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Roßweiner forscht mit Fraunhofer

Die Firma Stowasser baut Stützwände und Brücken. Aber sie beteiligt sich auch an der Entwicklung von Stahlfaserbeton.

Von Cathrin Reichelt

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Auf dem Grundstück der Werner Stowasser Bau GmbH in Roßwein stapeln sich Schalungen für runde Bauteile. „Sie können auch für gerade Bauteile verwendet werden“, erklärt Geschäftsführer Dirk Stowasser. „Mit ihnen arbeiten wir heute überwiegend.“

Die Schalungen waren 2007 das erste Ergebnis eines Forschungsprojektes, an dem Stowasser gemeinsam mit mittelständischen Unternehmen aus Sachsen arbeitete. Drauf aufbauend entwickelt das Unternehmen heute mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) aus Dresden und regionalen Partnern Stahlfaserbeton, also Beton mit Stahlfasern ohne Einsatz von herkömmlicher Bewehrung. Letztere sorgt bisher beim Bau für die Aufnahme von Zugspannungen und ermöglicht erst die Verwendung von Betonbauteilen, die durch Druck und Zug beansprucht werden.

Der Stahlfaserbeton soll Material, Energie und Bauzeit einsparen sowie kostengünstiger als die bisherige Bauweise werden. „Wir möchten ihn im konstruktiven Ingenieurbau einsetzen“, sagt Dirk Stowasser. Der konstruktive Ingenieurbau ist die Grundlage zur Errichtung von Gebäuden, Brücken, Türmen und Masten, also Objekten, die statischen Belastungen standhalten müssen.

Bahnbrechende Erkenntnisse

Innerhalb des Projektes, das durch den Freistaat Sachsen und den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird, hat Stowasser angewandte Forschung betrieben. Dabei wurden zahlreiche Versuchswände und Versuchsreaktoren gebaut und erforscht sowie deren statische Kennwerte untersucht. Dazu gehörte sogar eine zwölfmal sechs Meter große Wand aus farbigem Beton. „Bei den Versuchen haben wir sehr interessante Ergebnisse erhalten“, meint der Geschäftsführer, dem es möglich ist, durch diese praxisnahe Forschung, den Stahlfaserbeton weiterzuentwickeln. Der könnte für die Errichtung von Trinkwasserbehältern sowie die Modernisierung oder den Neubau von Abwasseranlagen und vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Eine bahnbrechende Erkenntnis sei gewesen, dass sich der gepumpte selbstverdichtende Frischbeton, auch nachdem er in der Schalung bereits zum Stillstand gekommen ist, nachträglich weiter verschiebt. Bei der Fortsetzung der Betonage wandert der bereits eingebaute Beton in der Schalung um bis zu zehn Meter. Hierbei kommt es zu Verwirbelungen und zu Änderungen der statischen Kennwerte. „Das haben wir so nicht erwartet“, meint Stowasser. „Für alle Betonfachleute war diese Reaktion neu.“ Die Ursachen dieses Phänomens sollen jetzt in der Grundlagenforschung von den Universitäten geprüft werden. Anschließend möchte die Firma Stowasser ihre angewandte, praxisnahe Forschung fortsetzen.

Firma baut Stützmauer in Grunau

Die Forschung macht aber nur einen kleinen Teil der Arbeit des mittelständischen Unternehmens aus. Das Hauptaufgabengebiet liegt im konstruktiven Betonbau. Stowasser baut Güllebehälter, Fahrsiloanlagen für die Landwirtschaft, Regenrückhaltebecken und Stützwände und übernimmt Bauleistungen aller Art in der Region. In Grunau baut Stowasser derzeit die Stützmauer an der abgerutschten Straße. „Als nächstes beginnen wir mit der kleinen Brücke über die Jahna in Mochau“, so der Firmenchef.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit knapp 40 Mitarbeiter. Der letzte Auszubildende hat gerade ausgelernt. Einen oder mehrere Neue zu finden, sei schwierig. „Leider haben zu wenige junge Leute Interesse für das Handwerk“, sagt Dirk Stowasser. Für die Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer liegen derzeit fast keine Bewerbungen vor. „Wir würden gern ausbilden“, meint er und verweist auf rund 50 Lehrlinge, die seit 1990 in dem Unternehmen gelernt haben. Viele wurden auch übernommen. „Der Beruf ist vielseitig und interessant“, meint Stowasser. Er bietet auch Studenten der Berufsakademie Sachsen die Möglichkeit zu einem dualen Studium. Außerdem sucht das Unternehmen derzeit Baugeräteführer und bietet auch branchenfremden Interessenten die Möglichkeit, das Unternehmen kennenzulernen.

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