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Rhododendren am Hutberg gehen ein

Wetter. Der Juli war so heiß, sonnig und trocken wie nie. Dürre inklusive.

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Von Jens Tischer

Der Juli 2006 geht in die Klimageschichte ein. Noch nie seit über 100 Jahren gab es einen so heißen, sonnigen und trockenen Sommermonat wie dieses Jahr. In Karlsruhe und Berlin gibt es sogar Klimareihen die bis ins 18. Jahrhundert reichen und keine so hohen Temperaturen aufzeigen. Ursache war das Zusammenspiel von Tiefdruckvorderseite und hier lagernden Hochdruckgebieten, die fast ausschließende warme bis heiße Luft nach Mitteleuropa führten.

In Kamenz erreichte der Juli mit 22,9 °C einen Überschuss von 4,8 Kelvin. In Dresden waren es sogar über 5,5 Grad Abweichung. Damit wurde der bisherige Rekordhalter 1994 glatt überboten. Bemerkenswert ist, dass das mittlere Maximum der Lufttemperatur bei 30,4 °C lag. Das bedeutet eine Überschreitung von sagenhaften 6,5 K im Mittel. So verwundert es nicht, dass an 30 Tagen mindestens 25 °C erreicht wurden (Sommertage), an 18 sogar 30° C (heiße Tage). Das sind 16 bzw. 14 mehr als in einem normalen Juli. Die fast ausnahmslosen klaren Nächte wiesen dagegen nur etwas übernormale Temperaturen auf. Mit 36.6 °C zeigte sich der 20. Juli von seiner heißesten Seite und brach damit den Rekord in einer 2. Dekade. Gleichzeitig lag das Tagesmittel an dem Tag bei 27,5 °C. Am frischesten war die Nacht zum 15. mit nur 7,3 °C, am Boden gar 4 °C. Grund war vorübergehendes Einsickern trockener Festlandsluft aus Russland.

Niederschlagsmäßig brachte der Juli ebenfalls einen Rekord. Denn mit gerade mal 6 mm fielen nur 7 % des Solls. Die 1. und 2. Dekade blieben sogar fast ganz trocken. Noch nie musste ein derartiges Niederschlagsdefizit festgestellt werden. Mit 86 mm ist der Juli in unserer Region normalerweise der nasseste Monat des Jahres. In Verbindung mit einem deutlichen zu trockenem April (29 von 53 mm), einem leicht zu trockenem Mai (56 von 62 mm, wieder einem extrem trockenen Juni (29 von 73 mm) kam und kommt es zu selbst 2003 noch nicht registrierten Dürreschäden. Auf dem Hutberg gehen Rhododendren ein, sehr alte Buchen und Eichen werfen Laub ab, Birken sind gänzlich vertrocknet. Damit ist zu befürchten, dass sich die heimische Vegetation zurückzieht, da sie sich diesen Extremen nicht mehr anpassen kann. Kein Wunder, denn das Klima im Juli war dem von Mittelitalien oder Bulgarien gleich.

Hinzu kam, dass die Sonne fast gnadenlos vom Himmel schien. Damit einher ging eine zusätzlich extreme Verdunstungsrate. Flächendeckend verdorrte Gras. Ein neuer Rekord wurde auch mit 333 Sonnenstunden aufgestellt. Viele Tage blieben völlig wolkenlos. Fünf Tage wurden Gewitter vermeldet, doch verfehlten die wie so oft wieder einmal die Kreisstadt. Am 26. bildete sich in der heißen Luft beim Zusammenprall unterschiedlicher Windrichtung und Überhitzung Schönwettertromben (schön auf Ackerflächen als Staubsäule zu sehen), eine sorgte in Oberlichtenau sogar für Schäden an einem Dach.