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Reinigungskräfte mit Schusswaffe bedroht

Ein Freitaler hantiert betrunken mit einem Luftgewehr. In seiner Wohnung findet die Polizei unerlaubte Waffen. Jetzt stand er vor Gericht.

So ähnlich hat die Waffe ausgesehen, die auf die Reinigungskräfte gerichtet wurde.
So ähnlich hat die Waffe ausgesehen, die auf die Reinigungskräfte gerichtet wurde. © Wikimedia

Von Anne Schicht

Reinigungspersonal ist in der Regel zum späten Abend oder am sehr frühen Morgen im Einsatz. Es kommt durchaus vor, dass die Mitarbeiter die ersten sind, die einen Einbruch bemerken. „Einmal sind uns sogar schon Einbrecher entgegengerannt gekommen“, sagt Nancy Kunde, Chefin eines Dresdner Reinigungsunternehmens als Zeugin vor Gericht. Da sei sie schon einiges gewohnt und habe sich inzwischen ein dickes Fell zugelegt. Doch an einem frühen Januarmorgen dieses Jahres sei selbst sie geschockt gewesen.

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Eine Zahnarztpraxis in Freital stand um 3.30 Uhr auf dem Dienstplan. In dem Haus befindet sich neben den Praxisräumen noch eine Wohnung im Obergeschoss. Hier wohnt ein Mieter allein. Nancy Kunde und ihr Mitarbeiter fuhren mit dem Auto auf den Hinterhof, schlossen auf und gingen mit ihren Putzutensilien in die Praxis. 

Sie hätten quasi noch ihre Jacken in der Hand gehabt, als sie im Haus wildes Geschrei hörten. Zwar seien einzelne Worte nicht zu verstehen gewesen, aber der Ton sei sehr aggressiv gewesen. Die beiden Reinigungskräfte beschlossen, lieber später noch einmal wiederzukommen und den Auftrag auszuführen. Leise verließen sie die Praxis. 

Im Hausflur seien Schritte auf der Treppe zu hören gewesen und weiterhin lautes Gebrüll. Da habe der Fluchtreflex bei beiden eingesetzt und sie seien zum Auto gerannt. Gerade als sie losfahren wollten, sei ein Mann an der Haustür aufgetaucht. Er habe ein Gewehr mit einem langen Lauf in der Hand gehabt und auf die beiden gezielt. Sie sei in Schockstarre gefallen, ihr Kollege habe sie aber angebrüllt: „Fahr los! Fahr los!“ Später erstatteten sie Anzeige.

Als die Polizei am Morgen die Wohnung des nächtlichen Randalierers durchsuchte, fand sie allerdings nicht nur das Luftgewehr, sondern auch noch andere Waffen: eine Pistole, zwei Springmesser, einen Schlagring und ein Abwehrgerät. Wohnungsmieter Fritz B. konnte dafür keine Berechtigung vorweisen. Nun musste sich der 55-Jährige wegen Besitzes verbotener Waffen und Nötigung vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten.

Geständnis, Entschuldigung, Urteil

Der Angeklagte gestand alles: „Ich habe Mist gebaut. Ich habe gedacht, dass das Einbrecher waren. Ich dachte, ich muss das Haus beschützen. Noch dazu hatte ich kräftig Alkohol getrunken.“ Bei den beiden Reinigungskräften entschuldigte er sich im Gerichtssaal. Es täte ihm leid. Normalerweise sei die Zahnarztpraxis immer zwischen 17 und 21 Uhr gereinigt worden. Und auf dem Auto war kein Firmenschild zu sehen. 

Der Gebäudereiniger bestätigte, dass sie weder Arbeitskleidung mit Logo der Firma angehabt hätten, noch sei auf dem Auto erkennbar gewesen, dass es ein Firmenwagen sei. Die Kunden wüssten zu schätzen, dass die Firma da diskret vorgeht. Auch hätten sie nur vertretungsweise die Praxis gereinigt, allerdings schon zum dritten Mal.

Von den Schlagringen und den Springmessern sei der deutsche Angeklagte selbst überrascht gewesen. „Ich habe die nie benutzt, ich wusste gar nicht, dass ich die noch habe.“

Richter Christian Mansch hielt dem Freitaler zugute, dass er keinerlei Vorstrafen besitzt, dass er geständig sei und sich beim Reinigungspersonal entschuldigt hat. Allerdings habe er durch sein Verhalten die beiden sehr verängstigt. Er verurteilte Fritz B. zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 15 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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