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Wenn der Gast reserviert, aber nicht kommt

Nicht nur Elternstammtische ärgern die Zittauer Gastwirte, sondern auch Bestellungen, die nicht eingehalten werden.

Henryk Haußer-Knabe mit dem Reservierungsbuch vom "Dornspachhaus" in Zittau.
Henryk Haußer-Knabe mit dem Reservierungsbuch vom "Dornspachhaus" in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Der jüngste Fall liegt noch gar nicht so lange zurück. Erst vor wenigen Tagen hat wieder ein Gast einen Tisch reserviert und ist nicht gekommen.

Das findet Henryk Haußer-Knabe ärgerlich. Es könne immer mal etwas passieren, aber dann sollte man wenigstens vorher Bescheid geben, findet der Zittauer Gastwirt, der das "Dornspachhaus" und das "Cavallino" betreibt. 

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Seine Restaurantleiterin Julia Kaspar hat den betreffenden Gast eine halbe Stunde nach Ablauf der Reservierungszeit angerufen. Man sei krank geworden und habe total vergessen, anzurufen, dass man nicht kommt, bekam sie zu hören. Ob der Gast wirklich das Bett hüten musste oder sich nur herausgeredet hat, weiß die Restaurantleiterin nicht. Dass sie krank seien, behaupten die Gäste gern. Immer wieder sagen die Gäste auch, dass sie einen anderen Tag reserviert haben und der Termin nur falsch eingetragen wurde. "Manche sind auch nicht erreichbar", erzählt die Restaurantleiterin.

Seit einigen Jahren lassen sich Henryk Haußer-Knabe und seine Mitarbeiter bei Reservierungen die Telefonnummer des Bestellers geben. So kann man den Gast bei Nichterscheinen anrufen. Es ist aber auch eine Absicherung für den Gast selber. Wenn zum Beispiel im Restaurant etwas Unvorhergesehenes passiert, können die Mitarbeiter Bescheid geben und die Gäste stehen nicht vor einer verschlossenen Tür.

Ein bis zwei Fälle im Monat

Dass sie sich die Telefonnummer geben lassen, ist auch eine Konsequenz aus den zunehmenden Null-Reservierungen. Seit mittlerweile 22 Jahren betreibt Henryk Haußer-Knabe das "Dornspachhaus" neben der Zittauer Johanniskirche. In dieser Zeit habe die Zahl derjenigen, die reservieren, aber nicht kommen, zugenommen. Ein- bis zweimal im Monat gibt es solche Fälle, berichtet Restaurantleiterin Julia Kaspar. Meist wurde für zwei bis vier Personen bestellt, bei größeren Gruppen habe es bis jetzt noch keinen solchen Ausfall gegeben.

Wenn die Leute beispielsweise unter der Woche einen Tisch bestellen und dann nicht kommen, sei das mitunter noch zu verschmerzen, sagt der bekannte Gastronom. Ärgerlich werde es aber an Wochenenden und Feier- oder Brückentagen, wenn die Gaststätte voll ist.

Auch jetzt im Januar gibt es viele Reservierungen, denn das "Dornspachhaus" ist im Gutscheinkalender das Restaurant des Monats. Aus diesem Grund gibt es auch wochentags mehr Tischbestellungen als sonst üblich. Deshalb sei auch der jüngste Fall einer Null-Reservierung ärgerlich, meint Haußer-Knabe. Das Restaurant war auch an diesem Donnerstag voll und die Mitarbeiter mussten Leute wegschicken, weil sie noch auf die vorgemerkten Gäste gewartet haben.

Vertrag bei Gesellschaften im "Ritterkeller"

Henryk Haußer-Knabe kann sich noch gut an einen Fall vor etwa zwei Jahren erinnern. Damals hatte eine kleine Gruppe von sechs Personen sowohl im "Cavallino" wie auch im "Dornspachhaus" einen Tisch bestellt, ohne dass sie wussten, dass beide Restaurants den gleichen Chef haben. Nun saßen sie im "Dornspachhaus", ohne zuvor im "Cavallino" abzusagen. "Sie unterhielten sich darüber und so bekam es unser Mitarbeiter mit, der die Gruppe daraufhin angesprochen hatte", berichtet der Zittauer Gastronom. Den Gästen war es sichtlich unangenehm.

Wenn ein Tisch reserviert wurde, besteht aus Sicht von Juristen grundsätzlich keine vertragliche Verpflichtung. Somit gibt es für den Gast auch keine Pflicht, zu kommen. Erst wenn bestimmte Speisen zu einem festen Preis zu einer konkreten Zeit vereinbart wurden, handelt es sich nach Ansicht von Juristen um eine verbindliche Reservierung. Das sei beispielsweise bei Hochzeitsessen der Fall.

Tische werden reserviert, aber die Bestellungen nicht eingelöst.
Tische werden reserviert, aber die Bestellungen nicht eingelöst. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Reservieren Gesellschaften den "Ritterkeller" vom "Dornspachhaus" und bestellen ein Büfett, dann schließt Henryk Haußer-Knabe im Vorfeld auch einen Vertrag ab. Bei allen Reservierungen so zu verfahren, will er aber nicht. Zum einen würden durch einen Vorvertrag Gäste abgeschreckt, zum anderen werden diejenigen mitbestraft, die ihre Reservierungen auch einhalten. Und das sei immer noch die Mehrzahl, betont Haußer-Knabe. Der Aufwand und die Bürokratie solcher Vorverträge lohne sich nicht. "Ich kenne auch keinen Gastwirt in der Region, der das macht", sagt der "Dornspachhaus"-Chef.

Auf alle Gruppen lässt sich das Prinzip des Vorvertrages nicht anwenden. Bei Klassentreffen sei das zum Beispiel kaum möglich, da die Teilnehmer meist kein festes Büfett wünschen, sondern a la carte bestellen. Mit Klassentreffen hat der Inhaber vom "Dornspachhaus" auch seine Erfahrungen gemacht: 35 Plätze waren reserviert und 15 am Ende besetzt. Ähnliches erleben die heimischen Gastronomen auch immer wieder mit Elternstammtischen, die zudem für sehr wenig Umsatz sorgen.

Henryk Haußer-Knabe kann nur appellieren, dass die Gäste Bestellungen als verbindlich ansehen. Oder zumindest rechtzeitig vorher anrufen, wenn sie nicht oder weniger Personen kommen. Auch Juristen empfehlen, eine Tischreservierung rechtzeitig abzusagen, um zu gewährleisten, dass keine Schadensersatzansprüche vom Wirt geltend gemacht werden.

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