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Regiobus rüstet für mehr Sicherheit auf

Kamera oder Warnzeichen unterstützen die Fahrer ab sofort beim Abbiegen. Das lässt sich das Unternehmen was kosten.

Die Kamera an der A-Säule des Busses warnt, wenn sich ein Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel des Busses befindet. Michael Tanne, Chef von Regiobus Mittelsachsen, hat schon 35 Busse mit der neuen Technik bestellt.
Die Kamera an der A-Säule des Busses warnt, wenn sich ein Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel des Busses befindet. Michael Tanne, Chef von Regiobus Mittelsachsen, hat schon 35 Busse mit der neuen Technik bestellt. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Das sonnige Wetter lockt immer mehr Radfahrer auf die Straßen. Doch gerade für Bus- und Lasterfahrer können diese zum Problem werden. Vor allem, wenn sie sich im toten Winkel der Fahrzeuge befinden und für den Fahrer für einen Moment unsichtbar sind. Hier besteht klar Unfallgefahr. Um diese zu verringern, investiert die Regiobus Mittelsachsen GmbH in neue Technik, noch bevor diese per Gesetz zur Pflicht wird.

In den neuen Fahrzeugen sind Abbiegeassistenten eingebaut. Mit zwei verschiedenen Systemen werden die Fahrer dabei beim Rechtsabbiegen gewarnt, wenn sich eine Person im toten Winkel befindet. Im vergangenen Jahr hat Regiobus bereits 15 neue Fahrzeuge mit der Technik angeschafft. Für 2020 sind weitere 20 Fahrzeuge geplant. Die ersten neuen Busse rollen seit März durch die Region. Sie werden auf allen Linien eingesetzt, sagt Michael Tanne, der Geschäftsführer von Regiobus.

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In einigen Bussen ist eine Kamera an der Außenseite installiert worden. Deren Aufnahmen sind auf einem Bildschirm zu sehen, der innen an der rechten A-Säule des Busses befestigt ist. Ist der tote Winkel frei, so wird der Bereich auf dem Bildschirm von einem grünen Rahmen umgeben. 

Befindet sich hingegen ein Fußgänger oder Radfahrer in dem Bereich, leuchtet der Rahmen rot auf. Zudem ertönt ein akustisches Warnsignal, wenn der Fahrer nach rechts abbiegen möchte. Das darf er nach Verschärfung der Straßenverkehrsordnung Ende April innerorts ohnehin nur noch in Schrittgeschwindigkeit.

 Das zweite System hat anstelle des Bildschirms an der rechten A-Säule ein Warnlicht in Form eines Dreiecks. Auch dieses leuchtet rot, sobald sich jemand im Gefahrenbereich befindet. Zusätzlich dazu vibriert die rechte Seite des Fahrersitzes.

Die Fahrer hätten bisher positive Erfahrungen mit den Assistenten gemacht, sagt Tanne. Wenngleich die Technik zunächst gewöhnungsbedürftig sei. Auch der Döbelner Betriebsleiter Ivica Borkovic begrüßt die Assistenten. „Das ist eine wirkliche Hilfe“, sagt er und lobt auch die bessere Ausstattung des Fahrerraums und der Sitze in den neuen Bussen. „Regiobus hat schon immer Wert auf eine gute Ausstattung für die Fahrer gelegt“, ergänzt Fachbereichsleiter Verkehr Henning Schmidt.

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Ab 2022 werden die Abbiegeassistenten in neuen Bussen und Lkw europaweit zur Pflicht. Regiobus habe sich bewusst vorher der Herausforderung gestellt und schon jetzt in die ersten Fahrzeuge investiert. Knapp 4,2 Millionen Euro sind 2019 in die 15 Busse 2019 investiert worden, rund sechs Millionen sind es für insgesamt 24 neue Fahrzeuge, darunter auch vier Sprinter, in diesem Jahr.

 Im Schnitt seien 30 Prozent der Kosten gefördert worden, sagt Michael Tanne. Die neuen Busse sind auch am veränderten Design zu erkennen. Die markanten Streifen der Regiobus-Fahrzeuge sind weißer Fläche gewichen. Das hat vor allem pragmatische Gründe: Kleinere Schrammen könnten so leichter ausgebessert werden und die Fläche werde ohnehin oft für Werbung genutzt.

Doch nicht nur die Technik soll für die entsprechende Sicherheit sorgen. Auch die Fahrer selbst absolvieren in regelmäßigen Abständen Fahrsicherheitstrainings. „Wir arbeiten da mit Partnern auf dem Sachsenring zusammen. Dort können die Fahrer auch mal spüren, wie es sich anfühlt, wenn sich ein 18 Tonnen schwerer, beladener Bus querstellt“, sagt Tanne. Mindestens einmal alle fünf Jahre sei ein solches Training für die rund 330 Fahrer, darunter etwa 15 Prozent Frauen, vorgesehen.

Etwa 240 Fahrzeuge gehören derzeit der Flotte von Regiobus an. Sie werden nach und nach eins zu eins ersetzt, sagt der Geschäftsführer. Die ältesten Fahrzeuge im Bestand seien bereits um die 20 Jahre alt und trotzdem notwendig. Denn: „Um Förderung zu erhalten, darf die Flotte nicht jünger als acht Jahre sein“, merkt Michael Tanne an. 

Zusätzlich kommen wird in neuen Fahrzeugen ab 2020 auch eine Brandlöschanlage. „Seit 2012 gibt es bereits Brandmeldeanlagen in den Bussen“, so Tanne. Eine solche hatte das Fahrzeug von Regiobus, das am 20. Mai in Penig ausgebrannt war (sächsische.de berichtete) noch nicht. Das Fahrzeug mit Baujahr 2009 war aufgrund eines technischen Defektes im Motorraum vollständig abgebrannt. 

Fahrer und Fahrgäste konnten sich jedoch rechtzeitig retten. Der Brand war an einer Bushaltestelle in Penig ausgebrochen. Die Vielzahl an Technik, die inzwischen in einem Bus verbaut wird, sieht Tanne auch als Problem. Schließlich stehe in den Bussen nur ein begrenzter Platz zur Verfügung.

Knapp zwölf Millionen Kilometer sind die Fahrzeuge von Regiobus pro Jahr im Landkreis unterwegs. Normalerweise nutzen fast 13,5 Millionen Fahrgäste das Angebot des Verkehrsunternehmens. Doch aufgrund der Corona-Krise ist auch bei Regiobus die Nachfrage stark gesunken.

Und trotz der Lockerungen, die der Freistaat schrittweise genehmigt, ist die normale Fahrgastzahl noch nicht wieder erreicht. Schon allein dadurch, dass noch nicht wieder alle Schüler in den Schulen sind. Die Kinder und Jugendlichen machen jedoch einen Großteil der Fahrgäste aus.

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 Rund 60.000 Euro musste Regiobus für Corona-Schutzmaßnahmen im Unternehmen bisher aufbringen, sagt Michael Tanne. Finanziert worden sind damit unter anderem die Schutzfolien im Fahrerbereich der Busse, Schutzausrüstung für die Fahrer sowie Desinfektionsmittel.

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