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Reif für den Generationenwechsel

Andreas Töppel stellt sich in Neustadt zur Bürgermeisterwahl. Er hat eine Strategie gegen den Einwohnerschwund.

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Von Katarina Gust

Andreas Töppel ist bereit – bereit zu kämpfen. Als Sportler beim SSV Neustadt weiß er, was ein harter Wettstreit bedeutet. Er hat gelernt, zu gewinnen und auch zu verlieren. Gewinnen, das will der 42-Jährige nun erneut. Der Neustädter kandidiert bei der Bürgermeisterwahl am 7. Juni als parteiloser Bewerber. „Ich will Verantwortung übernehmen für meine Heimatstadt“, sagt der Familienvater selbstbewusst. Die Zeit sei dafür reif. Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Manfred Elsner wünscht sich Andreas Töppel einen Generationenwechsel an der Rathausspitze. Und den wünsche sich nicht nur er. Viele Einwohner hätten ihn ermuntert, zu kandidieren. „Diese Mutmacher haben mich in meinem Entschluss gestärkt“, sagt Töppel.

Neue Konzepte fürs Wohngebiet

Neustadt sei für ihn eine Herzensangelegenheit. Eine Stadt, die sich enorm entwickelt habe in den letzten Jahren – auch dank der letzten beiden Bürgermeister. An deren Arbeit will Andreas Töppel anknüpfen. Die größte Herausforderung für die Kommune sieht er im demografischen Wandel. Jedes Jahr verliere Neustadt an die einhundert Einwohner. „Das ist ein gefährlicher Trend“, schätzt Töppel ein. Er sieht sein Aufgabenfeld als möglicher Bürgermeister deshalb darin, Zuzügler nach Neustadt zu locken. Genügend Bauland gäbe es, in der Stadt und den einzelnen Ortsteilen. Potenzial sieht er auch im Wohngebiet an der Maxim-Gorki-Straße. Mehrere Wohnblöcke seien schon weggerissen worden. Für das Gebiet müsse ein Konzept entwickelt werden, eine Philosophie. „Nur mit genügend Anwohnern lässt sich ein Einkaufsmarkt an der Gorkistraße halten“, sagt Töppel, der sich für den Erhalt des Marktes einsetzen will.

Das Gleiche gelte für die kommunalen Objekte, die Neustadt betreut. Die Freizeitwelt Mariba, die Dorfgemeinschaftszentren, das Museum, die Bibliothek: Diese Einrichtungen hätten nur eine Zukunft, wenn sie entsprechend genutzt werden. „Dafür brauchen wir eine stabile beziehungsweise wachsende Einwohnerzahl“, schlussfolgert Andreas Töppel.

Diese wirke sich wiederum positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Neustadt sei bereits eine starke Industriestadt. Die Mitarbeiter der größeren Unternehmen würden jedoch oft nicht aus Neustadt, sondern dem gesamten Umland bis Bautzen kommen. „Wir müssen versuchen, genau diese Fachkräfte samt Familien nach Neustadt zu ziehen“, sagt er. Die hohen Miet- und Baulandpreise, zum Beispiel in Dresden, könnten sich viele Leute kaum mehr leisten. Neustadt solle das nutzen und mit seiner Infrastruktur, den vorhandenen Kitaplätzen, Schulen und dem guten Arbeitsmarkt punkten.

Nachholbedarf sieht der 42-Jährige für Neustadt dagegen an anderer Stelle – im Bereich Sicherheit. Seit etwa einem Vierteljahr brechen Unbekannte vermehrt in Einfamilienhäuser ein. „Das macht auch mir Angst“, gibt Töppel zu. Er will sich deshalb für die Wiedereinführung eines eigenen Polizeipostens in der Stadt starkmachen, der im Zuge der Polizeireform gestrichen wurde. „Angesichts der aktuellen Situation muss das gelingen“, fordert er.

Weniger Einflussmöglichkeiten sieht der Familienvater beim Thema Asylpolitik. Wenn der Landkreis neue Flüchtlinge zugewiesen bekommt, müssten diese auf die einzelnen Kommunen verteilt werden. Eine Wahl hätte man nicht. Die Integration der Flüchtlinge, die dezentral im Neustädter Wohngebiet untergebracht sind, würde laut Töppel jedoch gut funktionieren.

Einige Asylbewerber seien zudem gut ausgebildet. Sie würden sich integrieren wollen. „Problematischer ist das bei kriminellen Flüchtlingen“, sagt Töppel. Hier sei die Politik auf Bundesebene gefordert, um diese schneller ausweisen zu können. „Als Bürgermeister oder Stadtverwaltung sind einem da selbst die Hände gebunden“, sagt der 42-Jährige.