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Ruine am Steinbruch soll verschwinden

Steina träumte hier vor vielen Jahren vom Ferienparadies. Zuvor lief hier auch vormilitärische Ausbildung der DDR.

Von Reiner Hanke
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Nur noch eine Ruine: Das frühere Sanitärgebäude der Steinbrucharbeiter am Steinaer Haustein – später Gebäude der DDR-Organisation GST zur vormilitärischen Ausbildung.
Nur noch eine Ruine: Das frühere Sanitärgebäude der Steinbrucharbeiter am Steinaer Haustein – später Gebäude der DDR-Organisation GST zur vormilitärischen Ausbildung. © Matthias Schumann,

Steina. Hier speisten einst Steinbrucharbeiter und Schüler robbten bei der vormilitärischen Ausbildung für die DDR-Armee durchs Gelände am Haustein bei Steina. Wer genau hinschaut, entdeckt aber noch mehr. Zum Beispiel ein Schild hinter einem Gewirr aus Wildwuchs mit der Aufschrift „Freizeitcenter Haustein.“ Kurioses gibt es auf dem Gelände unterhalb einer Tauchschule am Steinbruchsee noch mehr. Zum Beispiel einen Ausleger auf dem steht „Parkscheinautomat. Hier Parkschein lösen!“ Das Schild ist durchgestrichen. Aber der dazugehörige Automat ist wohl nie montiert worden. Der Pfeil auf dem Schild zeigt ins Leere. Die Idee für den Automaten stammt aber wohl eher aus der jüngeren Zeit, als Parkplätze für Besucher des Sees knapp wurden.

Dem Steinaer Bürgermeister Achim Garten geht es um die Ruinen der Gebäude unterhalb der Tauchschule am See. Er arbeitet mit dem Gemeinderat derzeit an einer Lösung für das Gelände. Das verfällt seit vielen Jahren. Und was kurios wirkt, wie das Parkschild, ist eher eine traurige Geschichte mit Ursprung in der Wende- und Nachwendezeit, vor weit über 20 Jahren. Der Blick fällt auf einen maroden Gebäudekomplex: „Einsturzgefahr. Betreten verboten“ steht an den demolierten Fenstern. Durch die fällt der Blick auf das ramponierte Innenleben, wie Reste zerschlagener Waschbecken. Aber auch auf Fliesen, die von zurückliegenden Investitionen zeugen. Es sei das ehemalige Sozialgebäude mit Speisesaal der Mitarbeiter des Steinbruches Haustein, weiß Heimatforscher Reinald Görner. Der schloss in den 1960er-Jahren.

Der Blick über den malerisch gelegenen Steinbruchsee in Richtung Tauchschule.
Der Blick über den malerisch gelegenen Steinbruchsee in Richtung Tauchschule. © SZ/Reiner Hanke

Dann zog die GST ein

Das Gelände wurde dann von der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) zu DDR-Zeiten als Ausbildungslager genutzt. Auch für vormilitärische Ausbildung von Schülern, um den Nachwuchs für die nationale Volksarmee der DDR zu sichern. Da wurde auch scharf geschossen. Die GST gehörte zu den DDR-Organisationen, auf die sich in der Wendezeit der Volkszorn richtete und zog sich auch in Steina schnell zurück, wie Zeitzeugen berichten. Der Stützpunkt sei in der Wendezeit aufgelöst worden. Das gesamte Gelände gehörte damals der Gemeinde. Im Gespräch mit Zeitzeugen und Kommunalpolitikern der 1990er-Jahre ist zu erfahren, dass es „bestimmt gute Gedanken waren, ein Ferienzentrum dort zu entwickeln“. Es sei aber total schiefgegangen, wie manches nach der politischen Wende 1989/90. Die Gemeinde hatte nach den Berichten sogar noch in einen Anbau investiert. Ferienzimmer sollten vermietet werden. Beim Bau soll aber auch tüchtig gepfuscht worden sein. Schließlich erhoffte man sich wohl von einem Investor den Durchbruch. An den habe die Gemeinde das Areal verpachtet, in der Hoffnung, dass der die Idee für ein Ferienzentrum rettet. Sogar der Bau von Bungalows sei begonnen worden. Der Investor ging Pleite. Ende der 1990er-Jahre kaufte dann die noch heute ansässige Tauchschule einen Teil des Geländes. Aber das Areal um den Speisesaal verfiel. Vandalismus erledigte das Übrige.

Das Schild erinnert an den Traum vom Ferienzentrum.
Das Schild erinnert an den Traum vom Ferienzentrum. © SZ/Reiner Hanke

Die Gemeinde hatte nach den Berichten nicht die Kraft, noch einmal an den Gebäudekomplex ranzugehen. Ein Hauptproblem stand dabei eigentlich von Anfang an im Weg: die fehlende Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung. In die hätten erst einmal mehrere Hunderttausend Euro investiert werden müssen, um überhaupt eine Aussicht auf Erfolg zu haben. So mancher bedauert, dass nichts aus dem Ferienzentrum geworden ist. Die Lage sei wirklich schön. Allerdings waren gerade Anfang der 1990er-Jahre andere Urlaubsziele der Renner als die Westlausitz.

Die Gemeinde will jetzt einen Schlussstrich ziehen: „Wir haben Fördermittel beantragt“, so Achim Garten. „Es bleibt nur noch der Abriss übrig.“ Die Gemeinde bekomme 80 Prozent der Kosten gefördert, sonst wäre das nicht möglich. Mit 80 000 Euro rechnet die Gemeinde als Gesamtsumme für den Abriss. So könne Steina den Schandfleck trotz knapper Kassen beseitigen. Ein Konzept für die Nachnutzung gebe es noch nicht. Eine Idee vielleicht schon. Die sei auch nicht ganz neu. Das Gelände ließe sich vielleicht als Caravan-Platz nutzen. Dafür müssten natürlich einige Voraussetzungen geschaffen werden, so Achim Garten. Dazu gehört immer noch das Problem mit Trink- und Abwasser. Der Traum vom Ferienparadies war wohl eher ein Albtraum. Aber vielleicht parken ja irgendwann einmal die Caravans hier.