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Rettungswache startet durch

Die Teams rücken jetzt vom neuen Standort ins Pulsnitz- und Rödertal aus. Eine Million Euro investierte der Kreis.

© es gelten meine agb.

Von Reiner Hanke

Butterweich rollt das graue Tor der neuen Rettungswache in Pulsnitz nach oben und ein gelber Rettungswagen über die grauen Fliesen in die Garage. Franziska Kubitz und Dominic Krause kehren gerade von einem Einsatz in Oberlichtenau zurück. Da geht schon der Funkmelder bei ihren beiden Kollegen in dieser Schicht los, bei Annette Schütze und Norbert Rathsack. Die beiden Rettungsassistenten werfen sich ihre orangefarbenen Jacken über, springen in den zweiten Rettungswagen in der Doppelgarage. Das Einsatzgebiet sei groß: „Da müssen wir schon ein bisschen Ballett machen.“

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1,15 Millionen Euro investierte der der Kreis Bautzen in die neue Rettungswache in Pulsnitz. Aus diesen Toren starten die Rettungswagen. Der Krankentransporter hat seine Garage auf der anderen Gebäudeseite.
1,15 Millionen Euro investierte der der Kreis Bautzen in die neue Rettungswache in Pulsnitz. Aus diesen Toren starten die Rettungswagen. Der Krankentransporter hat seine Garage auf der anderen Gebäudeseite. © es gelten meine agb.

Das Tor öffnet sich per Fernbedienung. Wenn die Ampel auf Grün wechselt, geht’s los. Kaum eine Minute ist vergangen. Das Blaulicht flackert auf. Der Rettungswagen braust davon zum Einsatz in Hauswalde. Trotz frostiger Temperaturen draußen ohne Scheibenkratzen. Das ist gerade jetzt in der Wintersaison eine ganz neue Erfahrung fürs Pulsnitzer Retterteam mit vier Frauen und elf Männern. Am alten Standort gab es nur einen Schauer, keine beheizte Garage. Früher wurde das Auto auf dem Weg zum Einsatzort manchmal gar nicht richtig warm, berichten die DRK-Mitarbeiter: „Jetzt kommen die Patienten in ein gut vorgewärmtes Auto“, sagt Annette Schütze.

Das sind natürlich nicht die einzigen Veränderungen, zum Nutzen von Patienten und Rettern. Kurze Wege ohne Stolperfallen gehören dazu, so dass die Retter schneller zu den Notfällen starten können. Wichtig ist, dass sich Aufenthalts-, Diensträume und Garagen im Erdgeschoss auf einer Ebene befinden. Im Obergeschoss des Mitteltraktes befinden sich Sozial- und Technikräume. Nach 14-monatiger Bauzeit hat das Deutsche Rote Kreuz jetzt die neue Wache vom Landkreis übernommen. „Es ist wie beim Umzug aus der Altbauwohnung ins nagelneue Eigenheim“, sagt Norbert Rathsack. „Unser Umzug ist jetzt komplett erledigt“, so Frank Schörnig, Chef der DRK-Rettungswache mit Hauptsitz in Radeberg. Seit dem vorigen Wochenende starten die Rettungs-Assistenten und -Sanitäter aus der neuen Wache auf der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. Immer vier bis sechs pro Zwölfstundenschicht.

1,15 Millionen Euro investierte der Kreis hier für die optimale Einsatzvorbereitung, damit die Retter noch schneller ausrücken können. Arbeitsschutz, Hygiene und Medikamentenlagerung – alles entspreche jetzt modernsten Standards. Auf dem neusten Stand ist jetzt auch die Desinfektionstechnik, demonstriert Frank Schörnig. Ein besonders wichtiger Punkt. Das Leben von Patienten wie Rettern kann daran hängen. Denn bei jedem Einsatz drohen Gefahren durch unzählige Krankheitserreger. Unter 6 °C ist eine Desinfektion draußen am Auto schwierig. In der modernen Garage dürfte es damit keine Probleme mehr geben. Ein Dosierautomat mit Desinfektionsmittel hängt direkt an der Garagenwand. So können Tragen und Innenraum der Rettungswagen sofort nach dem Einsatz zügig gereinigt werden. In einem speziellen Raum mit blitzenden Edelstahlbecken gibt es Waschmaschine und Trockner. Auch medizinische Arbeitsgeräte wie Defibrillatoren werden hier nach jedem Einsatz desinfiziert.

Alles ist viel geräumiger, freut sich auch Franziska Kubitz. Das betrifft vor allem auch die Umkleideräume und Sanitäranlagen. Die sind nun für Frauen und Männer getrennt. Bisher gab es nur eine Dusche für alle. Zum modernen Standard gehört ein geräumiger Dienstraum mit Küchenzeile und Terrasse im Anschluss. Ruheräume befinden sich im Erdgeschoss und viel mehr Platz zum Entspannen zwischen den Einsätzen. Sieben bis zehnmal rücken die Retter pro Schicht aus. Weihnachten und Silvester erfahrungsgemäß noch öfter.

Gerade wird noch der Fernseher für den Aufenthaltsraum mit Sitzecke angeliefert. Das Entspannen zwischen den Einsätzen sei selbst mit neuem Komfort gar nicht so einfach, räumt Norbert Rathsack ein. Ein unterschwelliger Stress sei immer da. Der letzte Einsatz sei ein Suizid gewesen. Ein solcher Notfall gehe nicht so schnell aus dem Kopf. Gerade in den Pausen. So zerrt das Warten auf den nächsten Einsatz an den Nerven: „Ich will ja auch raus“, sagt Franziska Kubitz, „um Hilfe zu leisten.“ Die brauchen immer mehr alte Leute. Oft bei Infektionskrankheiten, Demenz und Stürzen. Aber es gebe auch schöne Einsätze, wenn ein Kind geboren wird, zum Beispiel, sagt Annette Schütze: „Viel Dankbarkeit spüren wir bei alten Leuten. Manchmal sind sie einfach nur froh, dass jemand kommt, mit dem sie reden können.“ Froh sind auch die Retter, dass der Umzug endlich über die Bühne ist, nach den Verzögerungen beim Bau. „Es ist schön geworden“, sagt Franziska Kubitz. Sie und Dominic Krause können erst mal durchatmen. Bis der Funkmelder wieder Alarm schlägt.