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Reden ist Silber, Schweigen ist …

über den Verzicht auf den Verzicht

Pfarrer Helmut-Andreas Spengler

Ich faste! Dieser Satz begegnet mir immer wieder in diesen Tagen und Wochen von Aschermittwoch bis Ostern – der Passionszeit, wie wir Christen diese Zeitspanne nennen. Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft verzichten in dieser Zeit bewusst auf etwas Liebgewordenes: Schokolade vielleicht, die Flasche Bier zum Feierabend oder die Portion Fleisch zum Mittag. Vielfältig sind die Möglichkeiten.

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Dieser Verzicht ist salonfähig geworden. Die Kirchen unterstützen das Fasten durch die Aktion „Sieben Wochen ohne“ und geben Anregungen, die Passionszeit im Verzichten bewusst zu gestalten. Neu ist dabei der Verzicht auf den Verzicht. Zum Beispiel hörte ich, dass jemand auf das Nichtschreiben verzichtet. Damit meinte er, an jedem Tag von Aschermittwoch bis Ostern an einen Menschen, an den er gerade denkt, eine Karte zu schreiben. Ein Fasten, das mich beeindruckt.

Allein von diesem einen Menschen erhalten vierzig andere eine handgeschriebene Karte mit einem lieben Gruß – ohne, dass ein Geburtstag oder so ansteht. Einfach so. Wie viel eigene Disziplin ist dazu nötig, und welche Möglichkeit steckt darin, einfach mal so, eine Freude zu verschicken.

Eine weitere Form des Fastens begegnete mir vor einigen Tagen. Jemand sagte, er faste so, dass er nichts Negatives über andere Menschen sagen möchte. Welche Herausforderung. Beim Nachdenken darüber fällt mir auf, wie schnell lässt man sich verleiten und stimmt ein in das Reden über andere. Hast du dieses und jenes von diesem und jenen schon gehört oder gesehen? Unglaublich, das gibt’s doch nicht! Wir merken, welche Macht in unserem Reden steckt, und was wir damit anrichten können. Wie Vieles, oft Negatives, reden wir, ohne es geprüft zu haben. Umso wichtiger ist mir ein Wort aus der Bibel, wo es im Jakobusbrief, 1. Kapitel, Vers 19 heißt: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Dass das nicht von selbst geht, zeigt uns die Praxis. Es ist doch so schön leicht, einfach mitzureden oder gar Kritik zu üben. Das rechte Reden will gelernt sein. Eine vierzigtägige Fastenzeit mit dem Ziel, das rechte Reden zu üben und nicht negativ über andere zu sprechen, ist eine geniale Gelegenheit. Warum nicht jetzt? Vielleicht ist das Schweigen manchmal besser als das übereinander Reden.

Es beginnt sich etwas zu verändern in unserem Umfeld und in unserem Miteinander. Immer dann, wenn wir beginnen miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Auf einem alten Kalenderblatt war Folgendes zu lesen: „Die wahre Quelle der Freudigkeit liegt im allertiefsten Inneren Ihres Herzens. Dort wohnt Gott, die Quelle der wahren Freude. Sie macht Sie – unabhängig von den äußeren Ereignissen – innerlich weit und hell, reich und stark. Wie aber öffnen Sie der Freudigkeit den Weg? Indem Sie Ihr Innerstes mit Gott verbinden und sprechen: ‚Ja, ich will so, wie du willst.‘“

Es kommt also auf unser Herz an und auf unser Verhältnis zu Gott. Das fröhliche und erbauliche miteinander Reden ist gut, hilfreich und förderlich für ein gutes und kommunikatives Miteinander. Schweigen ist besser, sollte es ausufern in ein negatives übereinander Reden. Noch ist die Fastenzeit nicht vorbei. Was hindert eigentlich daran, das negative übereinander Reden zu fasten. Dafür lieber zu schweigen und unser Herz dadurch mit Frieden füllen zu lassen? Also, wenn es um Negatives geht, ist Schweigen doch manchmal Gold.