäume an der Geldroper Straße in Ottendorf sind mit den Nestern der Raupen übersät.
Die kleinen Haare der Raupen sind besonders gefährlich. Fast fünf Zentimeter sind die Raupen lang.
Die kleinen Haare der Raupen sind besonders gefährlich. Fast fünf Zentimeter sind die Raupen lang.

Die Baumallee auf der Geldroper Straße haben sich die Raupen ausgewählt. Hier, inmitten des Ottendorfer Gewerbeparks, scheinen sich die vielen Raupen wohlzufühlen. Noch fressen sie sich satt. Aber spätestens im Juli fallen die Raupen zu Boden und verpuppen sich. Aus den Puppen schlüpfen dann große Nachtfalter, rotbraune, nachtaktive Tiere mit einer Flügelspannweite von 30 bis 35 Millimetern. Wollafter nennen sich die Insekten. Doch so kuschelig das auch klingt, erwünscht sind die Tiere nicht. Im Gewerbegebiet können die Raupen nicht bleiben. Noch bevor sie sich in Falter verwandeln, will die Gemeinde Ottendorf reagieren. „Die Gespinste werden entfernt. Außerdem wurde der Kontakt mit dem Kreisforstamt aufgenommen“, erklärt Robert Haubner von der Gemeindeverwaltung. Zunächst muss sich die Gemeinde einen Überblick darüber verschaffen, wie viele Bäume eigentlich betroffen sind. Das genaue Ausmaß ist der Verwaltung nämlich noch nicht bekannt. Ist das geschehen, dann sollen die Äste zurückgeschnitten und die unliebsamen Tierchen im Anschluss entfernt werden.

Helfen wird das den Bäumen. Die Raupen haben Stämme und Äste stark in Mitleidenschaft gezogen. Einen kleinen Baum hat es besonders schlimm erwischt. Er wurde von den hungrigen Insekten komplett kahlgefressen. Die Entfernung der Tiere ist aber auch für die Ottendorfer gut. Das weiß Gernot Schweitzer vom Landratsamt in Bautzen. Hier gingen zahlreiche Hinweise der Bevölkerung ein. „Zwar ist der Wollafter nicht ganz so gefährlich wie beispielsweise der Goldafter, dennoch kann es zu allergischen Reaktionen kommen“, sagt er. Dies sei dann der Fall, wenn die Härchen der Tiere die Haut des Menschen berühren. Das Landratsamt steht jetzt mit dem Bauhof der Gemeinde in Kontakt, der die Raupen beseitigen wird.

Und dann? Gibt es nach der Entfernung der Nester keine Wollafter im Ottendorfer Gewerbepark mehr. „Sicher kann man da nie sein“, erklärt Robert Haubner von der Gemeindeverwaltung. Schließlich wissen die Mitarbeiter nicht, ob sich die Insekten in den vergangenen Tagen schon ausgebreitet haben. „Durch die Entfernung der Nester kann man aber erreichen, dass die Population in den Folgejahren zumindest etwas eingedämmt wird“, sagt Robert Haubner. Die Ottendorfer müssen also auch in den kommenden Jahren nach den ungebetenen Gästen Ausschau halten.

Der Wollafter ist noch das geringere Übel. Viel schlimmer ist der bekanntere Eichenprozessionsspinner. Der hatte auch in der Region schon für Aufsehen gesorgt. Nicht im Ottendorfer Gewerbegebiet, aber in der Dresdner Heide. Im vergangenen Jahr entfernte der Forstbezirk Dresden 25 Nester der giftigen Raupen. Schon 2012 gab es in der Dresdner Heide die ersten Nester. Anders als der Wollafter hat der Eichenprozessionsspinner richtige Brennhaare, die leicht brechen und durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden können. Bei Berührung kommt es zu Hautausschlägen, Rötungen, leichten Schwellungen und starkem Juckreiz. In diesem Jahr wurde glücklicherweise noch kein Exemplar in der Heide entdeckt. Auch die Ottendorfer hoffen, ihre haarigen Besucher wieder vertreiben zu können.